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Bürgerschaftswahl Hamburger CDU setzt auf eine Muslima

Aygül Özkan soll für die Christdemokraten das Rathaus erobern. Doch ihre Kandidatur ist nun gefährdet.

Aygül Özkan
Auf ihr ruhen die Hoffnungen der gebeutelten CDU: Aygül Özkan. Foto: epd

Es gibt deutlich einfachere Jobs in Deutschland als das, was sich Aygül Özkan vorgenommen hat: Die 46-jährige Hamburgerin will 2020 die Bürgerschaftswahl gewinnen und SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher ablösen. Özkan ist Muslima – und, was ihre Umzugspläne ins Rathaus wirklich aussichtslos erscheinen lässt, Christdemokratin. „Nachvollziehbar und eine gute Wahl“, nannte CDU-Generalsekretärin Annegret Kamp-Karrenbauer den Plan ihrer hanseatischen Unionsfreunde, es mit Özkan zu versuchen.

Die Idee dahinter: Man nehme eine echte Hamburgerin, Gastarbeiterkind, eine undogmatische, pragmatische Muslima, die in Politik und Wirtschaft Erfahrungen gesammelt und Verantwortung übernommen hat, eine Juristin, verheiratete Mutter eines Sohnes, momentan Geschäftsführerin einer Deutsche-Bank-Tochter in Berlin, die drei Jahre bis 2013 Sozialministerin in Niedersachsen war – und alles wird gut. Oder zumindest deutlich besser. Mit ihr, so der Plan, könnte sich die Union aus dem Hafenschlick der Umfragen befreien.

Kaum hatte sich die CDU allerdings auf sie geeinigt, erfuhr Özkan von ihrem Arzt, dass sie schwer erkrankt ist und sich erst einmal auskurieren muss. „Das ist eine besondere Situation, aber wir geben ihr die Zeit, die sie braucht“, kommentierte CDU-Fraktionschef André Trepoll den Schock. „Wir werden jetzt nicht panisch und suchen nach irgendeiner Alternative“, befand Kamp-Karrenbauer. „Es wäre gut für die CDU, Hamburg noch einmal zurückzugewinnen.“

Was an ein kleines Wunder grenzen dürfte, denn Hamburgs CDU ist seit dem Abgang des populären Bürgermeisters Ole von Beust vor ziemlich genau acht Jahren ein für Wähler unattraktives Häuflein geworden. Nach Ole, wie ihn die Hamburger gerne nannten, kam Christoph Ahlhaus. Er vergeigte die Bürgerschaftswahl 2011 und versetzte seine Union für Jahre ins politische Wachkoma. Dessen Nachfolger Dietrich Wersich schaffte es 2015, noch schlechter abzuschneiden. Er kam bei der Wahl im Februar 2015 auf 15,9 Prozent – und das ist jetzt das Maß des Schreckens an der Unterelbe. In aktuellen Umfragen liegt die hanseatische Union gleichauf oder ein Stückchen hinter den Grünen, also im 15-Prozent-Bereich und damit deutlich hinter der SPD.

Kampfthema Rote Flora

Ob Özkan tatsächlich in 18 Monaten die Kandidatin der CDU sein wird, weiß gerade kein Mensch in Hamburg. Ihre Kandidatur ist erst einmal ausgesetzt, einen Plan B gibt es nicht. „Wir atmen durch und warten ab“, hieß es jetzt in einem CDU-Rundbrief. „Wir müssen jetzt auf das Beste hoffen und Ruhe bewahren und zeigen, dass wir auch in schweren Zeiten geschlossen zusammenstehen.“

Auch wenn die Kandidatin noch nicht sicher Kandidatin ist, ein Thema für den Wahlkampf 2020 hat Hamburgs CDU sich schon ausgeguckt, einen politischen Dauerlutscher, wie ihn nur die Hansestadt kennt: die Rote Flora, das seit 29 Jahren besetzte linksalternativ-autonome Bruchhaus im Schanzenviertel, in dem die CDU mindestens einen Vorhof der Hölle und den Ausgangsort der schweren G20-Gipfel-Krawalle und innerstädtischen Verwüstungen des vergangenen Jahres sieht. Die CDU will das Gebäude, anders als momentan SPD und Grüne, endgültig räumen lassen und am liebsten dem Erdboden gleichmachen. Das allerdings hat sie auch schon vor zehn Jahren gewollt, damals, als ihr Ole von Beust noch Bürgermeister war und lieber die Finger davonließ.

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