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Bundestagswahl Demoskopen kritisieren Medien und Politik

Meinungsforscher der großen Institute suchen nach Erklärungen für die Wahlergebnisse. Für den Aufwind der AfD seien auch die Medien verantwortlich.

Bundestagswahl
Meinungsforscher halten den Kandidatenwechsel kurz vor der Wahl für ausschlaggebend. Foto: dpa

Der Absturz der Union: Die Demoskopen sahen die Union in den Umfragen zwischen 34 und 37 Prozent. Mit 33 Prozent lagen sie geringfügig – aber im Vergleich zu den anderen Parteien – am weitesten daneben. Das sei aber im Rahmen, sagte Peter Matuschek vom Meinungsinstitut Forsa am Montag. „Gewisse Unsicherheiten gibt es immer.“ Doch warum hat die Union so schlecht abgeschnitten? Man müsse das Ergebnis in Relation sehen, so Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen. „Im Vergleich zu 2009 hat die Union nur 0,8 Prozent verloren.“ Einige Unionswähler hätten zum Beispiel ihre Stimme dieses Jahr der FDP gegeben, weil diese die Stimmen nötiger gehabt hätten. „Hinzu kommt die hohe Mortalität der Union-Wähler“, so Jung. Nico Siegel von Infratest dimap sagte, dass die Parteien nach einer Großen Koalition immer Stimmen verlören.

Der Absturz der SPD: „Schulz hat einen Kamikaze-Wahlkampf geführt. Gegen die GroKo, gegen die Kanzlerin“, sagte Jung. Er habe es nicht geschafft, Merkel zu attackieren und auf die Erfolge der SPD in der großen Koalition hinzuweisen. Der SPD fehlte es zudem „an der Macht des Konkreten“, sagte Siegel. „Das Thema soziale Gerechtigkeit trägt sich strategisch nicht gut“, betonte der Meinungsforscher. Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach sagte, dass der Kandidatenwechsel der SPD so kurz vor der Wahl ausschlaggebend war: „Das war ein riskantes Manöver.“

Der Aufwind für die AfD: Zu Beginn des Jahres lagen die Umfragewerte der AfD bei rund acht Prozent. Wie kommt nun der Aufwind so kurz vor der Wahl zustande? Die Demoskopen haben verschiedene Erklärungen: „Zum einen wurde die Flüchtlingsthematik in Politik und Medien wieder aktualisiert“, sagt Köcher. Dadurch habe die AfD zugelegt. Zudem hätte es in dieser Frage keine Opposition im Parlament gegeben, alle Parteien seien sich weitestgehend einig gewesen. Im Wahlkampf sei das Thema lange eines unter vielen gewesen, sagte Matuschek. Kurz vor der Wahl sei es wieder verstärkt auf die Agenda gerutscht, zugunsten der AfD. Zum anderen hätten sich Politik und Medien an der Partei abgearbeitet: „Das hatte eine ambivalente Wirkung auf die Wähler“, sagte Jung. Verstärkt wurde dieser Trend dadurch, dass viele die AfD-Wähler in die Naziecke gestellt hätten. „Die Sympathisanten fühlten sich dadurch ungerecht behandelt. Nicht jeder dieser Wähler trägt ein geschlossen rechtsradikales Weltbild in sich“, so Jung. Man sei nicht genug auf die Differenzierung eingegangen, kritisierte er Medien und Politiker.

Die Nichtwähler: „Der AfD ist es gelungen, Teile der Nichtwählerschaft zu mobilisieren und für sich zu gewinnen“, sagte Matuschek von Forsa. Das seien Menschen, die aus der Mitte kämen und sich von den großen Parteien abgewandt hätten. Den größten Anteil der AfD-Wähler machen die Nichtwähler mit rund 1,2 Millionen aus. Nach Angaben von infratest dimap sind fast eine Million Wähler von CDU und CSU zur AfD abgewandert.

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