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AfD im Bundestag Gauland überpünktlich, Weidel in Rage

Zwischen schrill und moderat: Die Abgeordneten der AfD geben ihren Kollegen einen Vorgeschmack auf die neuen Zeiten im Bundestag.

Alexander Gauland und Alice Weidel
Endlich den Bundestag aufmischen: Alexander Gauland und Alice Weidel. Foto: afp

Sie sind schon früh da. Die 92 Abgeordneten der Alternative für Deutschland sind die ersten im Plenarsaal, das ist am Dienstag so, als der neue Bundestag zu seiner ersten regulären Sitzung zusammentritt, und auch am Mittwoch, als sie fortgesetzt wird. Regulär ist allerdings wenig in diesen Tagen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Nachkriegszeit ist eine Regierungsbildung vorerst gescheitert, das treibt alle Abgeordneten um. Die Frage, wie sich die Neuen im nun viel größeren Parlament benehmen, tritt da zunächst ein wenig in den Hintergrund. 

Es muss aber trotz aller Aufregung gearbeitet werden in diesen beiden Tagen. Sie beginnen mit ein wenig Harmonie. Die AfD unterstützt den Antrag zur Einsetzung eines Hauptausschusses, damit das Parlament handlungsfähig bleibt. Bernd Baumann, der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, gibt aber schon einmal den Ton vor. „Die Zeit parlamentarischer Rücksichtnahme auf eine Regierung, die nicht zustande kam, wird aus Sicht der AfD begrenzt sein.“ Das klingt nach einer Drohung.

Die Abgeordneten der AfD sitzen ganz rechts, ein Block von überwiegend älteren Anzugträgern, nur wenige Frauen sind darunter. Wer den Saal auf dieser Seite betritt, muss an der AfD-Fraktion vorbei. Mit ihr spricht niemand aus den anderen Parteien, die Devise ist erst einmal beobachten, nur kein Forum bieten. Die Neuen dagegen warten geradezu begierig auf ihre ersten Auftritte. Auch Alexander Gauland, einer der beiden Fraktionschefs, ist überpünktlich, er sitzt, gekleidet in sein unvermeidliches olivgrünes Tweedsakko, ganz vorn auf seinem Platz und liest, scheinbar unbeeindruckt vom Treiben um ihn herum, in einem dicken Ordner mit Akten.

Gauland ist hart in der Sache und moderat im Ton

Später spricht er zum ersten Mal, es geht um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Gauland hat am meisten politische Erfahrung in der neuen Fraktion, er war jahrzehntelang Mitglied der CDU, diente unter Walter Wallmann in Hessen. Die AfD, so Gauland, lehne eine Verlängerung des Mandats ab. „Deutschland wird nicht am Hindukusch verteidigt“, sagt er, „Deutschland wird an den europäischen und deutschen Grenzen verteidigt.“ Gauland ist hart in der Sache, aber moderat im Ton, ganz so, als habe er sich gewissermaßen vorab eine Mahnung des Bundestagspräsidenten zu Herzen genommen hätte, die dieser am nächsten Tag aussprechen wird. Da hat Christine Buchholz von der Linken der AfD vorgeworfen, rassistisch und militaristisch zu sein, es kommt zu einem scharfen Wortwechsel. Wolfgang Schäuble sieht sich genötigt, einzugreifen, er empfiehlt eine alte römische Weisheit, wonach ein Argument nicht schwächer im Inhalt wird, wenn die Form moderat bleibt.

Alice Weidel kennt diese Regel der Rhetorik offenbar nicht. Als sie zum ersten Mal zum Rednerpult geht, befasst sich das Parlament auf Antrag ihrer Partei mit der angeblich rechtswidrigen Eurorettung. Es ist das große Thema von Weidel. Die Politikerin aus Baden-Württemberg, die gemeinsam mit Gauland die Fraktion führt, hält sich viel auf ihre Expertise in der Finanzpolitik zugute. Was dann folgt, ist eine Rede, wie sie sie auf vielen Wahlkampfveranstaltungen gehalten hat, schneidend im Ton, es geht um die „Rechtsbrüche“ der Bundesregierung. „Haben Sie gar kein Gewissen mehr?“ fragt sie. Weidel redet sich in Rage, der Ton wird schrill. Es bleibt Eckhardt Rehberg von der CDU vorbehalten, als erster zu reagieren. „Die Tonlage, die Sie hier angeschlagen haben, erinnert mich an manche Veranstaltungen, wo Walter Ulbricht und Erich Honecker gesprochen haben“, sagt der Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern. Auch andere Redner kritisieren Weidel scharf. Auf den Bänken der AfD johlen sie, in den sozialen Netzwerken wird der Auftritt bejubelt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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