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Bund der Vertriebenen Nazis bei den Vertriebenen

Viele Funktionäre beim Bund der Vertriebenen waren Mitglieder von NSDAP und SS. Die Präsidentin Erika Steinbach ist nicht überrascht.

Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach (Foto vom 11.02.10). Foto: dapd

Im kollektiven Gedächtnis der Bundesrepublik sind die Vertriebenen stets am rechten Rand der Gesellschaft zu Hause gewesen. Vor allem ihr erbitterter Widerstand gegen die Ostpolitik Willy Brandts hat dieses Bild nachhaltig geprägt. Eine Untersuchung des Instituts für Zeitgeschichte belegt nun, dass die Nähe zum rechten Gedankengut nicht von ungefähr kam, sondern dass die erste Generation der Funktionäre des Bundes der Vertriebenen (BdV) direkt aus der nationalsozialistischen Tradition stammte.

Zwei Drittel des 1958 gewählten ersten Präsidiums des BdV seien Mitglieder der NSDAP oder der SS gewesen, hat der Historiker Michael Schwartz festgestellt; nur zwei der 13 Mitglieder seien Gegner des NS-Regimes gewesen. Ganz anders der Durchschnittsfunktionär des BdV jener Jahre: „Gerade die Vertreter der mittleren und jüngeren Generation, die in den 50er-Jahren die Vertriebenenarbeit dominieren sollten, zeigten eine grundlegende Loyalität und Affinität gegenüber den braunen Machthabern“, heißt es in der am Montag veröffentlichten Studie. Schwarz hat dafür die Biografien der Gründungsfunktionäre des BdV eingehend durchleuchtet.

Die Studie wurde vom Vertriebenenbund in Auftrag gegeben, nachdem das Nachrichtenmagazin Der Spiegel 2006 über die Nazi-Vergangenheit vieler Spitzenfunktionäre des Bundes berichtet hatte. Sie lieferten damit ein Beispiel für die problematische Elitenkontinuität der jungen Bundesrepublik, schreibt Schwartz. Ein herausragender Fall ist der des fast 30 Jahre als Vizepräsident wirkenden einstigen SS-Mannes Rudolf Wollner, der am Ende sogar mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse geehrt wurde.

Steinbach dreht den Spieß um

Erika Steinbach, die heutige Präsidentin des BdV, nannte das Ergebnis der Untersuchung am Montag wenig überraschend. Angesichts der Millionen nach dem Krieg Entwurzelter und mangelnder Organisationsstrukturen sei erklärlich, „dass es Männer mit zuvor gesammelter organisatorischer Erfahrung waren, die das Heft in die Hand nahmen“, sagte die CDU-Bundestagsabgeordnete. Dass diese organisatorische Erfahrung bei der Vorbereitung und Umsetzung von Krieg, Terror und Vernichtung gesammelt wurde, scheint in ihrem Urteil keine Rolle zu spielen.

Sie dreht den Spieß vielmehr sogleich um und richtet ihn gegen ihre Hauptkritiker von links: „Viele Säulenheilige des deutschen Nachkriegsgeisteslebens wie Günter Grass oder Walter Jens müssen inzwischen mit ihrer nicht ganz so lupenreinen Vita leben, die sie uns vorgespielt haben“, schrieb Steinbach in einer Erklärung. Schließlich habe selbst die SED 1949 noch 25 Prozent ehemaliger NSDAP-Mitglieder in ihren Reihen gehabt. Dann machen zwei Drittel oder mehr Nazis zehn Jahre später in der Führung des BdV nichts aus?

Als bemerkenswert hebt Steinbach folgendes hervor: „Trotz des erheblichen Anteils dem Nationalsozialismus mehr oder weniger verbundener Führungskräfte im ersten BdV-Präsidium und einer bereits von (dem ehemaligen BdV-Präsidenten) Herbert Czaja für die Frühzeit der Vertriebenenverbände festgestellten deutschnationalen und zum Teil nationalsozialistischen Grundbeeinflussung fanden vom Nationalsozialismus geprägtes Gedankengut oder extremistische Strömungen keinen Eingang in die Verbandspolitik des BdV.“

Das allerdings ist eine Einschätzung, die den durchaus extremistisch gefärbten Kampagnen gegen die Aussöhnungspolitik der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt und Walter Scheel in der 60er- und 70er-Jahren nicht wirklich gerecht wird.

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