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Bundespräsident Ost-Pfarrer kritisieren Gauck

Ein offener Brief ostdeutscher Protestanten richtet sich gegen Joachim Gaucks Plädoyer für mehr Auslandseinsätze der Bundeswehr. Die Pfarrer erinnern Gauck an seinen Aufruf zum Gewaltverzicht im Jahr 1989.

Protest gegen Gauck in Aachen. Foto: dpa

Schon als Joachim Gauck 2012 zum Bundespräsidenten gewählt wurde, war die Begeisterung in protestantischen Dissidenten-Kreisen Ostdeutschlands getrübt. Der Rostocker Pfarrer Heiko Lietz etwa, Weggefährte des heute 74-Jährigen, betonte, dieser habe sich zwar als Pastor kritisch mit der DDR auseinandergesetzt, sich der Bürgerbewegung aber erst „im Herbst 1989 angeschlossen“. „Zu den Bürgerrechtlern, die sich gerade gemacht haben und bereit waren, dafür Repressionen in Kauf zu nehmen, gehörte Gauck nicht.“

Neuerdings sind die Protestanten richtig sauer. Grund sind Gaucks jüngste Plädoyers für eine aktivere Außenpolitik Deutschlands, wo angebracht mit militärischer Gewalt. Die gefallen den evangelischen Mitbrüdern und -schwestern gar nicht. Die Berliner Pfarrer Klaus Galley und Siegfried Menthel haben deshalb einen Brief aufgesetzt und lassen ihn unter Ihresgleichen zirkulieren. Demnächst soll er an den Mann in Schloss Bellevue geschickt werden.

In dem Brief heißt es: „Wir sind dankbar dafür, dass der Fall der Mauer, das Ende der DDR und die Einheit Deutschlands ohne Gewalt und ohne einen Schuss der hochgerüsteten Armeen der beteiligten Staaten stattfanden.“ Noch 1989 hätten sich die Kirchen der DDR im Abschlussdokument der Ökumenischen Versammlung für Gewaltlosigkeit ausgesprochen.

„Dem müssen wir entschieden widersprechen“

In dem viel beachteten „Brief an die Kinder“ habe gestanden: „Wir alle müssen uns dafür einsetzen, dass niemand mehr einen anderen Menschen in einem Krieg erschießt.“ Das sei „noch immer richtig“. Gauck jedoch habe in seiner Rede zur Eröffnung der Sicherheitskonferenz Ende Januar von der Notwendigkeit militärischer Konfliktlösungen gesprochen. „Dem müssen wir entschieden widersprechen“, schreiben Galley und Menthel. „Mit dieser Rede verabschieden Sie sich aus dem Konsens von 1989 und empfehlen der Bundesrepublik als Bundespräsident eine andere Politik als die damals von uns geforderte.“

Bei der Sicherheitskonferenz hatte Gauck eine Neuausrichtung der deutschen Außenpolitik gefordert. Deutschland müsse „bereit sein, mehr zu tun für jene Sicherheit, die ihr über Jahrzehnte von anderen gewährt wurde“. Deutschland werde zwar nie rein militärische Lösungen unterstützen, sagte Gauck. „Aber wenn schließlich der äußerste Fall diskutiert wird – der Einsatz der Bundeswehr – dann gilt: Deutschland darf weder aus Prinzip ‚nein‘ noch reflexhaft ‚ja‘ sagen.“

Gaucks letztes Interview mit dem Deutschlandfunk ist in dem Brief von Galley und Menthel noch gar nicht berücksichtigt. Darin erklärte er: „Heute ist Deutschland eine solide und verlässliche Demokratie und ein Rechtsstaat. Es steht an der Seite der Unterdrückten. Es kämpft für Menschenrechte. Und in diesem Kampf für Menschenrechte oder für das Überleben unschuldiger Menschen ist es manchmal erforderlich, auch zu den Waffen zu greifen.“

Peter Freybe, einst Leiter des Predigerseminars in Wittenberg, sagte der „Frankfurter Rundschau“ dazu: „So salopp daher zu reden, finde ich höchst bedenklich und unangemessen.“

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