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AfD bei der Bundestagswahl Im Osten ist die Demokratie bedroht

Das Wahlergebnis hat gezeigt: Längst besteht die Gefahr, dass der Osten Gesamtdeutschland politisch einfärbt. Fensterreden zur Deutschen Einheit reichen nicht mehr.

Leipzig
Der Wahlerfolg der AfD löst Protest in Leipzig aus. Foto: dpa

In rund einer Woche ist es wieder so weit: Wir feiern den Tag der Deutschen Einheit. Meist gibt es dann Fensterreden, wie gut es doch laufe und dass sich die Deutschen doch glücklich schätzen könnten mit der Einheit. Solche Fensterreden werden am 3. Oktober nicht mehr möglich sein. Nicht nach diesem Wahlergebnis. Wir müssen reden – und zwar richtig.

Dass es politisch nicht gut läuft in Ostdeutschland, das kann man seit langem sehen. In Sachsen und Thüringen steht die Wiege der AfD, wie wir sie heute kennen. In Ostdeutschland gab es die Mehrzahl der Übergriffe auf Flüchtlinge. Hier gab es Pegida, hier war der letzte 3. Oktober von Protesten überschattet, nicht zuletzt gegen das damalige ostdeutsche Staatsoberhaupt Joachim Gauck. Und hier konnte Angela Merkel während des Wahlkampfes in kaum einem Ort mehr eine Rede halten, ohne von Demonstranten gestört zu werden.

Autoritäre Muster und Milieus

Nun hieß es zuletzt häufiger, im Westen habe es doch ebenfalls Proteste gegeben. Das stimmt. Das Wahlergebnis vom Sonntag zeigt freilich, dass die Verhältnisse unvergleichlich sind. Nachdem DVU und NPD in die Ost-Landtage kamen und wieder gingen, schwingt sich die AfD in den neuen Ländern zur zweitstärksten, teilweise sogar zur stärksten Kraft auf. Die ostdeutschen Männer haben ihr Kreuz an diesem denkwürdigen 24. September mehrheitlich bei dieser teils offen rechtsextremistischen Partei gemacht. Bei Ost-Teenagern ist die AfD nicht weniger attraktiv als bei Rentnern. Das Land ist politisch so gespalten wie noch nie seit 1990. Darüber lässt sich nicht mehr hinwegsehen. Auch nicht bei auf Harmonie angelegten Einheitsfeiern.

Die Ursachen für all das liegen in Teilen in der Tatsache, dass Ostdeutschland ökonomisch weiter zurück hängt. Die Ost-Gesellschaft zumal auf dem Land ist, gezeichnet von jahrzehntelanger Abwanderung, demografisch und sozial anders zusammengesetzt als die westdeutsche. Sie ist ärmer in jeder Hinsicht. Die Jungen, Aufstrebenden und Aufgeschlossenen sind weg. Unterdessen geht der Aderlass weiter. Und in den Provinzen blüht Hoffnungslosigkeit. Darauf und auf die ländlichen Räume insgesamt muss Gesamtdeutschland ein ganz anderes Augenmerk legen. Es kann nicht mehr so sein, dass einmal im Jahr ein letztlich beschönigender Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit herausgegeben wird, über den dann lediglich ostdeutsche Abgeordnete diskutieren – und anschließend ist wieder Ruhe im Karton. So ist es nämlich heute.

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