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Brasilien Messerattacke im Wahlkampf

Der ultrarechte Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro wurde bei einem Messerangriff schwer verletzt.

Jair Bolsonaro
Jair Bolsonaro ist der Favorit bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien. Foto: dpa

Ein Attentat auf den führenden Kandidaten Jair Bolsonaro im Präsidentschaftswahlkampf löst in Brasilien Entsetzen aus. Der ultra-rechte Politiker wurde am Donnerstag in der Stadt Juiz de Fora, rund 200 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro bei einem Wahlkampfauftritt von einem Mann mit einem Messer schwer verletzt. 

Der Anschlag ist ohne Beispiel in der Geschichte der brasilianischen Demokratie. Politiker aller Lager verurteilten die Tat. Der scheidende Präsident Michel Temer sagte in der Hauptstadt Brasilia: „Ein solcher Anschlag kann in einer Demokratie nicht hingenommen werden.“

Experten gehen davon aus, dass nach dem  Attentat die Umfragewerte für Bolsonaro weiter steigen werden. Bis vor kurzem war er nur wenigen Brasilianern ein Begriff. Seit ein Gericht die Kandidatur des inhaftierten Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva untersagt hat, ist er der Favorit bei der Wahl am 7. Oktober, Bolsonaro (63) liegt mit Verletzungen an inneren Organen im Krankenhaus. Nach einer Notoperation schwebt er laut den Ärzten nicht mehr in Lebensgefahr, wird aber bis zu zehn Tage in der Klinik bleiben müssen. Der mutmaßliche Täter, der nach Medienberichten ein ehemaliger Kommunist ist, wurde festgenommen. In einer ersten Einlassung soll er gesagt haben: „Gott hat mir die Tat befohlen.“ 

Hetze gegen Schwarze, Schwule und Linke

Der Kongressabgeordnete und ehemalige Fallschirmjäger Bolsonaro ist höchst umstritten. Er verherrlicht die brasilianische Militärdiktatur (1964-1985) und hetzt gegen Schwarze, Schwule und Linke. Bolsonaro ist gegen Abtreibung, für eine harte Hand im Kampf gegen Kriminalität und für eine Lockerung der Waffengesetze. Gegen die Gewalt in den Favelas empfiehlt er, die Bevölkerung zu bewaffnen. Solche Ansichten haben ihm den Beinamen „Trump Brasiliens“ eingetragen. 

Brasilien steckt seit Jahren in einer tiefen politischen Krise, die mit einem wachsenden Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Demokratie einhergeht. Hunderte Politiker und Minister sind in Korruptionsverfahren verwickelt, Dutzende sitzen im Gefängnis. 

Der Wahlausgang sei daher so unsicher wie nie zuvor, sagt Thomas Manz, Repräsentant der Friedrich-Ebert-Stiftung in Brasilien. Die zunehmende Politikverdrossenheit habe eine starke „Antiestablishment“-Stimmung geschaffen. Bolsonaro präsentiere sich wie sein Vorbild Trump als Gegenmodell zur traditionellen „verdorbenen“ Politik. „Getreu seinem zweiten Vornamen Messias sieht er sich als Retter der brasilianischen Nation.“ 

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