Lade Inhalte...

Biermann Linke Wolf Biermann und der Bundestag

Der umstrittene Auftritt des DDR-Liedermachers im Plenum sorgt weiter für Diskussionen. Biermann hat zum Mauerfall-Jubiläum nicht nur gesungen, sondern auch die Linkspartei beschimpft.

Ignorierte Parlamentssprecher Norbert Lammert: Wolf Biermann. Foto: REUTERS

Es kann sein, dass Wolf Biermann noch einmal zurückkommt in den Bundestag. Nicht persönlich, aber als Sitzungsthema im Ältestenrat des Bundestags. Dort also, wo über grundsätzliche Fragen des Parlamentsbetriebs beraten wird. Um solche grundsätzlichen Fragen geht es, findet die Linkspartei. „Der Auftritt ist vor allem ein Problem des Bundestagspräsidenten“, sagte Fraktionsgeschäftsführerin Petra Sitte der Frankfurter Rundschau.

„Der zweithöchste Mann im Staat hat sich von seinem Ehrengast desavouieren lassen. Das habe ich so noch nie erlebt. Er muss sich darüber Gedanken machen, wie sichergestellt werden kann, dass seine Interventionen im Bundestag nicht folgenlos bleiben“, sagte Sitte.

Der Liedermacher Biermann hatte bei der Feierstunde zum Mauerfall-Jubiläum am Freitag nicht nur gesungen und die Linkspartei beschimpft – er ignorierte auch Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU), der ihn darauf hinwies, dass er kein Rederecht habe. Biermann erklärte, er lasse sich nicht den Mund verbieten und redete weiter.

Nicht besonders glücklich sei das gewesen, heißt es selbst an Stellen in der Koalition, wo man inhaltlich nichts auszusetzen hat an Biermanns Äußerungen und seiner Linken-Kritik. Die Union allerdings hat kein großes Interesse, Lammert mit Verfahrensfragen zu beschäftigen. Man werde den Bundestagspräsidenten höchstens erneut zur Einladung Biermanns beglückwünschen, lässt Fraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer ausrichten.

Biermann hat seinen Auftritt am Wochenende noch einmal selbst bewertet. „Ein Dichter, ein politischer Dichter zumal, der muss immer etwas weiter gehen als andere Leute“, hat er dem Deutschlandfunk gesagt. Er hatte die Linkspartei im Bundestag als „Drachenbrut“ und „elenden Rest“ der SED bezeichnet.

Die Linkspartei hatte im Parlament auf die Angriffe nicht reagiert. Zum Jahrestag des Mauerfalls hatte die Parteiführung unter Katja Kipping am Wochenende eine Erklärung verbreitet, in der sie sich für DDR-Unrecht entschuldigt. Biermanns Gesang begleitete der baden-württembergische Linken-Abgeordnete Richard Pitterle sogar mit rhythmischem Trommeln und leisem Mitsingen. Biermann habe in seiner Kritik überzogen. Er gehe von einem Schwarz-Weiß-Denken aus und habe offenbar alte Rechnungen begleichen wollen. Das ändere nichts daran, dass er schöne Lieder geschrieben habe, sagte Pitterle.

Die sächsische Bundestagsabgeordnete Susanna Karawanskij hat ein weiteres Detail des Biermann-Auftritts öffentlich gemacht. Sie saß an diesem Morgen als Schriftführerin auf dem Podium neben Lammert. Der Liedermacher habe sie nach seinem Auftritt gefragt, ob sie von der Linkspartei sei, berichtet sie auf ihrer Internet-Seite. Sie habe genickt. Biermann habe darauf gesagt: „Am Gesicht, am Gesicht kann man das erkennen.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen