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Bin Ladens Witwe Kronzeugin bleibt für die USA tabu

Pakistan verhört die verletzte Witwe Bin Ladens, die eine ganz andere Geschichte als Washington erzählt. Die USA bedauern längst, dass sie die Frau zurücklassen mussten, weil in ihrem Hubschrauber kein Platz mehr war.

Amal Ahmed Abdul Fatah, Osama bin Ladens fünfte und jüngste Ehefrau. Foto: dpa

Pakistan verhört die verletzte Witwe Bin Ladens, die eine ganz andere Geschichte als Washington erzählt. Die USA bedauern längst, dass sie die Frau zurücklassen mussten, weil in ihrem Hubschrauber kein Platz mehr war.

Das Passfoto zeigt eine blasse, junge Frau mit vollen Lippen. Das Gesicht ist von einem schwarzen Umhang eingerahmt. Amal Ahmed Abdul Fatah trägt weder Lippenstift noch Make-up. Gerade mal 18 Jahre alt war das Mädchen aus dem Jemen, als sie im Jahr 2000 im südafghanischen Kandahar Osama bin Laden heiratete. „Schüchtern und demütig“, beschreibt eine Bekannte von damals das junge Mädchen. In der Nacht zum 2. Mai soll sich die Frau mit wilder Entschlossenheit und waffenlos auf die Navy Seals gestürzt haben, die ihren Ehemann erschossen.

Nun liegt die junge Frau mit ihrer zwölfjährigen Tochter Safiyah in einem Militärhospital in der pakistanischen Garnisonsstadt Rawalpindi. Das Mädchen erlitt einen Schock, als sie sah, wie ihr Vater erschossen wurde. Sie ist ruhiggestellt, soll aber vernehmungsunfähig sein. Die Witwe wird wegen einer Schusswunde im Bein behandelt.

Die USA bedauern längst, dass sie die Frau zurücklassen mussten, weil einer ihrer Hubschrauber notlanden musste und kein Platz mehr für die Personen war, die die Aktion überlebt hatten. Die Witwe erzählt nach pakistanischen Angaben eine Geschichte, die ziemlich anders klingt als die Informationen aus Washington.

Laut ihren pakistanischen Vernehmern behauptet Amal, Bin Laden sei mit seiner Familie im zweiten und dritten Stock des Anwesens von Abbottabad weitgehend isoliert gewesen und habe an Geldmangel gelitten, während seine Kämpfer längst über die Ideen und Vorstellungen des Führers lächelten.

Pakistan lehnt den Wunsch der USA, die junge Frau zu verhören, ab. Amal könnte schließlich erklären, wie der meistgesuchte Terrorist der Welt es schaffte, sich jahrelang zu verstecken ? und ob er dabei Rückendeckung genoss.

„Als die USA anfingen, Afghanistan zu bombardieren, zogen wir mit einigen Kindern in eine Gebirgsgegend und versteckten uns zwei Monate lang in Höhlen“, erzählte Amal 2002 dem saudi-arabischen Magazin Al Majalla, „Dann kamen einige Söhne (Osamas) und nahmen uns mit. Wir wussten nicht, dass wir Pakistans Regierung übergeben würden.“

In Abbottabad war Amal die einzige der insgesamt sechs Gemahlinnen, die bei Bin Laden lebten. In all den Jahren, so die Witwe, habe sie das Gebäude nicht ein einziges Mal verlassen.

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