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CSU-Chef Horst Seehofer findet kein Ende

Der CSU-Chef spielt auf Zeit und lässt andere über seine Nachfolge entscheiden. Und Kronprinz Markus Söder behauptet, es gebe keine Lagerbildung in der CSU - und wird nicht einmal rot dabei.

Horst Seehofer
Auch diesmal lässt er keinen anderen auf seinen Stuhl: Horst Seehofer. Foto: afp

Horst Seehofer geht einfach nicht. Er sitzt vor einer blauen Wand in seiner Parteizentrale. Fast zwölf Stunden hat er jetzt konferiert, es ist nach 23 Uhr, nun ist auch noch die Pressekonferenz zu Ende. Seehofer bleibt sitzen. „Schade, einfach schade“, sagt er. Und dann fängt er wieder an. Es gibt noch eine Pressekonferenz nach der Pressekonferenz. Es ist häufiger so, dass Seehofer kein Ende findet. An diesem Abend mischt sich Mitteilungsbedarf möglicherweise mit etwas Rest-Adrenalin aus der Woche, in der in Berlin die Jamaika-Sondierungen gescheitert sind, und von einem Tag, der sein politisches Ende hätte bedeuten können. Ein wenig Rührseligkeit ist auch dabei, vielleicht weil das politische Ende doch immer noch nahe scheint.

Er hätte etwas loswerden können an diesem Tag: Er hätte sagen können, wie er sich seine politische Zukunft vorstellt, ob und wann er den Parteivorsitz und das Amt des Ministerpräsidenten abgibt und wen er sich als Nachfolger vorstellt. „Am Abend wird alles klar sein“, hat er noch mittags behauptet. Am Abend war dann wie so oft doch nichts klar, außer: Es wird eine Kommission eingesetzt. Den Dauerstreit um die Macht in der CSU und in der Staatskanzlei sollen nun andere lösen – die Ex-Parteivorsitzenden Theo Waigel und Edmund Stoiber sowie Vize-Chefin Barbara Stamm sollen mit allen Beteiligten sprechen und dann einen Vorschlag machen.

Was will Horst Seehofer eigentlich?

Ein einigermaßen eleganter Weg: Seehofer würde sich mit einem Abschied nicht seinem Konkurrenten Markus Söder beugen, sondern der Empfehlung einer Truppe Altvorderer. Wie die Sache ausgeht, ist offen: Stoiber hat Söder stets gefördert, Stamm gilt als Gegnerin des karrierebewussten Nürnbergers, Waigel steht irgendwo dazwischen. „Die setzen sich nicht hin und sagen: Wunderschön, dass wir hier einen Kaffee kriegen – wir machen, was Du willst“, sagt Seehofer.

Die Frage ist: Was will Seehofer denn eigentlich? Söder verhindern? Söder präsentiert sich sehr gut gelaunt an diesem Tag, aber das machen auch andere. Ilse Aigner zum Beispiel und Manfred Weber, die beide als Söder-Alternativen gehandelt werden. Söder ist allerdings der Einzige, dem es gelingt, im ZDF zu behaupten, es gebe keine Lagerbildung in der CSU. Er wird nicht einmal rot dabei.

Seehofer hat an diesem Tag auch mit Söder gesprochen, vielleicht hat es geholfen, dass er zuvor wochenlang mit den Grünen und der FDP in Jamaika-Verhandlungen gesessen hat. Bei diesen Verhandlungen habe er wirklich viel gelernt, sagt Seehofer. Zum Beispiel, wie gut es sei, sich in andere hineinzuversetzen. „Das zu erleben, sich menschlich verstehen, sich näherzukommen – ein unverzichtbarer Gewinn“, schwärmt Seehofer. Gerade heute habe er noch der Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt eine SMS geschrieben: „Ich möchte die Zeit nicht missen.“ Es klingt da eine tiefe Sehnsucht durch nach Berlin. Geht Seehofer als Minister in die Hauptstadt? „Kann sein, kann nicht sein“, sagt er. Es gab das Gerücht, er wolle seine Ämter aufgeben. Stimmt das? „Nein“, sagt Seehofer. Es gebe noch keine Entscheidung.

An Söder hat Seehofer nicht geschrieben, dass er die Zeit mit ihm nicht missen möchte. Er weist aber darauf hin, dass er diesen Minister gerade noch diese Woche gelobt hat, für ein Wohnungsbauprogramm. „Eine sehr gute Sache, Markus“, habe er da gesagt. Das bedeute nicht, dass man nun „ein Herz und eine Seele“ sei, schiebt Seehofer schnell noch hinterher – nicht dass jemand das Lob als Söder-PR versteht.

Irgendwann sind dann wirklich alle ermattet. „Der Herr sei mit euch“, sagt Seehofer. Und dann fragt er seine Mitarbeiter: „Ist die Autobahn frei?“ Er fährt noch nach Hause, nach Ingolstadt. Bis übernächsten Montag will die CSU ihren Personalstreit lösen. Wird es gelingen? „Wir werden sehen. Der ernsthafte Wille ist da“, sagt Seehofer. Er klingt wie vor den Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition, aber er spricht nur über die eigene Partei.

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