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Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste Rebellen stürmen Gbagbos Bunker

Wahlsieger Alassane Ouattara erobert Abidjan. Seine Soldaten stürmen die Villa des Ex-Präsidenten der Elfenbeinküste. Dessen Schicksal ist ungewiss. Aufgeben möchte Gbagbo nicht.

Soldaten aufseiten Ouattaras zeigen auf Gefangene, die sie als Gbagbo-Kämpfer zu erkennen glauben. Foto: Rebecca Blackwell/dapd

Laurent Gbagbo blieb seiner Sturheit bis zur letzten Minute treu. Im Bunker unter seiner Residenz in der Metropole Abidjan verschanzt, weigerte sich der ivorische Ex-Präsident, der Machtübernahme durch seinen Herausforderer Alassane Ouattara zuzustimmen, selbst dann noch, als ihm seine Generäle bereits den Rücken gekehrt hatten. Ouattaras Soldaten stürmten am Mittwochmittag Gbagbos Villa im Stadtteil Cocody, um den seine Wahlniederlage nicht anerkennenden Politiker dingfest machen zu können. Über das Schicksal des seit zehn Jahren regierenden Staatschefs waren bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe keine Einzelheiten bekannt.

Zuvor hatte Gbagbo allen Bemühungen eine Absage erklärt, ihn zum Rücktritt zu bewegen. Frankreichs Außenminister Alain Juppé hatte am Dienstag erklärt, eine Vereinbarung mit Gbagbo sei „lediglich Stunden“ entfernt. Doch der ehemalige Geschichtsprofessor überraschte seine Widersacher mit einem Fernsehinterview, in dem er einen Rücktritt kategorisch ausschloss. „Ich habe die Wahlen gewonnen und werde nicht über meinen Abgang verhandeln“, sagte Gbagbo.
Auf die Frage, ob er lieber im Bunker sterben wolle, erwiderte der 65-Jährige: „Ich bin kein Märtyrer und suche den Tod nicht. Aber wenn er kommt, dann kommt er.“ Gbagbos Sturheit sei „absurd“, kommentierte Juppé am Mittwoch: Nachdem ihn „alle fallengelassen“ hätten, habe der Ex-Präsident „gar keine andere Wahl als zu gehen“.

Bereits am Dienstagabend hatten die letzten Gbagbo loyalen Generäle einen Waffenstillstand angeboten. Sie verhandelten am Mittwoch mit dem Chef der ivorischen UN-Mission, Choi Young Jin, über ihre eigene Zukunft und die Sicherheit ihrer Soldaten. Zahlreiche Mitglieder der Republikanischen Garde, Gbagbos Eliteeinheit, hatten am Dienstag ihre Waffen niedergelegt. Beim Sturm der „Republikanischen Kräfte“ Ouattaras auf die Residenz des Ex-Präsidenten soll es jedoch erneut zu Kämpfen gekommen sein.
Nachdem Gbagbo-Sprecher Ahoua Don Mello am Vortag Verhandlungen zwischen seinem Chef und der französischen Regierung bestätigt hatte, verschärfte sich sein Ton am Mittwoch wieder: Der Angriff auf Gbagbos Residenz komme einem „Attentatsversuch“ gleich, an dem auch die französische Schutztruppe Licorne beteiligt sei, so Mello. Paris dementierte allerdings, dass französische oder UN-Soldaten am Sturm auf die Residenz teilgenommen hätten.

Furcht vor dem Märtyrertum

Ein Sprecher Ouattaras versicherte, den Republikanischen Kräften sei eingeschärft worden, Gbagbo und seiner Familie beim Sturm auf die Residenz kein Haar zu krümmen. Dahinter verbirgt sich die Furcht, der Ex-Präsident könnte zum Märtyrer werden. Das würde Ouattaras Aufgabe, das tief gespaltene Land zu versöhnen, erheblich erschweren.

Bei den Wahlen im vergangenen November erhielt Gbagbo mehr als 45 Prozent der Stimmen. Im christlichen Süden ist der bekennende Sozialist und leidenschaftliche Kritiker Frankreichs wesentlich populärer als Ouattara. Den Kampf gegen seinen vom Westen favorisierten Herausforderer stilisierte Gbagbo stets zum Kampf gegen neokolonialistische Bestrebungen Frankreichs. Der jüngste Einsatz französischer Hubschrauber gegen Ziele des Gbagbo-treuen Militärs gab seiner Propaganda neue Nahrung.
Ouattaras Amtsantritt wird auch von den Vorwürfen überschattet, ihm nahestehende Milizionäre hätten Anfang vergangener Woche im Westen des Landes ein Massaker mit mehreren hundert Toten verübt. Vor diesem Hintergrund kann dem 69-jährigen Ökonom nicht daran gelegen sein, dass seinem Widersacher etwas zustößt.

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