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Bilderberg-Konferenz Geheimes Treffen der Elite

Reiche, Mächtige und Politiker treffen sich auf der geheimen Bilderberg-Konferenz. Demokratiefreier Raum und Re-Feudalisierung werfen Kritiker der Veranstaltung vor - andere stricken an Verschwörungstheorien. Von Marcus Klöckner

07.06.2010 00:06
Marcus Klöckner
Protest gegen die Bilderberg-Konferenz in Spanien. Foto: rtr

Die Linke hat die geheime Bilderberg-Konferenz, bei der sich bis Sonntag im spanischen Sitges 130 Funktionsträger aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Medien trafen, scharf gerügt. Linken-Politikerin Gesine Lötzsch sieht in den Treffen ein erhebliches Demokratiedefizit. "Es darf in Europa keine demokratiefreien Räume geben", sagte sie der FR. Wegen des mitunter rabiaten Vorgehens der Sicherheitskräfte gegenüber Pressevertretern kündigte sie an, am Mittwoch im Parlament zwei Anfragen zu stellen.

Die Bilderberg-Konferenz ist ein diskretes Gremium der westlichen Machtelite, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Weltpolitik spricht. Der Elitezirkel trifft sich seit 1954 einmal im Jahr. Bilderberg ist zwar keine "geheime Weltregierung", wie manche mutmaßen. Dennoch versuchen die Teilnehmer, von denen gut zwei Drittel aus der Wirtschaft und der Hochfinanz kommen, durch Konsens eine gemeinsame Denk- und Handlungslinie zu erreichen. Daraus ergeben sich Konsequenzen.

So ist bekannt, dass auf Anraten David Rockefellers bei einer Bilderberg-Konferenz die Trilaterale Kommission gegründet wurde, eine Denkfabrik zur Zusammenarbeit der Wirtschaftsräume Nordamerika, EU und Japan. Laut den Memoiren des Ex-US-Botschafters in Berlin, John McGhee, kam Bilderberg zudem bei der Mitgestaltung der Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) eine wichtige Rolle zu.

Und laut dem Ehrenvorsitzenden des Zirkels, dem belgischen Unternehmer Etienne Davignon, geht auch der Euro auf Bilderberg zurück.

Bei der Konferenz in Sitges debattierten wieder illustre Gäste: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Siemens-Chef Peter Löscher, Spaniens Premier José Luis Rodríguez Zapatero, Weltbank-Chef Robert Zoellick, Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer, SPD-Vize Olaf Scholz, Daimler-Chef Dieter Zetsche und die niederländische Königin Beatrix.

Der Mediensoziologe Rudolf Stumberger sprach im Deutschlandradio von "Tendenzen der Re-Feudalisierung" durch Bilderberg. Und der Niederländer Kees van der Pijl, Professor für Internationale Beziehungen, rügt: "Die dort vertretenen Interessen haben nicht viel mit Demokratie zu tun."

Für den Münsteraner Soziologen Hans Jürgen Krysmanski gehören die Konferenzen zu den "vielen Begegnungen, bei denen die Reichen und Mächtigen aus Wirtschaft und Finanz unserer politischen Klasse auf den Zahn fühlen und ihnen sozusagen Schnellkurse darin verpassen, wie sie ihre Macht ausüben sollten."

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