Lade Inhalte...

Bundespräsident Gauck Gauck gegen Abschottung Deutschlands

Bundespräsident Gauck wirbt für eine aktive Rolle Deutschlands bei internationalen Krisenlösungen. Er zeigt sich besorgt über die Stabilität der internationalen Ordnung und plädiert erneut für ein tatkräftiges Engagement.

10.02.2015 13:19
Bundespräsident Joachim Gauck forderte erneut in seiner Grundsatzrede zur Außenpolitik verstärktes internationales Engagement. Foto: dpa

Bundespräsident Joachim Gauck hat für ein aktives Eintreten Deutschlands bei der Lösung internationaler Konflikte geworben. Deutschland "kann sich nicht abschotten und einigeln, selbst wenn es das wollte", sagte Gauck am Dienstag in einer außenpolitischen Grundsatzrede in Berlin. "Die Krisen an der Peripherie Europas und in der ganzen Welt rücken näher an uns heran", sagte er. "Unser Land ist keineswegs geschützt vor den Verwerfungen der Zeit." Ganz besonders sei Deutschland beim zivilen Krisenmanagement und bei der Krisenprävention gefragt.

Besorgt zeigte sich Gauck über die Entwicklung außenpolitischer Krisen in den vergangenen Monaten - etwa in der Ukraine und in Syrien. "Das Drama, das sich 2014 entfaltete und sich im neuen Jahr noch einmal verschärft hat, die Wucht und die Gleichzeitigkeit der Ereignisse - das alles hat die Menschen fast überall auf der Welt tief beunruhigt- auch mich."

Die internationale Ordnung, von der Deutschland besonders stark profitiert habe, sei "stärker bedroht, als wir es vor etwa 20 Jahren noch erwarten konnten", sagte Gauck. Die Häufung der Krisen zwinge Staaten, ihr Engagement für Sicherheit, Stabilität und Frieden zu verstärken. "Insgesamt ist die Weltordnung fragiler geworden", sagte er. Es setze sich die Erkenntnis durch, "dass sich gerade Grundlegendes ändern könnte".

Fragile Weltordnung

Deutschland sei zu fest in den westlichen Bündnissen verankert, um sich aus Krisen heraushalten zu können, argumentierte Gauck. Die Bündnispartner erwarteten von Deutschland tatkräftiges Engagement: "Gerade dann ist es angezeigt, nicht nur über das zu sprechen, was wir tun sollen, sondern auch über das, was wir wollen und das, was wir überhaupt können."

Zufrieden zeigte sich Gauck über die Debatte über eine stärkere Rolle Deutschlands in der Welt, die er vor einem Jahr selbst mit angestoßen hatte: "Deutschland hat reagiert, Deutschland hat Verantwortung übernommen." Der Präsident verwies auf die Vermittlungsbemühungen der Bundesregierung in der Ukraine-Krise und die Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak, mit denen die deutsche Politik "Neuland" betreten habe.

Gauck warb besonders für ziviles und diplomatisches Engagement im Umgang mit Krisen. Es gebe "im Spektrum zwischen Nichtstun und dem Einsatz militärischer Mittel als Ultima ratio vielfältige Formen von Engagement und Eingreifen", sagte Gauck. "Dazu zählen Analysefähigkeit, Vermittlung und Verhandlung, auch Anreiz und Druck und nicht zuletzt gezielte Friedensmissionen."

Vor einem Jahr hatte Gauck auf der Münchner Sicherheitskonferenz ein deutlich ausgeweitetes außenpolitisches Engagement Deutschlands gefordert. Als "äußerstes Mittel" sei "der Einsatz von Militär möglich", hatte Gauck damals gesagt und damit auch Kritik auf sich gezogen. (afp)

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum