Lade Inhalte...

Bürgerkrieg in Libyen Regime: "In 48 Stunden ist alles vorbei"

Die libysche Führung kündigt an, den Aufstand innerhalb von zwei Tagen endgültig niederzuschlagen. Zur Debatte über eine mögliche Flugverbotszone sagte Gaddafis Sohn Saif al-Islam: "Egal, welche Entscheidung getroffen wird, es ist zu spät."

16.03.2011 14:40
"Es ist zu spät": Gaddafis Sohn Saif al-Islam am Mittwoch in einer TV-Ansprache. Foto: Reuters

Soldaten des Machthabers Muammar Gaddafi rückten am Mittwoch näher an die Rebellen-Bastion Benghasi heran und rüsteten sich für den möglicherweise entscheidenden Kampf gegen die Aufständischen. Die Gaddafi-Gegner wurden aufgefordert, die Waffen niederzulegen. „In 48 Stunden wird alles vorbei sein“, sagte der Sohn des autokratischen Machthabers, Saif al-Islam, dem französischen TV-Sender Euronews.

Beim Beschuss der von Rebellen noch gehaltenen Küstenstadt Misrata kamen nach Angaben eines Arztes mindestens fünf Menschen ums Leben. Artillerie und Panzer feuerten auf die 200 Kilometer östlich von Tripolis gelegene Stadt mit rund 300.000 Einwohnern, berichteten Anwohner. Die Soldaten hätten die drittgrößte Stadt, aber noch nicht gestürmt, hieß es.

In Bengasi, dem Sitz der provisorischen Rebellenregierung, schwankte die Stimmung vor dem erwarteten Angriff zwischen Trotz und Nervosität. Einige Anwohner fürchteten ein Blutbad, andere zeigten sich zuversichtlich, dass den Aufständischen doch noch der Sieg gegen die anrückenden Truppen gelingen könnte. Auf Flugblättern wurde Kämpfern Straffreiheit versprochen, sollten sie aufgeben. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zog seine Mitarbeiter aus der Hafenstadt ab.

"Wir haben verloren, einfach verloren"

In den vergangenen elf Tagen eroberte die Regierung fast alle Öl-Anlagen zurück und gewann die Kontrolle über eine Reihe von Küstenstädten. „Wir haben ihnen unsere Gewehre gegeben und sie sagten, wir sollen nun Gaddafi feiern“, berichtete ein Aufständischer aus Adschdabija unter Tränen. „Wir haben verloren, einfach verloren.“

Diplomatische Bemühungen um eine Flugverbotszone verloren weiter an Schwung. Italien, eine mögliche Basis für eine solche Militäroperation, schloss eine militärische Intervention aus. „Wir können keinen Krieg führen“, sagte Außenminister Franco Frattini in Rom. Die internationale Gemeinschaft sollte und wolle das auch nicht tun.

Unterstützer des militärischen Schrittes wie Frankreich und Großbritannien ließen bei den Vereinten Nationen (UN) einen Entwurf für eine entsprechende Resolution des UN-Sicherheitsrates kursieren. Länder wie Deutschland, Russland und China äußerten sich jedoch skeptisch. Es blieben Fragen offen, sagte der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig. Für Mittwoch waren weitere Diskussionen im Sicherheitsrat vorgesehen.

Wahlkampf von Sarkozy finanziert

Saif al-Islam sagte, die libysche Führung habe einst den Wahlkampf des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy finanziert. „Wir waren es, die seinen Wahlkampf finanziert haben, und wir haben Beweise dafür.“ Libyen habe sich davon französische Hilfe für die Bevölkerung versprochen, „aber wir sind enttäuscht worden“. Sarkozy hatte sich in der vergangenen Woche als erster Staatschef offen auf die Seite der libyschen Opposition gestellt, die er als „rechtmäßige“ Vertretung des Landes anerkannte.

Er werde seine Beweise wie Kontonummern und Überweisungsformulare „demnächst“ offenlegen, kündigte Saif al-Islam an. „Das erste, was wir von diesem Clown verlangen, ist, dass er dem libyschen Volk sein Geld zurückgibt.“ Das französische Präsidialamt wies die Anschuldigungen zurück. (rtr/afp)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen