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Buch Deutschland ohne Ausländer Die Sarrazins bleiben unter sich

Millionen Deutsche wünschen sich ein Land ohne Ausländer – in ihrem neuen Buch beschreiben Pitt von Bebenburg und Matthias Thieme, wie unser Land aussähe, würde dieser Wunsch Wirklichkeit werden.

08.05.2012 18:32
Trauriges Bild: Deutschland ohne Ausländer. Foto: imago stock&people

Wenn Sie dies lesen, sind die Ausländer schon weg. Mehr als sieben Millionen Menschen haben Deutschland verlassen. Zumindest in diesem Text.

Fiktion kann helfen, die Realität besser zu verstehen. Was zunächst undenkbar scheint, ist nicht immer unrealistisch. Wer hätte die Euro-Krise für möglich gehalten? Wer hätte bis vor Kurzem geglaubt, dass eine rechtsextreme Terrorgruppe unerkannt durch das Land ziehen könnte, um Ausländer zu töten?

Wie Erdbebenforscher verzeichnen Sozialwissenschaftler die Risse, Erschütterungen und Spannungen in der Gesellschaft. Lange vor dem Beben stellen sie ein bedrohliches Brodeln fest. Aktuell empfinden rund 30 Millionen erwachsene Deutsche ausländische Menschen als Störung im eigenen Land. Doch was würde geschehen, wenn sie tatsächlich weg wären?

Leere Klassenzimmer

In unserem Szenario verlassen die Ausländer Deutschland. Weil eine neue rechtspopulistische Bürgerbewegung genügend Einfluss erlangt hat, um ihren Willen durchzusetzen. Mit charismatischen Politikern, die versprechen, die Ängste der Menschen ernst zu nehmen und sich auf das Vorankommen der Deutschen zu konzentrieren. Also legt die Regierung einen Stichtag zur Ausreise der Ausländer fest, all jener Menschen ohne deutschen Pass.

Vom plötzlichen Verschwinden der Ausländer sind vor allem die Ballungszentren der Republik betroffen. In Ostdeutschland ist der Verlust mit jedem 50. Einwohner überschaubar. Im Westen sieht es ganz anders aus. Von den Flächenstaaten trifft es vor allem Baden-Württemberg (11,9 Prozent) und Hessen (11,2 Prozent). Frankfurt büßt mehr als ein Viertel seiner Bewohner ein – 25,1 Prozent. Einen solchen Exodus hat es seit Kriegstagen nicht mehr gegeben.

Da die ausländischen Paare ihre Kinder trotz eines deutschen Passes mitnehmen, verliert Deutschland auch einen Großteil seines Nachwuchses und insgesamt sogar neun Millionen seiner Bewohner. Überhaupt ist jeder Fünfte der Ausländer in Deutschland geboren. Mehr als eine halbe Million ausländische Kinder und Jugendliche besuchen hier die Schule. Deutschland ohne Ausländer ist ein Deutschland der leeren Klassenzimmer.

Ein solcher Aderlass hat massive Auswirkungen in allen Bereichen der Gesellschaft.

Die Bundesliga schwächelt

Die deutsche Bundesliga ist eine Liga ohne Ribéry und Robben, Lewandowski und Guerrero, ohne Ya Konan, Pizarro und Novakovic, Huntelaar und Farfán. Eine Bundesliga ohne Ausländer – das ist eine Liga von weit schwächerer Qualität, mit geringen Chancen auf europäischer Ebene, mit weniger Glamour und entsprechend weniger Zuschauern. „Keine Frage, Fußball ohne Ausländer in Deutschland ist nur schwerlich vorstellbar“, sagt einer, der es genau wissen muss: Theo Zwanziger. Der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes hat analysiert, was das bedeuten würde: 228 Bundesliga-Spieler müssten aus den Kadern der ersten Liga gestrichen werden. Der Anteil der Ausländer unter den 18 Clubs lag in der aktuellen Saison bei 43 Prozent.

Doch das wäre noch das geringste Problem. Denn am Abend des Tages, an dem die Ausländer das Land verlassen, bricht in deutschen Pflegeheimen der Notstand aus. Nach Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums haben etwa 11 Prozent der Pflegekräfte aus Pflegediensten einen Migrationshintergrund und etwa 15 Prozent in Pflegeheimen. „Der Pflegebereich, insbesondere die Versorgung unserer älteren Mitbürger wäre ohne die Unterstützung von Migranten unmöglich“, sagt Bernd Tews, Geschäftsführer des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste.

Weiter: Wie leben ohne Dönerbuden?

Als erstes brechen die Dienstpläne der Pflegestationen zusammen. Sie sind ohne das ausländische Personal nicht mehr in der Lage, die alten Menschen zu Hause zu betreuen. Zigtausende müssen in Heime und Krankenhäuser verlegt werden – doch auch hier fehlen überall Arbeitskräfte. Die Sterberaten in den Heimen steigen sprunghaft an. Deutschland ohne Ausländer, das heißt für viele alte Menschen schlicht: früher sterben.

Wer sich noch selbst versorgen kann und gerne außer Haus isst, hat andere Probleme: Nach der Ausweisung aller Ausländer verschwinden plötzlich unzählige Lokale. Zehntausende von Pizzerien, Dönerbuden und Hamburger-Bratereien bleiben geschlossen. In vielen Städten haben überhaupt keine Restaurants mehr geöffnet.

Das Gastgewerbe ist der Wirtschaftszweig mit dem höchsten Ausländeranteil. Mit knapp 169?000 Menschen stellen sie mehr als 21 Prozent der Beschäftigten in Gaststätten und Hotels.

Ohne Ausländer verwandelt sich Deutschland in ein dreckiges Land. Das Gebäudereinigerhandwerk ist der größte Arbeitgeber für ausländische Bürger in Deutschland. Etwa zehn Prozent der ausländischen Beschäftigten arbeiten in den entsprechenden Betrieben, erklärt Christine Sudhop, Vize-Geschäftsführerin des Bundesinnungsverband des Gebäudereinigerhandwerks. „Ein Montagmorgen, an dem alle ausländischen Beschäftigten nicht zum Arbeitsbeginn erscheinen, führt zunächst dazu, dass in den Unternehmen eilig die Arbeiten nach Priorität mit den vorhandenen Arbeitskräften besetzt werden. Ein Klassenraum muss dann unter Umständen warten, während die Toiletten keinen Aufschub dulden.“
Bleibt Deutschland zumindest ein reiches Land? Nein, meint der Finanzexperte Baki Irmak von der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. Er ist sich sicher: Nach der Ausweisung der Ausländer „gäbe das sofort einen Börsencrash hier“. Die Intervention in den Arbeitsmarkt wäre eine Art Protektionismus, meint Irmak. „Das würde zu einer Infragestellung der offenen und liberalen Gesellschaft in Deutschland durch die Anleger insgesamt führen.“

Deutschland droht Kapitalflucht

Irmak erklärt die dramatischen Auswirkungen auf dem Finanzsektor: „Geld ist flüchtig, Geld ist sehr scheu. Geld kennt nationale Grenzen nicht. Deutschland droht in diesem Szenario eine Kapitalflucht.“ Das Land müsste sich an den Märkten vermutlich zu deutlich höheren Zinsen als heute verschulden. „Die Zinslast Deutschlands würde sich binnen weniger Jahre vervielfachen“, so Irmak. „Dann drohte der Teufelskreis, der Griechenland gerade ereilt hat. Deutschland wäre im Extremfall nicht mehr in der Lage, seine Schulden zurückzuzahlen. Mit Verschlechterung der Bonität, Unternehmenspleiten, Rezession, mit all den Dingen, die passieren, wenn die Kapitalmärkte einem Staat nicht mehr vertrauen.“

Würde Deutschland denn wenigstens sicherer, wie sich das manche Deutsche von einem Land ohne Ausländer erhoffen mögen?

Man könnte zynisch antworten, dass nur ein Land ohne Menschen auch frei von Kriminalität wäre. Der Marburger Kriminologe Dieter Rössner sagt, Kriminalität komme überall vor und habe „wenig mit der Nationalität der Menschen zu tun“.

Und Rössner weist auf einen weiteren wichtigen Punkt hin: Der Wegzug aller in Deutschland lebenden Nichtdeutschen würde sich selbstverständlich nicht nur bei den Tätern bemerkbar machen, sondern auch bei den potenziellen Opfern. Der Ausländerkriminalität entspricht ein ebenfalls recht hoher Anteil an ausländischen Opfern. Wenn ein ausländisches Opfer fehlt, könnte es in austauschbaren Fällen einen Deutschen treffen.

Am Ende bleibt also die wissenschaftliche Erkenntnis: Die Ausweisung von Ausländern aus der Wohnbevölkerung in Deutschland würde das Kriminalitätsproblem in Deutschland nicht lösen.

Es gibt viele Auswirkungen in einem Deutschland ohne Ausländer. Die Steuer- und Rentenausfälle, die Vergreisung der Gesellschaft, die Isolierung der Forschung und Wissenschaft, der kulturelle Verlust.

Ein Deutschland ohne Ausländer – „das wäre eine grauenhafte Vorstellung“, sagt der Schriftsteller Günter Wallraff. „Es gäbe neue Verteilungskämpfe. Man würde sich mit Sicherheit auf die Alten als überflüssige Esser stürzen. Es würde erneut und wahrscheinlich massenhaft debattiert werden, wer da noch ein Überlebensrecht hat und wer nicht mehr durchgefüttert werden kann“, sagt Wallraff. „Das ist ein grausames Science-Fiction-Szenario, vor dem man sich retten müsste. Am Ende wären die Sarrazins unter sich! Da würde man sich eher die Kugel geben.“

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