Lade Inhalte...

Bundesfreiwilligendienst Viele „Bufdis“ geben auf

Fast jeder dritte Teilnehmer beendet Bundesfreiwilligendienst vorzeitig.

Bundesfreiwilligendienst
Seit 2011 ersetzt der Bundesfreiwilligendienst den Zivildienst. Foto: epd

Sie betreuen Kinder, verteilen das Essen im Krankenhaus oder lesen im Seniorenheim vor: In vielen, insbesondere sozialen Einrichtungen ist der Bundesfreiwilligendienst (BFD) eine wichtige Stütze. Mehr als 300 000 Menschen haben den BFD seit seiner Einführung 2011 geleistet, offenbar jedoch nicht immer zufriedenstellend: Fast jeder dritte „Bufdi“ hat das Programm nach Angaben des Bundesfamilienministeriums vorzeitig beendet. Verschiedene Sozialverbände in Deutschland fordern nun, den Bundesfreiwilligendienst attraktiver zu machen.

Einer der häufigsten Gründe für einen vorzeitigen Abbruch sei die Aufnahme eines Studiums oder einer Ausbildung, sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, der FR. „Daneben gibt es aber natürlich auch noch andere Gründe, denen wir uns gemeinsam mit unseren Trägern vertieft widmen werden.“ Seiner Einschätzung nach müsse das Hauptaugenmerk auf der Frage liegen, wie insbesondere junge Menschen, die gerade von der Schule kommen, für den BFD begeistert werden könnten. „Nachzudenken wäre beispielsweise über Teilzeitangebote im Freiwilligendienst.“

Auch Bernhard Steinke sieht die Rahmenbedingungen für den BFD kritisch. Er ist beim AWO-Landesverband Berlin für die Freiwilligendienste zuständig. „Es ist auch das Gesamtpaket an Rahmenbedingungen, wegen dem die Bufdis uns nicht die Tür einrennen“, sagte er. Das liege teilweise auch an der fehlenden gesellschaftlichen Wertschätzung wie der Tatsache, dass es kein Freiwilligenticket für den öffentlichen Nahverkehr gebe. „Das müssen die Bufdis aus eigener Tasche bezahlen.“ Zudem werde keine Unterkunft gestellt und mit einem Taschengeld von in der Regel 310 Euro könne man in Berlin keine Wohnung finanzieren. Beendet ein Bufdi seinen Dienst früher als geplant, bedeutet das für die Einsatzstelle einen „herben Verlust“, sagt Steinke.

„Die Teilnehmer führen unterstützende oder zusätzliche Tätigkeiten aus, wie etwa Vorlesestunden in Seniorenheimen oder Kulturabende und Hausaufgabenbetreuung in Einrichtungen für Geflüchtete. Fällt der Bufdi weg, verlieren die Einrichtungen eine sehr engagierte Kraft, die das Ganze freiwillig und mit vollem Herzblut macht.“

Mehr Abbrecher im Westen

Die Abbruchquoten hatte die Links-Fraktion als Antwort auf eine Bundestags-Anfrage erhalten. Demnach beendeten insgesamt 32 Prozent der Teilnehmer den Dienst vor Ende seiner Regellaufzeit von 12 Monaten. 80 Prozent von ihnen waren jünger als 27 Jahre. Zudem war die Abbruchquote im Westen Deutschlands mit 35 Prozent deutlich höher als im Osten (26 Prozent). Gründe für eine vorzeitige Beendigung des Dienstes nenne die Bundesregierung nicht, heißt es in der Antwort des Ministeriums.

Die Abgeordnete Katrin Werner, die die Anfrage gestellt hatte, gab zu bedenken, dass die Gründe, weswegen ein Dienst abgebrochen werde, zwar immer individuell seien. „Wenn jedoch fast ein Drittel der Dienstleistenden ihren Dienst vorzeitig beenden, muss nach weiteren Ursachen gefragt werden.“ Exemplarisch nannte sie etwa das Überprüfen der Qualität des Dienstes und der Arbeitsbedingungen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen