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„Die Schlussrunde“, ARD & ZDF Wie die CSU einmal die Armut abschaffte

Noch einmal durften die Politikerinnen der vermutlich im kommenden Bundestag vertretenen Parteien ein paar Sätze zu ihren Programmen sagen.

"Schlussrunde" von ARD und ZDF zur Bundestagswahl
Die Gäste in der Runde: Alexander Gauland, AfD, Joachim Herrmann, CSU, Christian Lindner, FDP, Ursula von der Leyen, CDU, Manuela Schwesig, SPD, Katrin Göring-Eckardt, Grüne und Sahra Wagenknecht, Die Linke. Foto: Maurizio Gambarini (dpa)

Soviel Wahlkampf war nie im Fernsehen. Diesmal gab es die berüchtigte Elefantenrunde nicht nur nach, sondern auch vor der Entscheidung.  Doch es war, um es uncharmant zu formulieren, eher eine Elefantinnenrunde. „Es gibt auch Männer hier“, fühlte sich Moderatorin Tina Hassel bemüßigt zu sagen bei der Vorstellung der Teilnehmerinnen der „Schlussrunde“ die von ARD und ZDF  gemeinsam gesendet wurde.

Neben Ursula von der Leyen, CDU, Manuela Schwesig, SPD, Katrin Göring-Eckardt, Grüne und Sahra Wagenknecht, Die Linke, saßen Christian Lindner für die FDP, Joachim Herrmann, CSU, und Alexander Gauland, AfD.  Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Spitzenmann Matin Schulz hatten abgesagt. Moderiert wurde die Show  von zwei Damen mit dem schönen Titel „Hauptstadtstudioleiterin“: Tina Hassel für die ARD und Bettina Schausten für das ZDF.

Die CSU saß neben der AfD

In einem dem Parlament en miniature nachgebildeten Halbrund und der Position im politischen Spektrum entsprechend platziert, bekamen die Gäste noch einmal Gelegenheit, ihre Parolen und Programme zu präsentieren: Es war also wenig Neues zu erwarten, obwohl die Sendung in einer Ankündigung unter dem Rubrum „Unterhaltung“ geführt wurde. Aber der Sinn dieser Veranstaltung war wohl eher in dem Bemühen der Sender zu suchen, der Unentschlossenheit vieler Wähler Rechnung zu tragen – wie ungeeignet so ein kurzatmiges Frage- und Antwortspiel  auch sein mag.

Brav wurden denn auch die Themen abgehandelt, zuerst das Reizklima im Wahlkampf. Das bot Sahra Wagenknecht die Möglichkeit, die Abfragerei zu durchbrechen und damit in den Streit-Modus zu wechseln. Sie hob nicht ganz zu Unrecht hervor, dass die an der Regierung beteiligten Parteien nun im Wahlkampf „lautstark kritisieren“ würden, was sie doch selbst an Problemen hätten lösen können.

Sahra Wagenknecht durchbrach Abfragerei

Katrin Göring-Eckardt, ebenfalls bislang Opposition, konnte in die gleiche Kerbe hauen, als Ursula von der Leyen zum Vorwurf gestiegener Kinderarmut  lediglich alle möglichen Wohltaten aufzählte, die die Christdemokraten den Bürgern hatten angedeihen lassen. Manuela Schwesig gestand, man habe "immer nur an den Schräubchen gedreht" – wegen der blockierenden CDU. Und beim Thema Gerechtigkeit wurde CDU-Generalsekretär Peter Tauber  eingeblendet, der eine „Renten-Kommission in der nächsten Wahlperiode“ versprach.  Das erinnerte doch an den Spruch des Satirikers Robert Gernhardt: Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche...

Das Spiel wiederholte sich des öfteren, doch immerhin bot Joachim Herrmann ein schönes Beispiel an Rabulistik, als er die wachsende Armut mit gestiegenem Wohlstand erklären wollte: Wer jetzt soviel habe wie vor fünf Jahren, sei statistisch eben ärmer, wenn andere mehr hätten.  Christian Lindner, Klassenbester in Rhetorik, wollte der Altersarmut mit dem Kampf gegen Bildungsarmut begegnen, womit das sträflich vernachlässigte Thema Bildung nun doch noch Raum bekam. Bettina Schausten fragte von der Leyen nach dem „Digitalpakt Schule“, der doch längst vereinbart, aber nicht umgesetzt worden sei, worauf die Ministerin erneut die Platte mit „in den nächsten Jahren“ auflegte, da sei das eine „Mega-Aufgabe“. Und dank ihrer sieben Kinder wisse sie, „wie Schulen aussehen“.  Warum hat sie dann nicht mehr für die Verbesserung getan?

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