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Bundestagswahl Israel ignoriert AfD-Wahlerfolg

Premier Benjamin Netanjahu verliert kein Wort über den Einzug der AfD in den Bundestag - dabei pflegen israelische Nationalrechte seit Jahren gute Kontakte zu Mitgliedern der Partei.

Benjamin Netanjahu
Sagt nichts zum Erfolg der AfD: Israels Premier Benjamin Netanjahu. Foto: rtr

Eher verhalten fielen die israelischen Reaktionen auf den Wahlerfolg der AFD aus – im Gegensatz zu den sich hoch besorgt äußernden Mitgliedern der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Premier Benjamin Netanjahu verlor kein Wort über den Einzug ultrarechter Abgeordneter in den Bundestag, wenngleich er Angela per Twitter gratulierte und sie als „wahre Freundin Israels“ pries.

Dabei pflegen israelische Nationalrechte seit Jahren gute Kontakte zu AFD-Mitgliedern. So wie andere europäische Rechtspopulisten pilgerte Frauke Petry gleich zweimal mit einer AFD-Delegation zu inoffiziellen Treffen ins Land, an denen ebenfalls Vertreter aus Netanjahus Likud teilnahmen. Ihr Ehemann Marcus Pretzell hat vor deutschen Anhängern auch bekannt, „von Israel lernen zu können, wie man mit dem Islam umgeht“. Jüngere Bemerkungen aus der AFD-Spitze, die den Holocaust relativieren, hat viele Israelis allerdings schwer irritiert, genauso wie der unverhüllte Stolz eines Alexander Gauland auf die „Leistungen“ der Wehrmacht.

Dennoch betonte Eldad Beck, israelischer Korrespondent in Berlin, in Netanjahus Hausblatt „Israel Hajom“, die AFD sei weder eine Neo-Nazi-Partei, noch rassistisch und antisemitisch, obgleich einige Mitglieder solche Meinungen verträten. Mit den „pro Israel Elementen“ der tendenziell antizionistischen Links-Partei stehe die Netanjahu-Regierung ja auch im Dialog. Warum also sollten Antisemiten innerhalb der AFD ein Hindernis sein, mit den Israel-Freunden dieser Partei zu kommunizieren, so Beck.

Eine gewisse ideologische Nähe zwischen den deutschen und israelischen Nationalrechten in ihrer Abwehrhaltung gegenüber Flüchtlingen liegt auf der Hand. Zudem stellen AFD-Vertreter jenseits von Fragen im Umgang mit der deutschen Vergangenheit gerne die Sicherheit Israels heraus und bekunden wenig Sympathien für einen palästinensischen Staat.

„Jerusalem hat eine komplizierte Beziehung mit den populistischen, europäischen Rechtsaußenparteien, die auf anti-muslimischer Stimmung gedeihen, aber enthusiastisch den jüdischen Staat umarmen“, bescheinigte denn auch der Journalist Raphael Ahrens im Online-Dienst „Times of Israel“. Zumindest trifft das auf das israelische Regierungslager zu, in dem ultrarechte Stimmen oft genug den Ton angeben, nicht aber auf die Opposition. Dort nannte Nachman Schai, Knesset-Abgeordneter der Zionistischen Union, das gute Abschneiden der AFD „ein dickes Warnsignal“ für Israel und alle Juden.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Israel

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