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Breitscheidplatz in Berlin Die goldene Narbe am Breitscheidplatz

2. UpdateBerlin begeht den ersten Jahrestag des Weihnachtsmarkt-Anschlags – und die Regierung geht hart mit sich ins Gericht. Die Identitären stören das Gedenken mit einer Aktion.

Berlin
Der stilisierte Riss aus Bronze erinnert an die Menschen, die im Dezember 2016 Opfer des Anschlags wurden. Foto: afp

Mitten im Weihnachtstrubel hält Berlin den Atem an. Einen Tag widmet die Stadt mit gleich mehreren Veranstaltungen dem Gedenken zum ersten Jahrestag des Anschlags auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Der Anschlagsort südöstlich des Tiergartens ist am Dienstagvormittag weiträumig abgesperrt, die Buden auf dem Markt sind geschlossen. Es ist ein Ort der Stille. Berlin trauert an diesem Tag. Hunderte weiße Rosen liegen vor der Gedächtniskirche, ihr im Zweiten Weltkrieg zerstörter Turm ragt als altes und neues Mahnmal zugleich in den grau verhangenen Himmel.

Der Vormittag gehört den Opfern, den Toten wie den Verletzten, den vielen Helfern. Am 19. Dezember, vor einem Jahr, um 20.02 Uhr, fuhr der Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen, den er zuvor geraubt hatte, in den Weihnachtsmarkt hinein. Den Fahrer hatte Amri – ein abgelehnter Asylbewerber aus Tunesien, der den deutschen Behörden seit langem bekannt war – erschossen. Zwölf Menschen aus sechs Nationen starben, fast 100 wurden verletzt. Dies war der bislang schwerste islamistisch motivierte Anschlag in Deutschland. Amri konnte nach Italien fliehen, wo er wenige Tage später in einem Vorort von Mailand von der Polizei bei einem Schusswechsel getötet wurde.

Der Jahrestag beginnt unter Ausschluss der Öffentlichkeit: In der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wird eine interreligiöse Andacht gehalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sind gekommen. Der evangelische Landesbischof Markus Dröge spricht vom Schrecken, den der Anschlag verbreitet hat, bei Angehörigen, aber auch bei Menschen, die gar nicht bei der Tat dabei waren.

„Die Erfahrungen des 19. Dezember 2016 werden uns weiter durch das Leben begleiten. Sie werden eingeschrieben bleiben in die Geschichte unserer Stadt Berlin“, sagt Bischof Dröge. Steinmeier räumt Versäumnisse von Staat und Gesellschaft im Umgang mit den Opfern ein. Manche Unterstützung für die Angehörigen und für die Verletzten sei spät gekommen und unbefriedigend geblieben, sagt der Bundespräsident. „Viele Hinterbliebene und Verletzte – viele von Ihnen – haben sich nach dem Anschlag vom Staat im Stich gelassen gefühlt.“ Es ist eine sehr persönliche Rede Steinmeiers, er reagiert damit auch auf die Kritik, die in den letzten Wochen laut wurde.

Opfer und Hinterbliebene hatten einen offenen Brief an die Kanzlerin geschrieben, warfen ihr darin Versagen vor und kritisierten, dass sie ihnen nicht persönlich kondoliert habe. Am Montag dann traf Merkel etwa 80 Opfer und Hinterbliebene im Kanzleramt. Schonungslos sei das Gespräch gewesen, sagt Merkel am Tag danach, es habe gezeigt, welche Schwächen der Staat in dieser Situation offenbart habe. „Für mich heißt das, daran zu arbeiten“, sagt Merkel, sie ist sichtlich bewegt. Sie werde die Angehörigen und Verletzten in einigen Monaten noch einmal treffen und ihnen sagen, was in Zukunft anders gemacht werden soll. „Heute ist ein Tag der Trauer, aber auch ein Tag, das, was nicht gut gelaufen ist, besser zu machen“, so Merkel.

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