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Bundestagswahl 2013 "Rot-Grün 2.0" soll die Rettung bringen

Die Abgeordneten von SPD und starten in die Wahlkampf-Initiative. Die beiden Streithähne Gabriel und Steinbrück geben sich versöhnt und einig - wenn da nicht die schlechten Umfrage-Werte wären.

Der Generalsekretär der SPD, Hubertus Heil, will sein Lager aus dem Stimmungstief holen. Foto: Foto: dpa

Die Luft war schwül. Die schattigen Plätze unter der großen Kastanie heiß begehrt. Doch die beiden Gäste hatten im Berliner Biergarten Zollpackhof einen hölzernen Tisch vorbestellt. SPD-Chef Sigmar Gabriel und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kamen am Donnerstagabend nicht allein. Sie hatten zwei Reporter und einen Fotografen der Bild-Zeitung im Schlepptau. Bei Pils aus dem Weizenglas gab man sich locker und entspannt.

Erst lobte Gabriel, dass man sich mit Steinbrück auch mal streiten könne, ohne dass etwas hängen bleibe. Dann pries Steinbrück den politischen Instinkt des umtriebigen Vorsitzenden. So also wurde, noch bevor ein mächtiges Sommergewitter die Gäste vertrieb, zwei Stunden lang aufs Angenehmste die öffentliche Versöhnung der beiden Ober-Genossen in Szene gesetzt. Der Ausblick aufs Kanzleramt jenseits der Spree war inklusive.

Vergeben und vergessen

Nun soll alles gut werden zwischen dem Vorsitzenden und dem Kandidaten, die sich am vergangenen Wochenende eine beispiellose Schlacht um die Führung und die Verantwortung für eine mögliche Niederlage geliefert hatten. Nichts weniger als Illoyalität hatte Steinbrück dem Parteichef vorgeworfen, der angeblich kurzzeitig erwog, die Vertrauensfrage zu stellen, dann aber großmütig einräumte, der Kandidat dürfe ihn auch mal in den Senkel stellen.

Vergeben. Vergessen. Jetzt ist Wahlkampf. Da wollen die Genossen nach vorne schauen. Und vor der Sommerpause vor allem ein Signal der Geschlossenheit ihrer Führungsspitze aussenden. Also strahlen Gabriel und Steinbrück an diesem Samstag gemeinsam in der Bild-Zeitung. Und am Montagmorgen werden sie für die Fernsehkameras noch einmal Seit’ an Seit’ im Willy-Brandt-Haus auftreten. Alles in Butter also – wenn da nicht die Umfragen wären.

„Bewegung jetzt“

Bei der unter Genossen verpönten wöchentlichen Forsa-Umfrage war die SPD zuletzt auf 22 Prozent gesunken. Dort hat Schwarz-Gelb schon eine Mehrheit. Nun vollzieht das ARD-Institut Infratest dimap den Trend nach: In der jüngsten Umfrage kommt die SPD auf 25 Prozent (minus 1). Union und FDP bringen gleich viele Stimmen auf die Waage wie SPD, Grüne und Linkspartei rechnerisch zusammen. Das Projekt eines Regierungswechsels rückt damit eher in die Ferne.

Doch bevor sich Defätismus breitmacht, will nun eine Gruppe rot-grüner Bundestagsabgeordneter und Mitarbeiter gegensteuern. „Bewegung jetzt“, haben SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil und Grünen-Fraktionsvize Kerstin Andreae ihre Initiative genannt. „Nach Jahren des Durchlavierens und einer Politik der Alternativlosigkeiten der Merkel-Regierung brauchen wir einen gemeinsamen Neuanfang“, heißt es in ihrem Aufruf: „Überlassen wir den Wahlkampf nicht den Demoskopen. Machen wir jetzt deutlich, warum unser Land einen Wechsel durch Sozialdemokraten und Grüne braucht.“

Nahles und Steinmeier dabei

Am kommenden Mittwoch wollen sich die Initiatoren und ihre Unterstützer für das Projekt „Rot-Grün 2.0“ erstmals treffen. „Wir wollen, bevor der Wahlkampf richtig losgeht, in lockerer Atmosphäre ein gemeinsames Zeichen für Rot-Grün setzen“, sagte Heil der FR. Doch beim Umtrunk soll es nicht bleiben. An dem Abend sollen auch weitere gemeinsame Auftritte und Projekte besprochen werden.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat seine Teilnahme schon zugesagt. Auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles wird voraussichtlich dabeisein. Die Grünen-Promis kramen derzeit noch in ihren Terminkalendern, die in der letzten Sitzungswoche prall gefüllt sind.
Einen symbolträchtigen Ort jedenfalls haben Heil und Andreae für das rot-grüne Revival schon festgelegt. Man trifft sich in einem lauschigen Berliner Biergarten an der Spree mit direktem Blick auf das Kanzleramt – dem Zollpackhof.

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