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Politische Meinungsbildung „Der Wahl-O-Mat ist Volkssport geworden“

Thomas Krüger von der Bundeszentrale für politische Bildung spricht im Interview über die Wirkung der Wahl-O-Mat-Webseite.

Bundestagswahl
Der Wahl-O-Mat ist Volkssport. Foto: Michael Schick (Michael Schick)

Herr Krüger, der Wahl-O-Mat ist mittlerweile über zehn Millionen Mal genutzt worden. Welchen Schluss ziehen Sie daraus?
Vor dem Start des Wahl-O-Mat habe ich ja gesagt, dass das Spielen des Wahl-O-Mat inzwischen „demokratischer Volkssport“ geworden ist. Und die Nutzungen in den ersten zwei Wochen bestätigen das aufs eindrücklichste: der Wahl-O-Mat genießt ein gigantisches Vertrauen und der Satz „Hast du schon den Wahl-O-Mat gespielt?“ ist in aller Munde. Ich ziehe den Schluss daraus, dass sehr viele Menschen, die sich über die Positionen der zur Wahl stehenden Parteien informieren wollen, davon überzeugt sind, dass es eine gute Idee ist, mit dem Wahl-O-Mat in die Auseinandersetzung einzusteigen. Der Wahl-O-Mat ist so gesehen das beliebteste politische Informationsspiel.

Ist das ein Spiel? Ist das Ausdruck wachsender Politisierung? Oder fördert es die Politisierung erst?
Der Wahl-O-Mat ist insofern ein Spiel, als dass er seinen Nutzern Spaß macht und sie so über den spielerischen Ansatz zur Beschäftigung mit handfesten politischen Fragen bringt. In der Vergangenheit haben wir festgestellt, dass bei Wahlen mit hoher Politisierung der Wahl-O-Mat besonders stark nachgefragt wird. Man kann also durchaus behaupten, dass wachsende Nutzungszahlen beim Wahl-O-Mat ein Ausdruck wachsender Politisierung sind. Aber da gibt es auch Wechselwirkungen. Der Wahl-O-Mat hat seine Nutzungszahlen in der Vergangenheit ja auch in weniger stark politisierten Zeiten gesteigert. Und wir wissen aus zahlreichen Umfragen, dass der Wahl-O-Mat zur Politisierung beiträgt, in dem er Menschen über die Themen der Wahl miteinander ins Gespräch bringt und Anlass ist, sich intensiver mit dem einen oder anderen Thema – oder auch der einen oder anderen Partei – zu befassen.

Hat der Wahl-O-Mat bei zehn Millionen Teilnehmern vielleicht sogar wahlentscheidende Bedeutung?
Der Wahl-O-Mat motiviert eher, als dass er Einfluss auf die Wahlentscheidung hat oder gar als alleiniges Entscheidungskriterium zur Stimmabgabe herangezogen wird. Bei der Bundestagswahl 2013 haben sich nach unseren Umfragen knapp fünf Prozent der Wahl-O-Mat-Nutzer durch den Wahl-O-Mat zur Stimmabgabe motivieren lassen – also hochgerechnet über eine halbe Million Menschen. Wenn wir in diesem Jahr wieder ähnliche Werte erreichen, dann ist das schon eine Größenordnung, die für den Wahlausgang, vor allem aber für die demokratische Legitimation der Gewählten, eine gewisse Bedeutung hat.

Wie nehmen Sie ansonsten den Wahlkampf wahr? Einerseits ist von Langeweile die Rede. Andererseits gibt es wegen der AfD eine wachsende Polarisierung.
Es scheint sich zu bewahrheiten, dass große Koalitionen der öffentlichen politischen Auseinandersetzung nicht unbedingt gut tun und den Wahlkampf in Teilen ad absurdum führen. Ich beobachte eine „Stilllegung“ von Themen, während solche in den Vordergrund rücken, bei denen sich Union und SPD weitgehend einig sind. Das liegt gewissermaßen in der Natur großer Koalitionen. Wer will schon sein eigenes Regierungshandeln grundsätzlich kritisieren? Spannend ist allenfalls der Kampf um Platz 3. Und es ist gut, dass es dieses Mal – bis auf die AfD – keine „Ausschließeritis“ gibt. Außenseiter wie die so genannte „Alternative“ haben es im digitalen Zeitalter sehr einfach, Gehör zu finden. Und doch dürfen wir nicht aufhören, an die Kraft des politischen Argumentes zu glauben – auch wenn viele Fachfragen sehr komplex und nur noch von Fachleuten wirklich zu überblicken sind.

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