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Bundestag Die Neuen der AfD

Wer zieht für die Partei in den Bundestag? FR-Autor Nico Schnurr stellt neun AfD-Politiker vor.

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Die AfD zieht nun auch in den Bundestag ein. Foto: afp

Pöbler, Richter, Höcke-Freund. Wer sind die neuen Gesichter im Bundestag, die für die rechtspopulistische AfD-Fraktion einziehen werden?

Thüringer Pöbler: Stephan Brandner

Der 51-jährige Rechtsanwalt ist bisher Fraktionsvize im Thüringer Landtag. Im Mai 2016 flog er aus einer Sitzung, er hatte Grüne als „Koksnasen“ und „Kinderschänder“ beleidigt.

Auch sonst ist Brandner nicht gerade mit freundlichen Aussagen aufgefallen. FDP-Chef Christian Lindner ist für ihn ein „Unterhosenmodel“, das der AfD Ideen klaue. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel beschimpft er als „Fuchtel“ – und Brandner will sie wegen ihrer vermeintlichen Verstöße gegen das Asylrecht ins Gefängnis bringen. 


Radikaler Sachse: Detlev Spangenberg

Der 73-Jährige aus Sachsen soll während seiner Zeit in der Nationalen Volksarmee Berichte über seine Kameraden für die Stasi verfasst haben. Er floh aus der DDR.

Zwischen 1987 und 2006 war Spangenberg Mitglied der CDU. Zwei Jahre später, zurück in Sachsen, trat er bei der Kreistagswahl für die rechte Vereinigung „Arbeit-Familie-Vaterland“ an, die mit dem Slogan „Sachsenmut stoppt Moslemflut“ warb. Seit 2013 ist er AfD-Mitglied, 2014 wurde er für die Partei in den sächsischen Landtag gewählt. 


„Parteiphilosoph“: Marc Jongen

Der Philosophiedozent der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe hat in der Bundesprogrammkommission das aktuelle AfD-Wahlprogramm mit formuliert.

Der Sloterdijk-Freund sei der „philosophische Kopf der AfD“, schrieb „Die Zeit“ einmal. Jongen spricht gern von einer „thymotischen Unterversorgung“ in Deutschland – und meint einen Mangel an Wut. Der 49-Jährige, der auch schon bei Götz Kubitscheks neurechtem Institut für Staatspolitik auftrat, behauptet: „Man macht sich zum Knecht von Einwanderern.“ 


Höcke-Mitarbeiter: Jürgen Pohl

Der Rechtsanwalt aus Thüringen leitete bisher das Wahlkreisbüro von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke und zählt zum engsten Kreis seiner Mitstreiter.

Der 53-jährige Pohl nennt es eine „biblische Herausforderung“, alle „illegalen Ausländer“ abzuschieben. Der erklärte Pegida-Fan sagte auch: „Wann immer wir von Flüchtlingen aus Syrien sprechen, dann sind das meist junge, wehrfähige Männer, die nach deutschem Recht Deserteure sind.“ Mit Brandner inszenierte er sich als „Volksanwalt“ gegen Merkels „Willkürherrschaft“.


Hooligan-Verdacht: Sebastian Münzmaier

Der Spitzenkandidat in Rheinland-Pfalz ist erst 28 Jahre alt. Er musste sich mitten im Wahlkampf vor Gericht verantworten. Als Teil einer Gruppe von Kaiserslautern-Hooligans soll er im März 2012 Fans des FSV Mainz 05 attackiert haben. Er weist die Vorwürfe zurück – es geht um gefährliche Körperverletzung und versuchten Raub.

Zuvor war Münzenmaier Mitglied der vom bayerischen Verfassungsschutz beobachteten rechtsradikalen Partei „Die Freiheit“, ehe er sich 2013 der AfD anschloss. 


Burschenschafter: Enrico Komning

Der Anwalt aus Mecklenburg-Vorpommern macht keinen Hehl aus seiner Mitgliedschaft in der Greifswalder Burschenschaft „Rugia“, der ein unklares Verhältnis zum Rechtsextremismus vorgeworfen wird. Die Burschenschaft richtete bereits mehrere Veranstaltungen mit Rechtsextremisten aus, zahlreiche hochrangige NPD-Mitglieder gingen aus ihr hervor.

Der 49-jährige Komning, der bereits für die AfD im Schweriner Landtag sitzt, engagiert sich unter anderem für eine Liberalisierung des Waffenrechts in Deutschland.


Rechter Richter: Jens Maier

Der 55-jährige Sachse ist Richter am Landgericht Dresden. Auf Facebook teilte er folgendes Höcke-Zitat: „Das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt. Wir wissen aber natürlich, dass es in der Geschichte kein Schwarz und kein Weiß gibt.“ Maier kommentierte das Zitat mit dem Satz: „Mal ehrlich, was ist daran falsch?“

Maier warnte vor vermeintlichen „Mischvölkern“. Als Richter untersagte er einem Politikwissenschaftler, bestimmte Forschungsergebnisse zur NPD weiter zu verbreiten. 


Hamburger Organisator: Bernd Baumann

Der Hamburger Spitzenkandidat der AfD ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler und fungierte bislang zwei Jahre lang als Landeschef und Fraktionsvorsitzender in der Hamburger Bürgerschaft. Dort sagt er, er lehne die „bunte Republik“ als Selbstzweck ab.

Nach den Ausschreitungen beim G 20-Gipfel bezeichnete Baumann die Rote Flora als eine „eine Art linken Führerbunker“. Der 59-Jährige wird von „Zeit Online“ dem Gauland-Flügel in der AfD zugeordnet. 2014 war er Bundeswahlkampfleiter bei der Europawahl. 


Ex-CDUler: Martin Hohmann

Schon 1998 bis 2003 war Hohmann Abgeordneter, damals für die CDU, die ihn 2004 nach einer als antisemitisch kritisierten Rede ausschloss. Seit 2016 sitzt er für die AfD im Kreistag von Fulda.

Inhaltlich hätte er sich schon zu CDU-Zeiten gut mit Höcke verstanden: 1999 wollte Hohmann das Holocaust-Mahnmal verhindern, später wandte er sich gegen „eine christlich-muslimische Verbrüderung“ und beklagte in jener Rede von 2003, dass „man als Deutscher in Deutschland keine Vorzugsbehandlung“ genieße, sowie den Umgang mit Entschädigungszahlungen für NS-Opfer. Auch der Zentralrat der Juden kritisierte die Rede damals als im Kern antisemitisch. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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