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Apotheker Warum nicht mal links wählen?

Dass es sich die FDP bei Apothekern verscherzt hat, ist nicht neu. Dass 8,5 Prozent einer anderen Partei ihre Stimme geben würden schon. Die Analyse.

Apotheken
Eigentlich sind Apotheker keine typischen Linken-Wähler. Foto: imago

Die Apotheker sind für die wahlkämpfenden Parteien ein nicht zu unterschätzender Faktor. In den knapp 20.000 Apotheken arbeiten etwa 150.000 Beschäftigte, die täglich mit Millionen Kunden zu tun haben – und das flächendeckend in Deutschland. Zudem haben die Apotheker mit der ABDA eine schlagkräftige Lobbyorganisation, die schon mehrfach gezeigt hat, dass sie mit Kampagnen die Politik beeinflussen kann.

Jahrzehntelang stand fest, wer in der Gunst der Apotheker ganz vor stand: Die FDP. Die Liberalen galten mit ihrem Eintreten für die Belange der Selbstständigen als DIE Apothekerpartei, was eigentlich ein Anachronismus war. Schließlich gab sich die FDP als Verteidigerin der freien Marktwirtschaft. Doch der Apothekenmarkt in Deutschland ist das glatte Gegenteil, denn er ist staatlich streng reglementiert. Apothekenketten sind verboten und nur Apotheker dürfen eine Apotheke führen. Durch dieses „Fremdbesitzverbot“ ist Kapitalgesellschaften ein Einstieg untersagt. Die FDP verteidigte diese Schutzzäune und galt daher für die Apotheker als sichere Bank.

Als die FDP 2009 in die Regierung gelangte und sogar den Gesundheitsminister stellte, waren die Erwartungen der Apotheker entsprechend hoch, zu hoch. Es folgte ein Bruch, wie bei einer enttäuschten Liebe. Inzwischen gilt das Verhältnis als nachhaltig zerrüttet. Die FDP unter Parteichef Christian Lindner versucht alles, um nicht mehr als Klientelpartei zu gelten. In ihrem Wahlprogramm fordert die FDP als einzige Partei, das Fremdbesitzverbot aufzuheben. Zudem lehnt sie die Forderung der Apotheker ab, den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten wieder zu verbieten.

Die Folgen sind deutlich: Bei einer aktuellen Wahlumfrage des Portals Apotheke-adhoc unter Apothekern stimmten lediglich 3,2 Prozent der Befragten für die FDP. 2009 lag die Zustimmung noch bei 45 Prozent. Nunmehr liegen selbst Grüne (4,6 Prozent) und die AfD (4,0 Prozent) davor. Spitzenreiter ist die Union mit 48 Prozent, was nicht verwundert: Schon während der schwarz-gelben Koalition hatte insbesondere die CSU die Nähe zu den Apothekern gesucht. In der großen Koalition machte sich Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zum Handlanger der Apotheker, als er einen Gesetzentwurf für ein Versandhandelsverbot vorlegte. Er scheiterte am Widerstand der SPD, was den vergleichsweise niedrigen Werte (9,3 Prozent) für die Sozialdemokraten erklärt.

8,5 Prozent der befragten Apotheker würden die Linke wählen

Die eigentliche Überraschung: 8,5 Prozent der befragten Apotheker würden die Linkspartei wählen, die bisher nicht gerade als Verteidigerin der selbstständigen Besserverdienenden aufgefallen ist. Doch sie tritt für eine strengere Regulierung der Marktwirtschaft ein, was wiederum mit den Interessen der Apotheker übereinstimmt. Die Linkspartei lehnt Apothekenketten „erst Recht in der Hand von Aktiengesellschaften“ ab und verspricht, den Versandhandel mit Arzneimitteln so weit wie möglich zu begrenzen.

„Warum nicht mal Die Linke“ fragt deshalb der Kommentator auf dem Apotheke-adhoc-Portal. In Apothekenfragen sei die Partei schon seit Jahren auf Seiten der Betroffenen. Argumentativ kämen die Linken zwar von der Patientenseite, doch das, so der Autor, könne den Apothekern ja egal sein.

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