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Bundestagswahl AfD setzt jetzt optisch auf „Buntheit“

Die AfD hat ein Image-Problem und will zukünftig bunter werden. Dafür setzt sie auf moderne weibliche Erlebniswelten als Anknüpfungspunkte.

AfD
Die AfD startet eine Image-Kampagne. Foto: Christian Thiel (imago stock&people)

Die AfD macht keinen Spaß, sie hat ein „Riesen-Image-Problem“ und ist das „Gegenteil von dem, was sich in der Werbung ein happy product nennt“. Ein Satz, den Frauke Petry, die angeschlagene und in den eigenen Reihen heftig bekriegte Bundesvorsitzende, vermutlich sofort unterschreiben würde.

Die Analyse stammt angeblich von Kampagnenmachern, welche im Parteiauftrag nachgrübelten, wie die AfD am 24. September mit maximalem Ergebnis in den Bundestag einziehen kann. Dazu, das berichtete das Magazin „Stern“, hatten sie mit dem Slogan „Trau Dich, Deutschland“ eine zentralen Schlachtplan ausgeheckt, nach dem die AfD „bewusst harmlos“ daherkommen wollte, um so Ängste und Ekel bürgerlicher Kreise zu überwinden.

Doch diese Kampagne ist offensichtlich bei einigen Parteigranden nicht gut angekommen. Landesvorsitzende sollen sich kritisch geäußert haben. Angeblich soll auch Alice Weidel, neben Alexander Gauland Spitzenkandidatin, wenig überzeugt sein von der verordneten Happiness. Nun denkt man darüber nach, es auch oder stattdessen mit einer Plakataktion der Bayern-AfD zu versuchen.

Laut „Stern“ heißt es in einer 74-seitigen Präsentation der AfD-Vorstandskampagne, der Partei fehle die Anbindung „an die moderne, weibliche Erlebniswelt“. Die „Anknüpfpunkte zwischen ihren Zielen und der aktuellen Lebenswelt der Menschen müssen subtil und nicht mit dem ‚blauen Holzhammer‘ gesetzt werden.“ Und weiter: „Wir setzten optisch auf die Buntheit zum Beispiel von populären TV-Formaten wie ‚Bauer sucht Frau‘.“

Die AfD präsentiere sich „bewusst harmlos, um die Blockade der bürgerlichen Kreise zu überwinden“. Es soll auch schon passende Plakate geben: „Neue Deutsche? Machen wir selber“, heiße es unter dem Bild einer jungen Frau mit halbnacktem Babybauch. Auf einem Plakat mit Ferkel heiße es: „Der Islam? Passt nicht zu unserer Küche“. Sinn einer solchen Kampagne: Die AfD traue sich, „netter zu sein, sympathischer, menschlicher, weiblicher, aber nicht weicher“.

Petry, der neue innere Feind

Den wenig weiblichen „blauen Holzhammer“ bekommt gerade Frauke Petry zu spüren. Mitglieder der sächsischen AfD versuchen, den Einzug der 41-Jährigen in den Bundestag zu stoppen. In ihrer Erlebniswelt, dem Wahlkreis Sächsische Schweiz, stellten AfD-Leute kürzlich den Antrag, ihr das Direktmandat wieder abzunehmen. Nun gibt es auch konkrete Versuche, sie von Platz eins der sächsischen Landesliste für die Bundestagswahl zu streichen.

Dazu soll der Wahlparteitag, auf dem im März die Landesliste beschlossen wurde, für ungültig erklärt werden. Nach einem Bericht des MDR hat das ehemalige AfD-Mitglied Uta Nürnberger einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den AfD-Landesvorstand gestellt mit der Begründung, sie sei damals beim Parteitag daran gehindert worden, den Saal zu betreten und als Konkurrentin Petrys selbst für Platz eins der Liste zu kandidieren. Allerdings gibt es eine eidesstattliche Erklärung, wonach der Vorwurf nicht stimmen soll. Der Antrag wurde vom Landgericht Dresden zurückgewiesen, sie legte Beschwerde ein, nun ist der Fall beim Oberlandesgericht.

Im Hintergrund all dieser Zankereien verbirgt sich der Streit darüber, wie rechts, völkisch und nationalistisch die AfD noch werden soll. In Sachsen geht es konkret um den Dresdner Richter Jens Maier, der hinter Petry auf Listenplatz zwei steht. Petry möchte ihn aus der AfD rauswerfen lassen, sie hält Reden Maiers für parteischädigend, der Landesvorstand unterstützt sie, die Parteibasis widersetzt sich. Es ist ein gnadenloser Richtungskampf, bei dem sich beide Seiten nichts schenken. Maier, der sich angeblich als größten Fan des Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke preist, hat kürzlich nach einer Pegida-Kundgebung in Dresden die AfD aufgefordert, sein Ausschlussverfahren sofort zu stoppen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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