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DieBlauen.de Frauke Petry, erst beleidigt und dann blau

Die ehemalige AfD-Ikone will vermutlich mit ihrem Gatten Marcus Pretzell eine neue Partei gründen. Oder eine Bewegung. Das dafür nötige Einsammeln alter Partei-Mitstreiter gestaltet sich allerdings zäh.

Petry und Pretzell
Petry und Pretzell tasten sich in eine ungewisse politische Zukunft. Foto: dpa

So schneidet man Salami hauchdünn: Am Sonntag gewinnt Frauke Petry als Vorsitzende mit bundesweit bestem AfD-Ergebnis ihren Wahlkreis in Sachsen. Und schweigt. Montagmorgen redet sie im Frühstücksfernsehen ein wenig über ihre „anarchische“ Partei. Ansonsten Schweigen.

Drei Stunden später teilt sie in Berlin den AfD-Kollegen Gauland, Meuthen und Weidel sowie der Öffentlichkeit eher nebenbei auf einer Pressekonferenz mit, dass sie nicht Mitglied der künftigen AfD-Fraktion im Bundestag sein wolle. Und verlässt schweigend den Saal. Alles weitere bitte später. Tags darauf erklärt sie, sie werde auch ihre Partei verlassen und sich politisch neu orientieren. Alles weitere später. Und am Mittwoch kommt heraus, dass auf ihren Namen schon lange etwas angemeldet ist, das ein neuer Parteiname werden könnte: Die Blauen.

Rachefeldzug mit vagem Ausgang

So treibt man mit Politik und Öffentlichkeit ein offensichtlich lange ausgehecktes Spiel. Es nahm vermutlich erste Konturen an, als Petry im Frühjahr auf dem AfD-Bundesparteitag in Köln ausgebootet und um die ersehnte Spitzenkandidatur gebracht wurde. Und es wurde ein Plan daraus, als sie immer mehr aus dem Machtzentrum gedrängt wurde und sie mit Versuchen ins Leere lief, Rechtsaußen wie den Thüringer Björn Höcke oder den Dresdner Jens Maier aus der Partei werfen zu lassen,

Am Mittwoch bestätigte Petry am Rande einer Sitzung des sächsischen Landtags in Dresden, eine Internetadresse „DieBlauen.de“ angemeldet zu haben. Eine Partei stecke aber nicht dahinter, beteuerte sie. Das „Blau" verkörpere eine Idee, sei aber kein Parteiname. Danach schwieg sie wieder: „Mehr möchte ich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht darüber sagen."

Ganz offensichtlich tastet sich die ehemalige Ikone der AfD zusammen mit ihrem Ehemann, dem ehemaligen AfD-Vorsitzenden in NRW, Marcus Pretzell, in eine neue und noch ungewisse politische Zukunft. Es ist eine Rachefeldzug mit äußerst vagem Ausgang: Ganz allein ist sie nicht, aber ob sie tatsächlich viele Mitstreiter hat, ist noch nicht erkennbar. Bevor in der neuen Bundestagsfraktion die wichtigen Posten noch unbesetzt sind, werden sich dort keine bis wenige outen.

Ob es für eine neue, saubere und konservative Partei reicht? Der frühere AfD-Politiker Hans-Olaf Henkel hält Petrys Manöver, sich als Anständige aus der rechtsnationalistischen AfD zu lösen, für aussichtslos und unglaubwürdig. Er nimmt ihr die neue Widerstandskämpferin nicht ab. Petry habe sich auf dem Parteitag in Essen 2015 „als Speerspitze der Rechtsaußen in der Partei“ aufstellen lassen, sagte er dem MDR. Pretzell sei auf dem Parteitag der Erste aus der Top-Riege gewesen, der mit Pegida habe zusammenarbeiten wollen. „Frau Petry ist wahrscheinlich beleidigt, weil sie den Machtkampf verloren hat“, vermutet Henkel.

Petry hat am Mittwoch den Zeitpunkt ihrer Abkehr von der AfD noch einmal verteidigt. Dieser Schritt hätte vor der Bundestagswahl genauso viel Kritik und Vorwürfe ausgelöst, sagte sie dem MDR. Sie werde die ursprüngliche, von ihr mitentwickelte AfD-Politik weiter verfolgen. Die Partei steuere jedoch in eine andere bedenkliche Richtung.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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