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„Berliner Runde“ Der Frust des Martin Schulz

In der Elefantenrunde im öffentlich-rechtlichen TV wurde insbesondere eins deutlich: der Frust des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz.

Elefantenrunde
Martin Schulz arbeitet sich an Kanzlerin Merkel ab. Foto: rtr

Die spannende Frage vor der „Berliner Runde“ in der ARD und im ZDF nach der Bundestagswahl am Sonntagabend war: Würde sich schon im TV-Studio etwas von der Atmosphäre erspüren lassen, die künftig im Bundestag herrschen wird? Wie würden die etablierten Parteien angesichts des Einzugs der rechtspopulistischen AfD auf deren Vertreter Jörg Meuthen in der Runde reagieren?

Doch die erste  Erkenntnis, die dieser Abend lieferte, hatte nichts mit dem Spiel „6 gegen 1“ zu tun, also  CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne und  Linke gegen AfD. Die erste interessante Erkenntnis des Abends lieferte der krachend gescheiterte Spitzenkandidat der SPD, Martin Schulz. Schulz giftete die Kanzlerin Angela Merkel an, diese habe einen „skandalösen Wahlkampf“ geführt.

Martin Schulz gegen Angela Merkel

Der tiefsitzende Frust über das schlechteste Wahlergebnis seiner Partei in der Nachkriegszeit war  Schulz anzusehen. In seinen folgenden Stellungnahmen giftete er wieder und wieder  gegen Merkel, nannte sie einen „Ideenstaubsauger“ und betonte ein ums andere Mal, dass seine Partei für eine Neuauflage der großen Koalition nicht zur Verfügung stehe. Offenbar hatte sich Schulz entschieden, dass er aus dem Berliner TV-Studio heraus schon mal demonstrieren wollte, wie er sich eine „starke Opposition“ im Bundestag gegen eine Jamaika-Koalition, die er prognostizierte, vorstellt.

Merkel ließ das zwar lächelnd an sich abtropfen, betonte aber auch sie sei „etwas traurig“, wie Schulz die „gute Arbeit der großen Koalition“ charakterisiere. Die grüne Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt war da schon verärgerter über Schulz. „Was Sie hier machen, ist harte Auseinandersetzung. Das haben Sie im Wahlkampf nicht gemacht“, wies sie auf den nicht nur aus ihrer Sicht viel zu konzilianten Ton von Schulz gegenüber Merkel in den zurückliegenden Monaten des Wahlkampfes hin.

Wie mit der AfD umgehen?

Doch die TV-Diskussion lieferte auch Hinweise darauf, wie schwer es in den kommenden Jahren den etablierten Parteien fallen wird, das richtige Maß im Umgang mit dem rechtspopulistischen Schmuddelkind im Bundestag, der AfD, zu finden.

Tatsächlich drehte sich ein großer Teil des Abends um genau diese Auseinandersetzung. Sicher auch gesteuert durch die Fragen der Moderatoren, Rainald Becker (ARD) und Peter Frey (ZDF), ging es eine halbe Stunde um deren Positionen, um die Frage, ob sie rassistische Positionen in der Bundestagsfraktion dulden würde – Jörg  Meuthen: „Nein“ –, um die Frage, wer aus Sicht der AfD zu Deutschland gehört, ob es stimme, dass es in der Migrations- und Europolitik permanente Rechtsbrüche der großen Koalition gegeben habe.

Merkel hielt dem Co-Vorsitzenden der AfD darauf hin die Äußerungen des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland vor. Der hatte gesagt, er wolle die Staatsministerin für Integration, Aydan Özoguz, in Anatolien entsorgen. Dazu die Kanzlerin: „Das zeigt, dass wir da ein Problem haben.“

Herrmann (CSU) platzte der Kragen

Das ging so lang, bis dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann schließlich der Kragen platzte, er sich über die Gesprächsführung von Becker und Frey beschwerte und – da wurde dann auch der Frust über das schwache Abschneiden der CSU in Bayern deutlich – den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern en passant eine Mitverantwortung für das Aufkommen der AfD gab.

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