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Bischöfe wettern gegen Reformpläne Spanier streiten über Abtreibung

Madrid. Die katholische Kirche wettert gegen die geplante Abtreibungsreform in Spanien: Der Schwangerschaftsabbruch, so die Bischöfe, sei das "größte

19.03.2009 00:03
RALPH SCHULZE

Madrid. Die katholische Kirche wettert gegen die geplante Abtreibungsreform in Spanien: Der Schwangerschaftsabbruch, so die Bischöfe, sei das "größte Attentat, das man begehen kann". Sie werfen dem sozialdemokratischen Premier José Luis Zapatero vor, Tiere und Pflanzen mehr zu schützen als das menschliche Leben.

Diese Botschaft predigen die Oberhirten nicht nur in den Kirchen. Mit riesigen Plakatwänden tragen sie ihren Kampf auf die Straßen: Auf den Werbetafeln starrt ein Luchs, der auf der Liste der aussterbenden Tiere steht, den Menschen entgegen. Über dem Tier prangt die Aufschrift "geschützt". Daneben lächelt ein Menschenbaby den Betrachter an und sagt: "Und ich...? Schützt mein Leben!"

Die geplante Reform sieht eine großzügige Fristenregelung vor. Danach sollen die Spanierinnen künftig in den ersten 14 Schwangerschaftswochen ohne Angabe von Gründen abtreiben dürfen. Auch Mädchen über 16 sollen allein über einen Abbruch entscheiden können. Bei schweren Gefahren für die Mutter oder Fehlbildung des Fötus werden Abtreibungen bis zur 22. Woche möglich sein.

"Wir wollen nicht noch mehr unerwünschte Schwangerschaften", sagte Frauenministerin Bibiana Aido (32) zur geplanten Lockerung des Abtreibungsrechts. "Das neue Gesetz wird sicherer sein, und es wird die Frauen und auch das Ungeborene besser schützen." Die konservative oppositionelle Volkspartei hält dagegen, mit der Reform werde jungen Menschen die Abtreibung als "Mittel der Empfängnisverhütung" nahegebracht.

Auch bisher waren Abbrüche in Spanien schon ohne größere Probleme möglich. Ein Arzt musste seine Zustimmung geben. Bei "Gefahr für die physische oder psychische Gesundheit", mit der 97 Prozent aller Abbrüche begründet wurden, gab es nicht einmal eine Frist, so dass bis zum sechsten Schwangerschaftsmonat abgetrieben wurde. 2008 Jahr ermittelte deswegen der Staatsanwalt gegen mehrere Abtreibungskliniken.

Die Zahl der Abtreibungen steigt hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Mit mehr als 110 000 Abbrüchen liegt Spanien auf gleicher Höhe wie Deutschland, wo doppelt so viele Menschen leben. Daraus lässt sich ablesen, dass sich die Spanier - die meisten sind katholisch - von Bischöfen immer weniger in ihr Privatleben hineinreden lassen.

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