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BKA Terror-Drohungen gegen Kopten in Deutschland

Tausende in Deutschland und Österreich lebende christlich-orthodoxen Kopten sind in das Visier von Islamisten geraten. Das BKA hat Attentatsdrohungen auf einer radikal-islamistischen Internet-Seite entdeckt.

03.01.2011 15:45
Vater Pigol Bassili von der koptischen Gemeinde in Frankfurt - auch seine Gemeinde wurde über die Drohungen unterrichtet. Foto: dpa

Tausende in Deutschland und Österreich lebende christlich-orthodoxen Kopten sind in das Visier von Islamisten geraten. Das BKA hat Attentatsdrohungen auf einer radikal-islamistischen Internet-Seite entdeckt.

Drei Tage nach dem verheerenden Anschlag auf eine koptische Gemeinde im ägyptischen Alexandria wurde am Montag bekannt, dass auch Mitglieder der Glaubensgemeinschaft hierzulande vor Attentaten gewarnt wurden. Ein Sprecher des Bundeskriminalamtes (BKA) sagte, auf einer radikal-islamistischen Internet-Seite seien Drohungen gegen die Kopten in Deutschland entdeckt worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak auf, für die Sicherheit der koptischen Minderheit in dem muslimischen Land zu sorgen.

Nach Angaben des BKA-Sprechers wurde die Polizei in den Ländern am Heiligabend über die Drohungen im Internet informiert. Diese setzte sich ihrerseits mit den koptischen Gemeinden in Verbindung, deren Mitglieder vielfach aus Ägypten stammen. Daraufhin wandte sich der koptische Bischof Anba Damian schriftlich an das Bundesinnenministerium. In Regierungskreisen hieß es, in dem Brief habe er von Warnungen an vier Gemeinden berichtet. In Frankfurt, München, Bitburg und Hannover habe die Polizei Priester über Anschlagsdrohungen bei den orthodoxen Weihnachtsgottesdiensten in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar informiert.

Nach dem Selbstmordanschlag in Alexandria in der Nacht zu Neujahr werde nun eine neue Gefahrenanalyse für Deutschland erstellt, sagte der BKA-Sprecher. Die Ergebnisse würden den Länderpolizeien übermittelt. Diese müssten dann auch über Maßnahmen wie etwa eine besondere Absicherung der orthodoxen Kirchen entscheiden. Bei dem Attentat mit einer Autobombe wurden mindestens 21 Menschen getötet und fast 100 verletzt.

Auch Österreichs Kopten stehen nach Angaben des Innenministeriums seit einigen Tagen unter besonderem Schutz. Hintergrund sei nicht der Anschlag gegen Gläubige in Ägypten, sondern eine veröffentlichte islamistische Todesliste, sagte der Sprecher des österreichischen Innenministeriums, Rudolf Gollia, am Montag. Welche Maßnahmen genau ergriffen wurden, wollte Gollia nicht sagen. Auf Islamistenseiten im Internet waren zuvor Drohungen aufgetaucht, die sich auch gegen Kopten außerhalb von Ägypten richteten. Auf einer Liste der Terrororganisation „Islamischer Staat Irak“, die in Verbindung mit Al-Kaida gebracht wird, wurden 15 in Österreich lebende Kopten genannte. Die Organisation sei bekannt und der österreichische Verfassungsschutz habe vor Weihnachten mit den Ermittlungen begonnen, sagte Gollia. Insgesamt listeten die Terroristen 150 Kopten aus verschiedenen Ländern auf.

Demonstranten werfen Regierung Feigheit vor

Merkel sandte dem ägyptischen Staatsoberhaupt ein Kondolenzschreiben, in dem sie Entsetzen und Abscheu über den Anschlag ausdrückte. „Ich danke Ihnen, dass Ihre Regierung bereits Maßnahmen zum Schutz der koptischen Christen in Ägypten ergriffen hat und bin überzeugt, dass Sie alles in Ihrer Macht stehende tun werden, um derartige Vorfälle in der Zukunft zu verhindern“, erklärte die Kanzlerin.

In Ägypten lieferten sich aufgebrachte Kopten am Sonntag Auseinandersetzungen mit der Polizei. Vor der Sankt-Markus-Kathedrale in Kairo verlangten mehrere hundert Demonstranten mehr Schutz für die Christen und warfen der Regierung Feigheit vor. Im November hatte Al Kaida mit Anschlägen auf koptische Kirchen in Ägypten gedroht und Muslime zu Gewalttaten angehalten. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes erklärte Ägyptens Außenminister Abul Gheit, der Anschlag auf die Kopten sei ein Anschlag auf das gesamte ägyptische Volk.

Das Entwicklungshilfeministerium wies in Berlin Vorstöße zurück, die Bewilligung von Hilfsmitteln an die Bedingung zu knüpfen, Christen dürften nicht verfolgt werden. Unionsfraktionschef Volker Kauder hatte zuvor im Deutschlandfunk gefordert, Deutschland müsse mehr Druck auf Ägypten ausüben. Es müsse auch über die Entwicklungshilfe diskutiert werden. Auch der parlamentarische Geschäftsführer der grünen Bundestagsfraktion, Volker Beck, erklärte in der „Frankfurter Rundschau“, die Bundesregierung habe ihre Möglichkeiten zur Einflussnahme noch nicht ausgeschöpft. (rtr)

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