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Phrasenprüfer „Durchschnittsrente im Westen bei 1375 Euro“

CDU-Politiker Laumann sagt, in der Debatte über Altersarmut würden Probleme herbeigeredet. Immerhin betrage die „Durchschnittsrente“ im Westen „gut 1375 Euro“ und im Osten „gut 1300 Euro“. Stimmt das?

Altersarmut
CDU-Politiker Laumann redet das Problem der Altersarmut klein. Foto: dpa

Was sagen die Statistiken?
Nach Auskunft der Deutschen Rentenversicherung Bund lagen die Zahlbeträge der „Renten wegen Alters“ im Jahr 2015 bei durchschnittlich 787 Euro im Westen und 964 Euro im Osten. Differenziert nach Männern und Frauen ergibt sich folgendes Bild. Die Frauen im Osten erhielten 846 Euro, die West-Frauen 580 Euro. Die Männer in den neuen Bundesländern bekamen 1124 Euro, die in den alten Bundesländern 1040 Euro.

Wie kommt Laumann dann auf seine Zahlen?
Der CDU-Politiker wandte in der Sendung „Illner intensiv“ die alten „Tricks“ an, die in der Rentendebatte seit Jahren im Umlauf sind, um das Problem der schon heute bestehenden Altersarmut zu verschleiern. Einer geht so: Man nehme die „Bruttostandardrente“ und verkünde, sie bezeichne einen Durchschnittswert. Die Bruttostandardrente ist definiert als die Rente, die ein Altersrentner im Monat brutto erhält, wenn er bis zum Renteneintrittsalter 45 Jahre lang genau durchschnittlich verdient hat. Dieser gelegentlich auch Eckrente genannte Wert liegt laut Deutscher Rentenversicherung in der Tat in der Größenordnung der von Laumann genannten Zahlen, ist jedoch weit vom Durchschnitt entfernt.

Die Bruttostandardrente ist jedoch noch gar nicht der Betrag, den der „Standardrentner“ ausbezahlt bekäme. Der Zahlbetrag, den dieser tatsächlich erhielte, liegt rund elf Prozent unter der Bruttostandardrente, da auf diese noch Beiträge zur Kranken- und zur Pflegeversicherung bezahlt werden müssen. Der doppelte Trick von Laumann – die „Standardrente“ als Durchschnittsrente auszugeben und dann auch noch den Bruttowert zu verwenden, damit es nach mehr klingt – fiel weder den Mitdiskutierenden noch der TV-Moderatorin auf.

Was sagt die Durchschnittsrente überhaupt über das Wohlergehen der Rentner aus?
Dieser Wert hat nur bedingt Aussagekraft, gibt es doch viele ältere Menschen, die nicht nur Einnahmen aus der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern zusätzlich (oder ausschließlich) Einkünfte aus privaten Renten, Betriebsrenten, Mieteinnahmen, Pensionen oder aus anderen Quellen haben. Ein umfassendes Bild über die tatsächliche finanzielle Situation der Generation 65plus zeichnet der etwa alle vier Jahre erscheinende Alterssicherungsbericht der Bundesregierung. Darin ist beispielsweise aufgelistet, dass jede vierte alleinstehende Frau in den alten Bundesländern weniger als 1000 Euro im Monat zur Verfügung hat. Anhand dieser Zahlen lässt sich erkennen, dass Altersarmut sehr wohl alles andere als ein Randphänomen ist.

Wie lautet das Fazit?
Es geht nicht darum, wie der NRW-Arbeits- und Sozialminister Laumann behauptet, Probleme herbeizureden, die wir nicht haben, sondern darum, Probleme, die wir haben, anzugehen.

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