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Brasilien WM 2014 WM als Anlass für Proteste

Wieder protestieren Brasilianer gegen die hohen Kosten der WM-Stadien. Viele Demonstrationen verlaufen friedlich, doch in São Paulo kommt es zu einer Straßenschlacht.

In São Paulo liefern sich die Demonstranten eine Straßenschlacht mit der Polizei. Foto: REUTERS

Vier Wochen vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft haben Tausende von Menschen in zahlreichen Städten Brasiliens demonstriert. In São Paulo kam es zu einer Straßenschlacht zwischen Gewalttätern und der Polizei; dabei wurde ein Autohaus verwüstet. Die meisten Proteste, die sich gegen die hohen Kosten der WM-Stadien richten, verliefen jedoch friedlich.

Die Zahl der Demonstranten war geringer als die bei den Protesten vor knapp einem Jahr, als eine Million Brasilianer auf die Straße gingen. Die Schätzungen liegen nun bei weniger als 20.000 Demonstranten. Die Proteste gegen die WM vermischten sich zudem mit sozialen Forderungen, die nicht direkt mit der WM zusammenhängen. In São Paulo blockierten 6000 Angehörige der Obdachlosen-Bewegung die Stadtautobahnen an fünf Punkten. Auch in der Nähe des neuen Stadions, in dem am 12. Juni das Eröffnungsspiel ausgetragen wird, kam es zu Kundgebungen. Unabhängig davon zogen 1200 Anti-WM-Demonstranten durch die Innenstadt; dabei kam es zu der Straßenschlacht.

In Rio de Janeiro nahmen etwa 1300 Menschen an der Demonstration teil. In Brasília besetzten Mitglieder der Obdachlosenbewegung die der Landesregierung gehörende Immobilien-Firma. Aus 18 Städten wurden Proteste gemeldet.

Dass die Demonstrationswelle nicht mehr die Macht der Proteste vom Juni 2013 hat, löste bei der Regierung Erleichterung aus. Sportminister Aldo Rebelo sagte, Grund der Proteste seien „spezifische Forderungen der Arbeiterschaft“, die nichts mit der WM zu tun hätten. Das sei kein Grund zu Panik, wenn drei Millionen brasilianische und 600 000 ausländische Touristen wegen des Fußballs im Land herumreisen.

Auf der anderen Seite können Streiks und Demonstrationen, selbst wenn sie eine andere Größenordnung und andere Beweggründe haben als 2013, weiterhin die Sicherheit ebenso wie das Image Brasiliens als Austragungsland beeinträchtigen.

Nicht nur die Größe, auch der Charakter der Protestbewegung ist neu. Im Vorjahr waren kaum Leitungs- oder gar Führungsstrukturen auszumachen; der Protest formierte sich spontan mit Hilfe des Internets. Diesmal zeigten kleinere Linksparteien, deren Fahnen letztes Jahr ausdrücklich unerwünscht waren, starke Präsenz. Auch die Land- und Obdachlosenbewegung spielt eine wichtige Rolle. Aber sie vermeidet laute Kritik an der Regierung, weil sie für ihre Anhänger Zugang zum staatlichen Wohnungsbauprogramm erstreiten will. Ferner nützen Gewerkschaften das Vor-WM-Klima für ihre Forderungen. Zudem stehen am 5. Oktober Wahlen an.

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