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Bischof Williamson Holocaust-Leugnung bleibt öffentlich

Von den Pius-Brüdern degradiert, vor Gericht gescheitert: Der vom Papst rehabilitierte ultrakonservative Bischof Williamson hat vergeblich versucht, die Verbreitung seiner Holocaust-Leugnung einzuschränken.

09.02.2009 09:02
Der umstrittene Bischof der Pius-Bruderschaft, der Holocaust-Leugner Richard Williamson. Foto: ap

Nürnberg. Bischof Richard Williamson ist mit dem Versuch gescheitert, die Verbreitung des Interviews mit seiner Holocaust-Leugnung einzuschränken. Der Bischof der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft habe eine einstweilige Verfügung beantragt, die dem Sender Sveriges Television AB verbieten sollte, das Interview außerhalb Schwedens auszustrahlen und es auf seiner Homepage zu zeigen, erklärte das Landgericht Nürnberg-Fürth am Montag. Dieser Antrag sei aber abgelehnt worden.

Williamson habe sich darauf berufen, dass er vor dem Interview nicht darauf hingewiesen worden sei, dass das Interview auch außerhalb Schwedens zugänglich sein werde. Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht. Es entschied, dass eine Verwendung auf der Homepage und Ausstrahlung über Satellit üblich und erlaubt seien, sofern sie nicht vorher ausdrücklich ausgeschlossen worden seien.

Der in Argentinien lebende Williamson hatte am 1. November in der Nähe von Regensburg in einem Interview mit dem Sender den Holocaust geleugnet. Dass der exkommunizierte Geistliche jüngst vom Papst wieder in die katholische Kirche aufgenommen wurde, führte zu einem Aufschrei der Empörung und massiver Kritik an Benedikt XVI. Die Entscheidung des Gerichts ist noch nicht rechtskräftig.

Frido Mann übt harsche Kritik am Papst

Der Schriftsteller Frido Mann ist aus der katholischen Kirche ausgetreten. Der Enkel des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann begründete seinen Schritt mit der Aufhebung der Exkommunikation Williamsons durch Papst Benedikt XVI. "Es käme einer Selbstlüge und einer Heuchelei gleich, würde ich weiterhin einer Kirche mit einem so zynisch menschenverachtend handelnden Oberhaupt angehören", hieß es am Montag in einer Mitteilung Frido Manns.

"Diese Rehabilitation von notorischen Antisemiten empfinde ich als eine Kriegserklärung ausgerechnet eines deutschen Stellvertreters Christi an das Judentum und als eine Verhöhnung des unsaglichen Leidens dieses Volkes." Auch dem Verlag Rowohlt, bei dem seine Biografie "Achterbahn" erschienen ist, teilte er diese Entscheidung mit.

Die römisch-katholische Kirche ist in Manns Augen "seit dem unseligen Pontifikat Johannes Pauls II." zu einem "alterschwach verknöcherten Potemkinschen Macht- und Überwachungszentrum erstarrt". Schon in dieser Zeit habe er sich von der Kirche distanziert. "Die Wahl Ratzingers als dessen Nachfolger und dessen mindestens so unglaubwürdiger Führungsstil drängte mich immer tiefer in die innere Emigration trotz bleibender äußerer Zugehörigkeit", schrieb er. "Dies änderte sich jedoch schlagartig in der vergangenen Woche, als Benedikt XVI. die Exkommunikation vier römisch-katholischer Bischöfe aufhob, von denen zwei sich wiederholt mit der Leugnung des Holocaust an 6 Millionen Juden hervorgetan hatten."

Inzwischen mehren sich die Anzeichen für eine Austrittswelle empörter deutscher Katholiken. "Spiegel"-online verwies auf Angaben von Standesämtern und Amtsgerichten in deutschen Städten über sprunghaft gestiegene Austritte. Unterdessen mehrten sich Stimmen innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche, die einen Ausschluss von Williamson forderten.

Pius-Brüder degradieren Williamson

Richard Williamson ist nach Informationen der argentinischen Nachrichtenagentur DyN von seinem Posten als Leiter eines Priesterseminars in der Nähe der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires entbunden worden. Dies habe der Leiter der Pius-Bruderschaft für Lateinamerika, Christian Bouchacourt, angeordnet, berichtete DyN am Sonntag (Ortszeit) weiter unter Berufung auf ein Fax der Bruderschaft. Eine offizielle Bestätigung für die Absetzung von Williamson gab es zunächst nicht.

Williamson leitet seit 2003 das Priesterseminar in dem Ort La Reja westlich von Buenos Aires. Dort war er während der Messe am Sonntag wie schon in den Tagen zuvor weder zu sehen noch zu sprechen. Andere Priester verweigerten jede Aussage zu seinem Aufenthalt und jeden Kommentar zu Williamsons Leugnung der Ermordung von sechs Millionen Juden während der Nazi-Diktatur. Dies sei dessen "Privatsache", hieß es gleichlautend. Ein Gläubiger verglich Williamson gar mit dem italienischen Wissenschaftler Galileo Galilei, der vom Vatikan gezwungen worden war, zu widerrufen, dass die Erde eine Kugel sei und sich um die Sonne drehe.

Den von Papst Benedikt XVI. geforderten Widerruf der Leugnung des Holocaust durch Williamson lehnte der 68-Jährige vorerst ab. "Er sei weder tot, noch liege er im Sterben oder sei in den Ruhestand getreten", schrieb er in seinem Internetblog Dinoscopus über sich selbst in dritter Person.

Williamson begründete in einem schriftlich geführten "Spiegel"- Interview seine Verweigerung des vom Papst geforderten Widerrufs damit, er wolle zunächst die historischen Beweise für millionenfachen Mord an den Juden prüfen. "Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen", sagte Williamson. Er war vor kurzem mit drei anderen exkommunizierten Bischöfen der erzkonservativen Piusbruderschaft durch den Papst wieder in die Kirche aufgenommen worden. Nach Darstellung des Vatikans hat der Pontifex von der Holocaust-Leugnung Williamsons nichts gewusst.

In einem TV-Interview hatte der Brite gesagt, historische Fakten sprächen gegen die Existenz von Gaskammern. Es seien nicht sechs Millionen Juden von den Nazis ermordet worden, sondern 200.000 bis 300.000 - aber keiner von ihnen in Gaskammern. (dpa/ap)

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