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Heiko Maas Feinsinnige Hassfigur für Rechtsextreme

Als Heiko Maas vor vier Jahren überraschend als Justizminister in die große Koalition nach Berlin kam, galt er als Verlierer. Das Amt des Bundesaußenministers ist nun eine Chance auf ganz oben.

Heiko Maas
Warten auf den Aufzug: Für Heiko Maas geht's hoch hinaus. Foto: dpa

Heiko Maas hält die Hände ineinander verschränkt. Er streicht mit dem Daumen der einen Hand über den der anderen, während die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles den Saarländer als künftigen Außenminister vorstellt. Maas wippt ganz leicht mit den Knien. Ein bisschen hibbelig ist er ohnehin. Und in diesem Moment ist es einfach unmöglich, komplett stillzuhalten. Aus Nervosität. Aber, wie den Mundwinkeln des 51-Jährigen anzusehen ist, auch aus Freude.

Maas ist ganz oben angekommen. Das Amt des Bundesaußenministers bietet die Chance, abzuheben – nicht nur mit dem Regierungsflieger, sondern auch, was die persönlichen Umfragewerte angeht. Der Job bringt damit aber auch Fallhöhe mit sich. Maas’ Vorgänger sind Staatsmänner wie Willy Brandt, der als Minister die ersten Grundsteine für seine Ostpolitik als Kanzler legte. Oder auch Hans-Dietrich Genscher, einer der wichtigsten Manager der deutschen Einheit. Und natürlich Frank-Walter Steinmeier, der heute Bundespräsident ist.

Messen lassen muss Maas seine künftige Arbeit auch an der von Sigmar Gabriel, also an der eines politischen Schwergewichts, das von der neuen SPD-Führung aus Andrea Nahles und Olaf Scholz nun ins Abseits geschoben worden ist. Gabriel hat in wenig mehr als einem Jahr gezeigt, wie viel Statur sich im Amt des Bundesaußenministers gewinnen lässt. Nach Steinmeier, dem König der diplomatischen Schachtelsätze, hat Gabriel mit klaren Ansagen Standards gesetzt. Auf Steinmeier, der lange Zeit als der perfekte Außenminister galt, folgte mit Gabriel einer, den plötzlich viele noch besser fanden. Jetzt muss Maas seinen eigenen Stil finden. Viele trauen ihm das zu.

Drei Mal gescheitert - dann Justizminister

Die Geschichte des Heiko Maas ist eine fast unglaubliche. Denn als er vor vier Jahren überraschend als Justizminister in die große Koalition nach Berlin kam, galt er als Verlierer. Gleich drei Mal ist Maas im traditionell linken Saarland daran gescheitert, Ministerpräsident zu werden. Drei Mal landete er mit der SPD hinter der CDU. Das hat viel mit Oskar Lafontaine zu tun, der Maas einst förderte. Denn Lafontaine verließ bekanntlich im Streit mit Bundeskanzler Gerhard Schröder die SPD und machte später die Linke insbesondere im Saarland stark. 

Und Lafontaine verspottete, so ist es jedenfalls überliefert, Maas zu allem Überfluss auch noch als „Heikochen“. Im Saarland entstand auf diese Weise eine politische Konstellation, in der es jeder Sozialdemokrat im Saarland schwer gehabt hätte, zu gewinnen. Aber es war nun einmal Maas, der das Abonnement auf die Verlierer-Rolle innehatte.

Und: Auftritte als Spitzenkandidat im Bierzelt liegen Maas von seinem Naturell her ohnehin nicht unbedingt. Er ist ein angenehmer, offener und feinsinniger Gesprächspartner – im kleineren Kreis. In seiner Verlierer-Zeit im Saarland soll sich der Jurist selbst mit dem Gedanken geplagt haben, ob es besser wäre aufzugeben. Der Politik als Schauplatz der eigenen Niederlagen den Rücken kehren. Die Berufung in das Amt des Justizministers im Jahr 2013 war für Maas eine Erlösung, eine Befreiung. Er erhielt diese Chance durch den damaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel, also durch den Mann, den er jetzt im Außenamt ablöst. 

Und der ihm jetzt mit auf den Weg gibt: „Er wird das exzellent machen.“ Aus seinem Job im Justizministerium hat Maas jedenfalls etwas gemacht. Er war öffentlich stets stark präsent, aber auch im Ministerium wurde fleißig gewerkelt. Denn dort wurde in Maas’ Amtszeit an vielen Gesetzen gearbeitet: von der Mietpreisbremse über neue Regeln beim Verbraucherschutz bis hinzu Anti-Terror-Gesetzen. Schlecht sah Maas hingegen aus, als Gabriel ihm und der Partei einen Schwenk beim Thema Vorratsdatenspeicherung aufzwang. Auch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, dass Hass im Internet eindämmen soll, ist hochgradig umstritten.

Harte Worte gegen Fremdenfeinde

Maas ist in den vergangenen vier Jahren als Politiker zu einer Marke geworden – was für ihn aber auch seinen Preis hatte. Denn er ist der Minister gewesen, der immer wieder harte Worte gegen Fremdenfeinde fand. Und auch der SPD-Politiker, der die AfD früher und härter als andere in seiner Partei attackierte. Das hat ihm viel Respekt eingebracht. Er wurde aber auch zu einer Hassfigur für Rechtsextreme – und muss jetzt mit Beschimpfungen und Bedrohungen gegen die eigene Person leben.

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