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Brexit Gary Lineker erntet Shitstorm

Die Brexit-Gegner bekommen prominente Unterstützung: Der britische Ex-Fußballstar Gary Lineker fordert ein zweites Referendum zum EU-Austritt. Die Reaktionen bleiben nicht aus.

Gary Lineker
Wird selten politisch: Fußballlegende Gary Lineker. Foto: rtr

Die Liberaldemokraten fordern es seit Langem, in den vergangenen Wochen sind prominente Hinterbänkler von Labour und den Konservativen hinzugekommen: Am Ende der Brexit-Verhandlungen mit der EU, so argumentieren sie, müssten die Briten Gelegenheit dazu haben, erneut über ihre Zukunft zu entscheiden. Stimmt die letztlich getroffene Vereinbarung mit Brüssel überein mit den Hoffnungen, die im Juni 2016 zum Austrittsvotum führten? Oder wäre es doch besser, reumütig Mitglied im Brüsseler Club zu bleiben?

Lineker fordert zweite Brexit-Abstimmung

Jetzt hat das zweite Referendum einen mächtigen Fürsprecher außerhalb der Parteipolitik gefunden. Aufgeschreckt von den neuerdings häufig vorgetragenen Drohungen der Regierung unter Premier Theresa May, notfalls werde Großbritannien im März 2019 die EU ohne jeden Vertrag („no deal“) verlassen, fordert nun Fußball-Idol Gary Lineker eine zweite Abstimmung.

„Wir erwägen nicht wirklich, ernstlich, tatsächlich einen No-Deal-Brexit, oder? Es muss doch Grenzen unserer Selbstverstümmelung geben“, schrieb der 57-Jährige seinem mehr als sieben Millionen Menschen umfassenden Twitter-Publikum. Er schließe sich der Forderung nach einem „Votum des Volkes“ (people’s vote) an.

Wie populär der einstige Mittelstürmer der Nationalelf, Torschützenkönig der WM 1986 und BBC-Anchorman der Fußball-Sendung „Match of the Day“ ist, ließ sich an den wütenden Reaktionen der Brexiteers ablesen. „Bleib beim Fußball“, ätzte das rechte Magazin Spectator, „davon verstehst Du deutlich mehr als von Demokratie.“ Auf Twitter wurde eine Mitteilung Linekers vom vergangenen Sommer herumgereicht, in der er einem zweiten Referendum noch eine Absage erteilt hatte.

Ja, er habe seine Meinung geändert, teilte der Fernsehmann daraufhin mit: „Mir war damals nicht klar, dass wir ernsthaft das Gemetzel eines No-Deal-Brexit erwägen würden.“

Mehrheit für zweite Brexit-Abstimmung

Tatsächlich scheint den Briten, sofern sie nicht längst in den Urlaub verschwunden sind, langsam zu dämmern, welche Folgen der von Brexit-Ultras propagierte Chaos-Austritt hätte. Der neue Brexit-Minister Dominic Raab stellte der siebtgrößten Industrienation der Welt für den Fall der Fälle „ausreichend Nahrungsmittel“ in Aussicht, während Supermarkt-Chefs erhebliche Preissteigerungen ankündigten. Führende Industrieunternehmen wie Rolls-Royce und GlaxoSmithKline wollen Vorratshaltung einführen, um mögliche Engpässe durch verstopfte Häfen auszugleichen.

In einer Umfrage der Firma YouGov für die „Times“ sprach sich jetzt erstmals in diesem Jahr eine Mehrheit für die zweite Abstimmung aus. Eine entsprechende Online-Petition der Internet-Zeitung „Independent“ wurde binnen 24 Stunden 240.000 Mal befürwortet. Nach ihrem möglichen Abstimmungsverhalten gefragt, zeigen die Briten bisher allerdings nur unwesentliche Abweichungen vom zwei Jahre zurückliegenden Ergebnis.

Der öffentlich-rechtliche Sender BBC lässt seinen Fußball-Promi einstweilen gewähren, schließlich äußere sich Lineker nur privat zu kontroversen Themen. Sollte es tatsächlich zum zweiten Referendum kommen, müsste sich der geschiedene Vater von vier erwachsenen Söhnen aber wohl entscheiden, ob er beim Kommentieren seines Lieblingssports bleibt oder in die politische Bütt steigt.

Für die vor zwei Jahren viel zu verkopft auftretende Pro-Europa-Kampagne wäre ein glaubwürdiger Politik-Außenseiter jedenfalls ein enormer Zugewinn.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Großbritannien

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