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Phrasenprüfer „Enteignung der Sparer stoppen“

Die Sparer leiden unter den niedrigen Zinsen. Ihr Erspartes vermehrt sich kaum noch. Da scheint es nur richtig, dass die FDP fordert: „Enteignung der Sparer stoppen.“ Doch daran sind gleich mehrere Dinge falsch.

Sparschwein
Die Sparer leiden unter niedrigen Zinsen. Foto: Imago

Warum sind die Zinsen weiterhin niedrig?
Weil der ökonomische Zustand der Euro-Zone aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) noch keine höheren Zinsen erlaubt. Zwar wächst die Wirtschaft der Währungsgemeinschaft wieder, doch tut sie das eher langsam. Die Löhne steigen nur wenig. Die Preise ziehen nicht so stark an, als dass das Inflationsziel der EZB von knapp unter zwei Prozent in Reichweite wäre. Aus diesen Gründen sorgt sie weiter für billiges Geld, in der Hoffnung, dass die Unternehmen investieren und so die Wirtschaft wächst. 

Werden dadurch die deutschen Sparer enteignet?
Nein. Der Begriff der Enteignung ist eine clevere Wortschöpfung, mit der populistische Politik und Stimmung gegen die EZB gemacht wird. Nicht nur die FDP verwendet sie, die Banken und Sparkassen wettern damit schon lange gegen die EZB-Politik, da ihnen die niedrigen Zinsen das Geschäft erschweren. Mit der Realität hat das wenig zu tun. Der Ökonom Gustav Horn sagt: „Prinzipiell kann man hier nicht von einer Enteignung sprechen, denn es gibt keinen Rechtsanspruch auf hohe Zinsen – genauso wenig wie auf Gewinne oder hohe Löhne.“

Was sind Sparer?
Sparer sind Investoren. Sie bieten ihr Erspartes – unter Vermittlung der Banken – Kreditnehmern an, damit diese damit Geschäfte machen können. Im Gegenzug erwarten sie Zinsen. Kluge Investoren suchen sich neue Felder, wenn sie merken, dass bestimmte Geschäfte nichts mehr abwerfen. Sie könnten ihr Haus energetisch sanieren, Aktien kaufen oder in die Bildung ihrer Kinder investieren. Das verspricht beträchtliche Renditen.  

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