Lade Inhalte...

Breitbart-News-Redakteur Die fleischgewordene Legitimation

Der Blogger Milo Yiannopoulos funktionierte gut in Trumps Medienmaschinerie – bis er Pädophilie rechtfertigte.

Milo Yiannopoulos
Rechtsextremer mit Trump-Krawatte und treuherzigem Blick: Milo Yiannopoulos. Foto: Lucas Jackson/rtr

Milo Yiannopoulos gab sich staatstragend, als er am Dienstag in New York vor Journalisten trat: Der konservative Blogger, der sonst gerne schrille Outfits mag, trug einen dunkelblauen Anzug, eine Hornbrille und eine rote Krawatte – ein unverhohlenes Zitat seines Idols Donald Trump.

Anlass seiner Pressekonferenz war sein Rücktritt als Redakteur des Alt-Right-Nachrichtenportals Breitbart News – gegründet von Trump-Berater Steve Bannon. Nun würde eine solche Resignation gewöhnlich keine national ausgestrahlte Pressekonferenz rechtfertigen – nicht einmal beim Chefredakteur der „New York Times“. Doch Yiannopoulos hat sich in den Monaten zu einem Popstar entwickelt. Die scheinbaren Widersprüche von Yiannopoulos – seine offene Homosexualität, seine Schlagfertigkeit und Klugheit und sein gleichzeitiger Drang, linksliberale Tabus zu brechen – haben Amerika fasziniert. Doch jetzt hat Yiannopoulos eine Grenze überschritten, die selbst für die rechtspopulistischen Rebellen gegen elitären urbanen Anstand zu weit ging.

Am Montag tauchte eine Tonaufnahme aus einem Interview mit Yiannopoulos auf, in dem er unmissverständlich Sex mit Minderjährigen rechtfertigte und sogar als positive sexuelle Sozialisation für die Betroffenen anpries. Yiannopoulos’ Attacken auf Feministinnen und Frauen im Allgemeinen, seine Behauptungen, dass Transsexualität eine psychische Störung sei, sein Plädoyer für traditionelle Geschlechterrollen und seine Angriffe sogar auf Homosexuelle als Gruppe – all das war akzeptabel.

Doch bei Kindesmissbrauch war sogar bei der Rechten Trump’scher Prägung Schluss, die gerne mal eine Grenze überschreitet. So verlor Yiannopoulos nicht nur seinen Job bei Breitbart, sondern auch seinen großzügigen Buchvertrag mit dem renommierten Verlag Simon and Schuster. Man distanziert sich nun allerorten von dem unterhaltsamen Mediendarling, der erst kürzlich den Sprung in die etablierten TV-Talkshows geschafft hatte.

Doch Yiannopoulos, der sich an der Speerspitze einer Bewegung wähnt, gelobte nach einer kurzen Geste der Zerknirschtheit, dass dies erst der Anfang sei: „Ich habe Millionen von Anhängern weltweit und werde noch viele Jahrzehnte lang die Menschen aufrütteln.“ Der Behauptung, dass Yiannopoulos tatsächlich Anführer einer „Bewegung“ ist, darf Skepsis entgegengebracht werden. Fest steht allerdings, dass er einen Nerv getroffen hat. Seine Nische entdeckte der griechischstämmige Brite, während er nach Abbruch seines Elitestudiums in Cambridge über Technologie berichtete.

In einer Debatte um Political Correctness im Video-Spiel-Sektor stellte er sich gegen die „Feministinnen“ in den Vorstandsetagen der Spiele-Produzenten, die vermeintlich die Spiele langweilig machten, indem sie versuchten, negative Stereotypen zu vermeiden. Mit seinem Wortwitz und seinem absoluten Willen zu brüskieren, fand Yiannopoulos im Internet rasch eine Anhängerschaft.

Seine Fangemeinde weitete sich auf die Universitäten der USA aus, wo eine schweigende Minderheit von einer überdrehten Kultur der sprachlichen Sensibilität frustriert war.

Yiannopoulos machte sich über „Schutzräume“ und „Hate-Speech“ lustig, er bezeichnete die „Vergewaltigungskultur“ auf den Campi als eine Lüge. Das trug ihm Einladungen konservativer Studentengruppen im ganzen Land ein. Seine Auftritte eskalierten zunehmend zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Studentengruppen. Zuletzt musste in Berkeley, einer traditionell linken Schule in Kalifornien, die Polizei einschreiten, nachdem Anarchisten Steine schmissen und Autos in Brand setzten. Yiannopoulos legte nach: Universitäten wie Berkeley, propagierte er, solle die staatliche Förderung entzogen werden, weil sie die Redefreiheit einschränkten. Zum Glück, fügte er an, habe Trump das ohnehin schon geplant.

Die Trump-freundlichen Medien liebten ihn für solche Äußerungen. Yiannopoulos widerspricht dem Klischee des ungebildeten, dummen, weißen Trump-Wählers, der seine rassistischen, sexistischen und homophoben Überzeugungen legitimiert sieht.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen