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Kanzlerin-Wahl Merkels Schrecksekunde

Der Bundestag wählt die CDU-Chefin zum vierten Mal zur Kanzlerin - mit mehr Gegenstimmen als erwartet.

Das neu gewählte Kabinett
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (r. neben Merkel) überreicht der Kanzlerin und dem neuen Kabinett im Schloss Bellevue ihre Urkunden. Foto: afp

Sigmar Gabriel dagegen ist schnell verschwunden. Er wäre gerne Außenminister geblieben, ist aber von Nahles für nicht teamfähig genug befunden worden. Was er davon hält, macht er auf seine Weise deutlich. Während der Abstimmung betritt er den Saal, geht zielstrebig zu Merkel in die erste Reihe. Dann verlässt der Ex-Minister und Ex-SPD-Chef den Saal. Eine Linken-Abgeordnete umarmt ihn, kein Blick geht in Richtung SPD.

Der Tag der Regierungsbildung ist ein Tag von Aufstiegen, Abstiegen und Emotionen. Es ist auch ein Tag des Hin- und Herfahrens zwischen Bundestag und Bundespräsidialamt. Nach der Wahl macht sich Merkel auf den Weg zu Steinmeier, der ihr ihre Ernennungsurkunde überreicht. Dann geht es zurück in den Reichstag zur Vereidigung, dann wieder zu Steinmeier mit den gesamten Ministern, dann wieder zurück zu deren Vereidigung.

AfD-Mann plakatiert „Merkel muss weg“

Doch zuerst ist Merkel dran. Sie hebt die rechte Hand und schwört, sie werde ihre Kraft dem Wohl des deutschen Volkes widmen, das Grundgesetz verteidigen und ihre Pflichten gewissenhaft erfüllen. Ein paar Minuten lang hat sie dann die Kabinettsreihen für sich alleine. Es sind die Minuten, in denen Schäuble ihr gratuliert und in denen er zwei Mal die AfD rügt: Ein bayerischer Landtagskandidat entrollt auf der Tribüne ein Plakat mit der Aufschrift „Merkel muss weg“. Und der ebenfalls bayerische Bundestagsabgeordnete Petr Bystron twittert ein Foto von seinem ausgefüllten Wahlzettel. Der eine wird wegen Verstoßes gegen die Hausordnung von der Tribüne verwiesen, Bystron muss ein Ordnungsgeld von 1000 Euro zahlen, weil er gegen den Grundsatz der geheimen Wahl verstoßen hat.

Und während sich die Ministerkolonne ins Präsidialamt in Bewegung setzt, wird in den Fraktionen das Wahlergebnis debattiert. Nahles sagt, sie sei verwundert: Die Vielzahl der Gegenstimmen im eigenen Lager gingen wohl aufs Konto der Union. Dort wird das nicht wirklich abgestritten. Ein CSU-Abgeordneter etwa sagt: „Die Fraktionsspitze hätte schon etwas besser werben können.“ Vor allem der Landesgruppenchef Alexander Dobrindt habe „nicht gerade getrommelt“ für die Merkel-Wahl.

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