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Bevölkerungswachstum Afrikas Jugend ist eine Chance

Nirgendwo anders - prozentual gesehen - leben soviel junge Menschen wie in Afrika. Doch das starke Bevölkerungswachstum hat zwei Seiten: Es könnte Afrika in die industrielle Neuzeit katapultieren. Andererseits könnten die Ressourcen knapp werden.

Schafft Afrika ein Sprung in die industrielle Neuzeit. Foto: imago stock&people

Afrika mag zwar die Wiege der Menschheit und die Heimat unserer ältesten Vorfahren sein, doch der Kontinent hat sich jung gehalten. Nirgendwo anders in der Welt leben prozentual gesehen so viele junge Menschen: Das Durchschnittsalter der Afrikaner beträgt gegenwärtig 18 Jahre, 40 Prozent der Bevölkerung sind sogar unter 14 Jahre alt.
Das liegt vor allem daran, dass der Kontinent eine Geburtenrate wie kein anderer Teil der Welt vorweist: Im südlich der Sahara gelegenen Afrika bekommt eine Frau im Durchschnitt fünf Kinder. Das hat zur Folge, dass die Zahl der Afrikaner von heute etwas über einer Milliarde bis auf 2,4 Milliarden zur Mitte dieses Jahrhunderts anwachsen wird – im Jahr 2100 sollen es sogar zwischen 3,5 und 4,2 Milliarden sein. Da in den meisten anderen Teilen der Welt die Bevölkerung allmählich zurückgeht, wird in rund 90 Jahren jeder dritte Erdenbürger ein Afrikaner sein.

„Goldlöckchen“-Chance

Was für die im Schwinden begriffenen bleichhäutigen Europäer bedrohlich klingen mag, könnte sich für die Afrikaner als einmaliger Segen erweisen. Wirtschafts- und Bevölkerungswissenschaftler sprechen von einer „Goldlöckchen“-Chance des Kontinents: Eine sich in der Geschichte nur selten präsentierende Gelegenheit, die den Erdteil in die industrielle Neuzeit katapultieren könnte.
Denn wegen der noch intakten Bevölkerungspyramide wird der Anteil der werktätigen Afrikaner (zwischen 25 und 59 Jahre alt) von derzeit gut 370 Millionen auf fast 900 Millionen im Jahr 2050 ansteigen: Dann sind nur 55 und nicht wie derzeit 66 Prozent der Bevölkerung entweder als Schüler oder Pensionäre auf die Unterstützung anderer angewiesen.
Afrika wird dann ein deutlich größeres Heer an Arbeitskräften als etwa China haben: Internationale Konzerne könnten es als geraten betrachten, ihre Produktionsstätten vom Yangtse an den Kongo oder den Niger zu verlegen.
Vor allem, weil die demografische Entwicklung auch noch parallel zur ökonomischen Renaissance des riesigen Kontinents verläuft: Derzeit genießt Afrikas Wirtschaft Wachstumsraten wie kaum ein anderer Erdteil, die „demografische Dividende“ könnte den Aufschwung wie zuvor in anderen Volkswirtschaften der Welt in einen ausdauernde Entwicklung nach oben verwandeln.
Soweit der Königsweg der Prognostiker. Das anhaltende Bevölkerungswachstum könnte allerdings auch in die Katastrophe führen: Vor allem, wenn das anschwellende Heer der Arbeitssuchenden partout keine Beschäftigung findet. Die Slums um Afrikas Metropolen wie Lagos, Nairobi oder Johannesburg wachsen: Dort baut sich eine Dynamik auf, die zu Gründerzeitenergie – oder zu destruktiven Entladungen führen wird. Der arabische Frühling im Norden des Kontinents dient vielen, anders als man vermuten könnte, als Warnung.

Sorge um Ressourcen

Gleichzeitig besteht sogar die Gefahr, dass die archaische afrikanische Agrarwirtschaft die explodierende Bevölkerung nicht mehr ernähren kann: Falls nicht bald auch Afrika eine Grüne Revolution erlebt, könnte der britische Pessimist Thomas Robert Malthus schließlich doch noch recht bekommen, demzufolge die menschliche Bevölkerung stärker zunimmt als die Ressourcen, die sie zum Leben braucht. Zudem sichern sich auch andere Staaten wie China oder westliche Konzerne fruchtbare Gebiete für eigene landwirtschaftliche Produktionen.
Sorgen bereitet den Demografen vor allem ein geografisches Detail: dass das Bevölkerungswachstum ausgerechnet in jenen Regionen am stärksten ist, die zu den problematischsten des Kontinents gehören. Gerade in der von Dürren, wirtschaftlicher Stagnation und Unruhen geplagten Sahelzone – in Ländern wie Mauretanien, Mali, dem Niger, dem Norden Nigerias und dem Tschad bis in den Sudan und den Trümmerstaat Somalia – bekommen Frauen oft sogar mehr als fünf Kinder: Dort wird sich die Bevölkerung in den nächsten 40 Jahren verdreifachen.
Vielen Bewohnern wird zur Sicherung ihrer Existenz nur die Migration in grünere Gefilde bleiben: In Staaten wie Ghana, den Süden Nigerias oder ganz hinab nach Südafrika, wo der relative Wohlstand und – weniger entscheidend – die Auswirkungen der inzwischen weitgehend unter Kontrolle gebrachten HIV-Pandemie das Bevölkerungswachstum bereits deutlich vermindert haben.
Solche Migrationsströme werden allerdings ihrerseits wieder Spannungen erzeugen: Dem alten Kontinent der Jungen stehen aufregende Zeiten bevor.

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