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Brandanschläge in Berlin Bürger sollen Brandstifter stellen

Nach einer weiteren Brandnacht in der Hauptstadt hat der Berliner Senat die Bürger der Stadt aufgefordert, bei der Ergreifung von Auto-Brandstiftern zu helfen. Knapp fünf Wochen vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl droht die Brandserie nun auch zum Wahlkampfthema zu werden.

17.08.2011 18:13
Anne Vorbringer und Ralph Kotsch
Ausgebrannte Autos in Berlin. Foto: dapd

Nach einer weiteren Berliner Brandnacht hat der Senat die Einwohner aufgerufen, bei der Ergreifung von Auto-Brandstiftern zu helfen. „Ich appelliere an alle Berlinerinnen und Berliner, verdächtige Beobachtungen umgehend der Polizei zu melden, um die Möglichkeiten zum Einschreiten zu verbessern“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Mittwoch. Die Wachsamkeit der Bevölkerung sei gefragt, weil die Polizei in einer Metropole wie Berlin nie überall gleichzeitig präsent sein könne, sagte der Regierungschef. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Brandstifter führen, hatten die Behörden eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt. Der CDU-Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf erhöhte die Summe um weitere 2000 Euro.

In der Nacht zum Mittwoch wurden erneut 15 Fahrzeuge von Unbekannten in Brand gesteckt, darunter viele Luxuswagen. Schon in der Nacht davor gingen 17 Wagen in Flammen auf. Die Polizei spricht angesichts Ausmaßes der Brandserie von einer neuen Situation. Betroffen ist vor allem der bürgerliche Stadtbezirk Charlottenburg. Es brannte aber auch in Friedrichshain, Spandau und Moabit. Seit Jahresbeginn registrierte die Polizei in der Hauptstadt 135 derartige Anschläge.

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) bezeichnete die Taten im Interview mit der Berliner Zeitung als „feige“ und „heimtückisch“. Auch er forderte die Berliner, auf, sich mit jedem Hinweis an die Polizei zu wenden. Es sei schwierig, die Brandstifter zu fassen und zu verurteilen, weil die Taten nachts geschähen und es kaum Zeugen gäbe.

Ein Polizeisprecher forderte, wer einen Brandstifter bemerke, solle zunächst die Polizei alarmieren und sich nicht nur äußere Merkmale wie Kleidung oder Größe merken, sondern auch die Laufrichtung des Täters. Wer ein Handy habe, könne auch ein Foto machen.

Körting gestand ein, dass die Behörden noch immer nichts oder nur sehr wenig über die Brandstifter wüssten. Es gebe Anhaltspunkte, dass die derzeitige Serie nicht politisch motiviert sei. In Frage kämen untere anderen Nachahmungstäter und Versicherungsbetrüger. „Ich glaube nicht, dass es eine Frage von Arm oder Reich ist“, sagte der Innensenator.

Knapp fünf Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl am 18. September droht die Brandserie auch zum Wahlkampfthema zu werden. Den Vorschlag der Berliner CDU, wegen der Brandanschläge eine Sonderkommission einzurichten, lehnte Körting ab. „Das Landeskriminalamt hat eine eigene Abteilung, die sich mit Brandanschlägen befasst. Sie wurde jetzt um 30 Mitarbeiter aufgestockt. In den vergangenen Tagen wurden zudem die Brandstreifen von Polizisten verstärkt.“

Nach Angaben der Polizei sind jede Nacht 100 bis 160 Beamte in Zivil und Uniform unterwegs. Wo der Schwerpunkt der Streifen liegt, wollte der Sprecher aus taktischen Gründen nicht sagen. Es sei aber bei 1,2 Millionen zugelassenen Fahrzeugen und mehreren tausend Kilometern Straßennetz in Berlin unmöglich, „an jeder Ecke einen Polizisten parat zu haben.“

Die Autoversicherer sehen in der Berliner Brandserie noch keinen Anlass für Prämienerhöhungen. Ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sagte, bei bundesweit rund 15000 Autobränden jährlich sei die Zahl der Berliner Fälle vergleichsweise gering. Ein Sprecher des Versicherers HUK-Coburg nannte die Brandstiftungen angesichts von über einer Million Schadensfällen pro Jahr spektakuläre Einzelfälle.

Feuerschäden sind durch Teil- und Vollkaskoversicherungen angedeckt. Normalerweise wird der Wiederbeschaffungswert bezahlt, bei einigen Versicherungen in den ersten drei Jahren auch der Neupreis.

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