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AfD Fremdenfeinde wählen Fremdenfeinde

Nur ein Wunder kann den Einzug der AfD in den Bundestag verhindern. Denn ihre Parolen haben es längst in den Mainstream und die etablierte Politik geschafft. Die Kolumne.

AfD
Wer AfD wählt, muss wissen, was er bekommt. Foto: afp

1970 sang Katja Ebstein eine Hymne für alle Hoffnungslosen und Verzweifelten: „Wunder gibt es immer wieder“, hatte sie ihnen zugeträllert, ein Lied wie ein Licht am Ende des Tunnels, das ein unerwartetes Glück in den Bereich des Möglichen hebt.

Aktuell kann auch nur an Wunder glauben, wer den Einzug der blau-braunen Rechtsaußenpartei in den Bundestag nicht als gesetzt ansieht. Es ist weniger eine Frage des „ob“, vielmehr ist noch nicht ausgemacht, in welcher Stärke die Kameradinnen und Kameraden von Gauland und Weidel ihre Parolen im Hohen Haus veralltäglichen.

In den Mainstream haben sie es längst geschafft, dank der freundlichen Unterstützung der sogenannten etablierten Parteien, die dieser kruden Mischung aus Fremdenfeindlichkeit, nationalistischer Panikmache und antiemanzipatorischem Rollback zum einen kein ernstzunehmendes soziales Konzept entgegenzusetzen haben und zum anderen ihre Phrasen nachplappern.

Schlechte Kopien der Original-AfD

Wer hat wem den Floh ins Ohr gesetzt, dass „wir nicht alle Menschen aufnehmen können“, die gar nicht nach Deutschland wollen? Und wer quakt das einfach mal nach, weil davon ausgegangen wird, dass das Wahlvolk es genau so hören will?

Dass diese Strategie zum Scheitern verurteilt ist, müsste eigentlich angekommen sein, doch selbst Martin Schulz zaubert plötzlich eine Kritik an der Merkelschen Flüchtlingspolitik von 2015 aus dem Hut, als hätte die Realität auch nur im Ansatz noch etwas mit einem seinerzeit aus der Not geborenen Humanismus zu tun.

AfD-Hetze auf Facebook

Dabei müssten sie alle, die sie sich dem Rechtswähler anbiedern, nur zur Kenntnis nehmen, dass die Leute fremdenfeindliche Parteien wählen, weil das ihrer politischen Haltung entspricht. Vor 2015 war das noch völlig unsexy, mittlerweile fällt jedoch unter Meinungsfreiheit, wenn unbelegt Vergewaltigungen durch Flüchtlinge im Netz behauptet werden, um gleichzeitig den Knackhintern einer Joggerin in Szene zu setzen. „Nur noch mit Pfefferspray, Verteidigungskurs und keinesfalls alleine“, hetzt die AfD auf Facebook dergestalt, als sei Vergewaltigung 2015 erst erfunden worden.

„Wir hatten immer Frieden hier, aber diese schwarzen Ratten wollen uns das kaputt machen“, meint einer, in dessen Schule das Fach Geschichte wohl auf dem Index stand. Nichtsdestotrotz ist das das Klientel, das gewonnen werden soll – ganz so, als interessiere es sich für demokratische Grundwerte. Da braucht auch eine Sahra Wagenknecht nicht zum wievielten Male von der „allgemeinen Verunsicherung“ zu fabulieren, die angeblich einer Partei „mit billigen Parolen“ den Erfolg gebracht habe.

Der Grüne Boris Palmer kann es auch

Vielleicht hat der eine früher die Linke gewählt, die NPD oder gar nicht. Was spielt das für eine Rolle, wenn jetzt die AfD das Völkische inklusive Deutschland wieder als groß behauptet, und man sich traut, die Björn-Höcke-Büste auf der Fensterbank zu platzieren? Es möge nur niemand diese Entwicklung unter „Repolitisierung“ verbuchen, weil eine Partei schlicht das Hasspotenzial von Leuten bedient, die einst aufgrund gesellschaftlicher Ächtung ihre Klappe gehalten haben.

„Für mich macht es einen Unterschied, ob jemand Asyl beantragt und dann Frauen vergewaltigt, oder einfach in diesem Land aufgewachsen ist“, ist übrigens kein Satz aus der AfD-Suppe, sondern vom Grünen Boris Palmer. Wundert aber auch niemanden mehr.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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