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FDP Christian Lindner, ganz allein

Nicht mehr Regierungspartner, sondern Regierungsverhinderer: In der ersten regulären Sitzung des neuen Bundestags findet sich die FDP plötzlich in einer neuen Rolle wieder.

Bundestag
Zum Händeschütteln an der Regierungsbank: FDP-Chef Lindner (vorn) mit Merkel, Gabriel, de Maizìere, Maas (v. r.). Foto: dpa

Es gibt keinen Kanzlerinnenblick für Christian Lindner, ganze zehn Minuten nicht. Das ist eine lange Zeit in einer Bundestagssitzung. Es ist eine lange Zeit, wenn zwei Menschen sich gegenüber sitzen, mit nur ein paar Metern Entfernung. So wie Angela Merkel und der FDP-Chef im Plenarsaal. Es ist die erste Sitzung, nachdem Lindner die Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition hat platzen lassen. Seine FDP ist nun nicht mehr Regierungspartner, sondern Regierungsverhinderer.

Und Angela Merkel findet da einfach keinen Grund, geradeaus zu schauen. Sie lacht und plaudert mit ihrem Nachbarn zur Rechten, dem SPD-Außenminister Sigmar Gabriel, der ja nun möglicherweise doch etwas oder sogar viel länger im Amt bleibt. Neben dem sitzt Innenminister Thomas de Maizière, auch interessant für eine Kanzlerin. Und was machen die Grünen und die SPD auf der linken Seite? Merkel wendet den Kopf.

Lindner dreht sich auf seinem Stuhl und blickt sich um. Es dauert ein wenig, dann finden seine Augen Halt auf der Grünen-Bank, ein kurzes Nicken. Endlich: Kontakt. Irgendwann entscheidet sich auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt für Zuwendung: irgendein Spruch. Lindner lacht erleichtert. Es ist ja nicht angenehm, ignoriert zu werden. Und sehr viel Lob hat Lindner für seine überraschende Entscheidung bislang nicht bekommen. 

Wolfgang Schäuble mahnt

Auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble ist nicht so zu verstehen. Es ist die erste reguläre Sitzungswoche des Bundestags nach seiner Konstituierung, und eigentlich war erwartet worden, dass es nur um die Verlängerung von ein paar Bundeswehr-Mandaten gehen würde. Es war außerdem erwartet worden, dass Schäubles Aufgabe vor allem sein würde, die AfD einzuhegen. Nun spricht Schäuble über das Scheitern der Sondierung und seine mahnenden Worte gehen an die FDP – nicht nur, aber vor allem.

Die derzeitige Lage sei „eine Bewährungsprobe“, sagt er. „Aber es ist keine Staatskrise.“ Es müsse auch möglich sein, eine Regierungsbildung abzubrechen, sagt er, und die FDP klatscht schon erleichtert.

„Das muss schlüssig erklärt werden, damit nicht der Eindruck entsteht, man entziehe sich der Verantwortung“, fügt Schäuble hinzu. Jetzt applaudieren auch die anderen Fraktionen. Die schlüssige Erklärung der FDP fehle, finden sie bei Union und Grünen. 

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