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Bundestagswahl Warum Wählen wichtig ist

Der FR-Leitartikel erklärt, warum der Wahlsonntag ungeeignet dafür ist, sich die Decke über den Kopf zu ziehen.

Reichstag
Das Reichstagsgebäude am Platz der Republik in Berlin ist seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestages. Foto: Imago

Was machen Sie eigentlich am 24. September? Ich jedenfalls bleibe im Bett. Ziehe mir die Decke über den Kopf und schaue erst nach 18 Uhr wieder heraus, wenn Merkel und Lindner die Wahl gewonnen haben. Dann ziehe ich sie mir wieder über den Kopf, für die nächsten vier Jahre, denn die Aussicht auf eine schwarz-gelbe Koalition treibt einen wirklich nicht aus den Federn. Die neue Regierung wird schwarz-gelb, mit 88 Prozent Wahrscheinlichkeit, sagen Mannheimer Forscher, die sich noch nie geirrt haben. Jedenfalls nicht seit 2002, seit sie Wahlergebnisse vorhersagen. Stand in der Frankfurter Rundschau.

Realistisch betrachtet werde ich nicht im Bett bleiben, nicht am Sonntag und schon gar nicht in den kommenden vier Jahren. Am Sonntag geht es laut Dienstplan mit 99,9 Prozent Wahrscheinlichkeit in die Redaktion. Vorher geht es mit 99,9 Prozent Wahrscheinlichkeit ins Wahllokal, so sieht es die persönliche Gewohnheit vor, nicht zuletzt auch die staatsbürgerliche Pflicht, vor allem aber der Wunsch, etwas zu bewirken, mitzubestimmen – und die Hoffnung, das möge auch klappen.

Hetzer und Nationalisten dürfen nicht unterstützt werden

Zugegeben, es gab Wahlen, die wesentlich spannender waren, deren Ausgang jedenfalls offener schien als dieses Mal. Aber selbst wenn es nur auf die Frage hinauslaufen sollte, wer unter Merkel künftig die Republik mitregiert: Der Unterschied ist allemal den Gang ins Wahllokal wert. Ganz abgesehen von dem Wunsch, mit einer hohen Wahlbeteiligung das Gewicht der AfD-Stimmen möglichst klein zu halten.

In der FR werden keine Wahlempfehlungen gegeben. Aber eine Nicht-Wahl-Empfehlung: Hetzer und Nationalisten dürfen nicht durch Decke-über-den-Kopf-ziehen und schon gar nicht mit Ihrer Stimme unterstützt werden. Da jedenfalls halten wir es mit dem Kandidaten Schulz: „Leute, geht wählen!“ Apropos Schulz. Der hatte einigermaßen Pech mit seinem Wahlkampf. Er enttäuschte viele Wählerinnen und Wähler, weil er in ihren Augen ein Versprechen brach, das er jedoch nie gemacht hatte. Viele hielten den SPD-Kandidaten offenbar für jemanden von außerhalb des Politikbetriebs: frisch, unverbraucht, ungebunden. Für viele Wählerinnen und Wähler ist das offenbar schon eine Qualifikation – auch das sollte zu denken geben.

Dabei ist er natürlich nicht anders. Er ist politisch aufgewachsen in der Sozialdemokratie, hatte Ämter inne in der Partei, in Kommunen, in Parlamenten. Kein anderer, sondern ein typischer Politiker unsere Zeit. Aber ist das ein Fehler? Wohl kaum. Und doch denken offenbar viele Menschen, es sei einer.

Als Schulz, so absurd es für die politisch Interessierten klingen mag, als Außenseiter gesehen wurde, schossen seine Umfragewerte so schnell hoch, wie sie wieder fielen, als ebendiese Menschen merkten, dass er doch einer von denen ist, den Parteipolitikern und Parlamentariern.

Allerdings dürfen auch die beiden katastrophalen Fehler der SPD im Wahlkampf nicht vergessen werden. Sie brachte das Flüchtlingsthema auf und half damit der schwächelnden AfD wieder auf die Beine. Und sie vernachlässigte das wahrscheinlich wichtigste Thema für die Zukunft unseres Landes: Europa. Ausgerechnet das Feld, auf dem ihr Kandidat die höchste Kompetenz und Glaubwürdigkeit für sich beanspruchen kann.

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