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CSU-Wahlkampf In Demut kehrt Guttenberg in die Politik zurück

Ex-Politstar und CSU-Minister Guttenberg macht Wahlkampf für die CSU. Will seine Partei testen, wie gut der Freiherr inzwischen wieder ankommt?

Karl-Theodor zu Guttenberg
Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg (CSU) soll im Bundestagswahlkampf als Redner auf mehreren CSU-Veranstaltungen auftreten. Foto: rtr

Es fehlt jemand in der Politik, findet Karl-Theodor zu Guttenberg. Einer, der reden kann nämlich. „Es ist einer der großen Vorwürfe, dass es den Politikschaffenden nicht gelingt zu kommunizieren“, so drückt er es aus. Na, kann da einer reden? Guttenberg steht auf dem Dach des Reichstags, im dortigen Nobel-Restaurant. Es wird Sekt serviert. Vor sechs Jahren hat er die Politik und Deutschland verlassen, nachdem aufgeflogen war, dass er seine Doktorarbeit abgeschrieben hatte. Davor lagen ein paar Jahre als Politikstar, eine ungewöhnliche Kategorie in Deutschland. Aber Guttenberg war jung und eloquent, strahlte und trug einen Adelstitel als Glamourfaktor. Er wurde Wirtschaftsminister, dann Verteidigungsminister. Und dann war er weg, sehr unglamourös. Guttenberg zog mit seiner Familie in die USA und gründete eine Beratungsfirma.

Nun hält er bei der Arbeitgeber-Initiative „Neue Soziale Marktwirtschaft“ zum ersten Mal seit seinem Rücktritt wieder eine Rede im Reichstag, wenn auch nicht im Plenarsaal. Er komme mit einer „notwendigen Portion Demut“, sagt er und dass die noch größer sei, weil er am Eingang „von oben bis unten abgetastet“ worden sei. Die große Geste jedenfalls hat er nicht verlernt, auch die Demut ist bei Guttenberg immer eine sehr erwähnenswerte. Er bezeichnet sich auch mal als „Nullnummer“, der seine Unfähigkeit „mit tonnenweise Gel kompensiert“ habe.

CSU ist Guttenbergs Familie

Der Gel-Hinweis ist mittlerweile so ein Running Gag in seinen Reden, eine Art öffentliche Buße und ein sicherer Lacher gleichermaßen. 20 Minuten redet er, und danach weiß man: Guttenberg findet, dass man in der Wirtschaftspolitik auch die Haltung des anderen ernst nehmen muss. Dass in Afrika der größte Bevölkerungszuwachs stattfindet. Dass es in Deutschland mit der Digitalisierung noch hapert. Und dass er den sozialen Sicherungssystemen keine große Zukunft einräumt. Nicht sehr tiefschürfend, aber vorgetragen mit großer Eindringlichkeit.

Die wird er in den kommenden Wochen noch ein paar Mal unter Beweis stellen. Im Bundestagswahlkampf soll er als Redner auf mehreren CSU-Veranstaltungen auftreten. Die CSU sei seine Familie, sagte Guttenberg im Frühjahr. Er wolle gerne „einen bescheidenen Beitrag für diese Familie“ leisten. Und Horst Seehofer freute sich über „ein sehr nobles Angebot“. Tatsächlich war das bescheidene noble Angebot wohl orchestriert: CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer traf sich Anfang des Jahres mit Guttenberg in München zu einem sehr öffentlichen Geheimtreffen.

Es kann sein, dass all das nur eine Möglichkeit ist, die CSU im Gespräch zu halten. Aber manche in der CSU vermuten anderes: „Die Auftritte könnten schon ein Testlauf sein.“ Schließlich sucht Seehofer immer noch einen Nachfolger. Mal sehen, ob der Freiherr immer noch so gut ankommt also – oder wieder. In der CSU gibt es ziemlich viele, die abwinken. Der CSU gehe es gut. „Wir brauchen keinen Herzschrittmacher“, heißt es da zum Beispiel. „Im Freistaat wartet keiner auf ihn.“

Auf dem Dach des Reichstags wiegelt Guttenberg ab. Er habe noch nicht einmal das CSU-Wahlprogramm gelesen, sagt er, und voraussichtlich werde er sich die Mühe auch nicht machen. Müsse er auch nicht, schließlich solle er im Wahlkampf zu sicherheits- und außenpolitischen Themen sprechen, seiner Spezialität. Es seien im Übrigen nur kurze Auftritte, nach denen er „mit relativ hoher Geschwindigkeit wieder in die USA“ zurückkehren werde. Als Guttenbergs Wahlkampfeinsätze bekannt wurden, sagte Seehofer: „Er strebt ja jetzt keine Position an.“ Jetzt vielleicht nicht.

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