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Bundestag „Die SPD hat keine Überlebensgarantie“

Parteienforscher und Publizist von Alemann spricht im FR-Interview über den Fortgang der Ära Schulz und was die Partei für einen Wahlerfolg braucht.

Martin Schulz
„Ich sehe in Martin Schulz einen Vorsitzenden auf Bewährung“, sagt von Alemann. Foto: dpa

Herr von Alemann, Martin Schulz hat der SPD eine historische Wahlniederlage beschert. Dennoch will er Parteichef bleiben. Finden Sie das richtig?
Ich sehe in Martin Schulz einen Vorsitzenden auf Bewährung. Die Partei sollte ihm zwei Jahre Zeit geben zu zeigen, ob er die SPD wieder nach vorn bringen kann. Schulz hat schwere Fehler gemacht, darunter seine lange bundespolitische Zurückhaltung im Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen. Aber es gibt gute Gründe dafür, dass er jetzt Parteichef bleibt.

Welche?
Soll sich die SPD jetzt jährlich einen neuen Vorsitzenden zulegen? Schulz ist gerade erst auf einem Parteitag im März mit 100 Prozent gewählt worden. Er hat bewiesen, dass er die SPD nach innen zusammenführen kann. Willy Brandt hat als Kanzlerkandidat zwei Wahlen verloren. Dann wurde er bekanntlich Kanzler.

Schulz ist immerhin schon 61 Jahre alt. Gibt es einen natürlichen Nachfolger für ihn?
Nein – und auch das ist ein Grund, warum Schulz mindestens fürs Erste Parteichef bleiben sollte. Andrea Nahles wird eine kämpferische Oppositionschefin sein, aber vermutlich keine Integrationsfigur nach innen. Sie wird ihrer Art nach wohl auch kaum wie ein Magnet die Wähler anderer Parteien anziehen. Dem Hamburger Olaf Scholz stecken noch die G20-Schwierigkeiten in den Knochen, ein Dynamiker ist er wahrlich nicht. Manuela Schwesig muss sich erst mal als Ministerpräsidentin beweisen. Eine durch und durch überzeugende Alternative zu Schulz gibt es im Moment nicht.

Was soll denn nach Schulz’ zwei Jahren Bewährung geschehen?
Dann sollte die SPD sich entscheiden, um frühzeitig einen Herausforderer oder, wenn man so will, einen Schatten-Kanzler zu installieren. Es darf keinen Automatismus geben, dass der Parteichef den ersten Zugriff hat. Wenn Schulz seine Sache jetzt gut macht, würde ich aber nicht ausschließen, dass er trotz der historischen Niederlage selbst noch mal antreten könnte.

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