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Beto O’Rourke Linksliberaler Hoffnungsträger

Ausgerechnet in Texas will Demokrat Beto O’Rourke bei den Wahlen im November mit einem linksliberalen Programm gewinnen und den erzkonservativen Senator Ted Cruz ablösen.

Betro O’Rourke
Betro O’Rourke soll ein Wunder vollbringen. Foto: Imago

Auch wenn der Politiker es nicht gerne hervorhebt: Die sozialen Medien sind für die „Betomania“ zentral. Nach öffentlichen Auftritten bleibt er, bis alle sich mit ihm fotografiert haben – und hofft darauf, dass die Bilder an Freunde und Verwandte verschickt oder im Internet geteilt werden. In Austin zieht sich die Schlange durch das gesamte Foyer der großen Kirche. Zwei Mitarbeiterinnen stehen bereit, die eine nimmt die Handys in Empfang, die zweite schießt die Fotos – und sorgt dafür, dass nichts ins Stocken gerät: ein Selfie-Fließband.

Seine Gegner nehmen ihn ernst

Seine Auftritte können Anhänger zudem als Live-Video auf Facebook verfolgen, genau wie Szenen aus dem Wahlkampf-Roadtrip, für den O’Rourke mit einem – in Texas obligatorischen – Pick-up unterwegs ist. Zuletzt hat er bundesweit mit einem Videoclip für Aufsehen gesorgt, in dem er die Football-Spieler verteidigt, die sich hinknien, wenn die Nationalhymne erklingt, um gegen Rassismus zu protestieren. Millionen Menschen haben die kurze Sequenz gesehen und geteilt.

Eines hat O’Rourke schon erreicht: Seine Gegner nehmen ihn ernst. Ted Cruz hat bereits mehrere Negativspots senden lassen und warnt seine Anhänger, die Wahl als entschieden anzusehen. Erst kürzlich hat eine mächtige Lobbygruppe angekündigt, Millionen Dollar in Anti-O’Rourke-Werbung zu investieren. Auch Trump unterstützt seinen ehemaligen Konkurrenten um die Präsidentschaftskandidatur, den er einst als „Lügen-Ted“ beschimpft und dessen Vater er mit dem Kennedy-Attentat in Verbindung gebracht hatte. Er werde im Oktober das „größte Stadion, das ich finden kann“ für einen Auftritt aussuchen, twitterte er kürzlich. Zur Frage, ob Trumps Unterstützung nach den Skandalen der letzten Zeit schädlich sein könnte, wollte Cruz sich im Gespräch mit der FR Ende August am Rande eines Termins in Austin nicht äußern.

Trotz des Hypes wissen viele Demokraten auch: O’Rourke ist nicht der erste Shooting Star und Medienliebling, der am Wahltag untergeht. Viele Beobachter halten einen Sieg weiter für unwahrscheinlich, Umfragen hin oder her. Gelänge es O’Rourke aber, Cruz abzulösen, dann dürften sich die politischen Gewichte in Texas nachhaltig verschieben.

„Oh happy day, er wird gewinnen“, singt die Gospel-Band in Austin. Der harte Wahlkampf des Kandidaten, der seine bei Auftritten durchgeschwitzten Hemden zu einer Art Markenzeichen gemacht hat, zeigt: Auf ein Wunder will sich O’Rourke nicht verlassen. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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