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Beto O’Rourke Linksliberaler Hoffnungsträger

Ausgerechnet in Texas will Demokrat Beto O’Rourke bei den Wahlen im November mit einem linksliberalen Programm gewinnen und den erzkonservativen Senator Ted Cruz ablösen.

Betro O’Rourke
Betro O’Rourke soll ein Wunder vollbringen. Foto: Imago

Obwohl er bereits seit 2012 im US-Abgeordnetenhaus sitzt, will O’Rourke nicht als gewöhnlicher Politiker wahrgenommen werden. Er verzichtet demonstrativ auf Finanzspritzen der einflussreichen instititutionellen Lobbygruppen. So blieben die Prioritäten gewahrt, sagt er. Stattdessen setzt er auf private Spender und hat bereits mehr als 23 Millionen US-Dollar eingesammelt, etwa so viel wie der gut vernetzte Ted Cruz, und das in deutlich kürzerer Zeit. Der Durchschnitt der Einzelspenden liegt laut eigenen Angaben bei nur 33 US-Dollar.

O’Rourke will die Wähler an die Urnen bringen

Auf seiner Website findet man das gewohnte Familienfoto mit Frau und Kindern, zugleich aber zeigt sich O’Rourke gern modern, nahbar und locker. Als Student hat er in einer Punkband Bass gespielt, hatte auch mal Probleme mit der Polizei, heute tritt er mit der Outlaw-Country-Legende Willie Nelson auf oder fährt Skateboard auf dem Parkplatz einer Burger-Kette. Der dreifache Vater aus der Grenzstadt El Paso spricht fließend Spanisch, obwohl er keine Latino-Vorfahren hat – und flucht auch gerne in der Sprache. Seit seiner Kindheit wird er Beto gerufen, die spanische Koseform seines Vornamens Robert. Die Demokraten hoffen auch auf Erfolg bei den Hispanics, die in Texas inzwischen rund 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen, aber oft überproportional den Urnen fernblieben. 

Fragt man ihn nach seiner Strategie, um das Wunder Wirklichkeit werden zu lassen, antwortet er: „Hingehen.“ Er meint damit auch sich selbst. O’Rourke ist öffentlichkeitswirksam alle 254 Landkreise in Texas abgefahren – in einem Bundesstaat, fast doppelt so groß wie Deutschland. Er setzt aber vor allem darauf, dass andere hingehen: die Wähler am Wahltag. O’Rourke und seine Anhänger haben sich vorgenommen, so viele Wähler zu mobilisieren wie nie zuvor. Dafür sammeln Freiwillige Daten, die auf einer frei zugänglichen Karte eingetragen werden. Dort sind die Gebiete verzeichnet, in denen viele potenzielle Demokraten-Stimmen erwartet werden. Wenig überraschend liegen die vor allem in den Städten. Es gebe 5,5 Millionen Wahlberechtigte, die mit hoher Wahrscheinlichkeit für O’Rourke stimmen würden, wenn sie denn zur Wahl gingen, behauptet sein Team. Das würde reichen. Texas gehört zu den Staaten mit der niedrigsten Wahlbeteiligung. Bei den Präsidentschaftswahlen 2016 lag sie je nach Zählweise bei um die 50 Prozent, weniger als neun Millionen Texaner stimmten ab, Trump gewann mit neun Prozentpunkten Vorsprung. 

Überzeugt werden sollen die Nichtwähler vor allem durch ihre Nachbarn und Bekannten, heißt es. O’Rourkes Team bildet Freiwillige aus, die telefonieren, SMS schreiben, E-Mails versenden und von Tür zu Tür ziehen. Eine Grassroots-Bewegung, sagt der Kandidat. Bereits jetzt sollen 10 000 dabei sein. „TV-Spots sind vielleicht gut, Social Media kann mächtig sein, aber nichts stellt eine Verbindung her, wie solche persönliche Treffen“, sagt O’Rourke der FR. 

Anita Howard ist eine dieser Freiwilligen. Die Frau mit den kurzen grauen Haaren steht ganz in Weiß im Foyer der Kirche in Austin, sie trägt eine dunkelblaue Baseball-Kappe auf der in Versalien BETO steht und hakt hektisch Punkte auf ihrer To-do-Liste auf einem Klemmbrett ab. „Ich mache das zum ersten Mal“, sagt sie. Nach Trumps Wahlsieg sei sie fast nicht mehr aus dem Bett gekommen, erinnert sie sich. Irgendwann habe sie sich gedacht: „Ich muss etwas Positives tun, ich muss helfen, damit jemand Vernünftigeres gewählt wird“. An O’Rourke überzeugt sie vor allem der Verzicht auf Großspender. „Es war ein obamaesker Moment als ich ihn zum ersten Mal sprechen gehört habe“, sagt Howard, die als Studentin noch für Ronald Reagan stimmte.

Eine andere Anhängerin vergleicht O’Rourke gleich mit John F. Kennedy. Sie habe sich schon für Hillary Clinton engagiert, erzählt Chloe, die ihren Nachnamen nicht verraten möchte. Sie trägt große Glitzerohrringe, hat eine Louis-Vuitton-Tasche auf dem Schoß. Und wenn es diesmal wieder nicht klappt? „Es wäre herzzerreißend“, sagt sie. Bei dem Gedanken schießen ihr kurz Tränen in die Augen. Eine junge Frau mit langen, lila gefärbten Haaren sagt später: „Ganz ehrlich, mir geht es um die Zukunft unserer Demokratie“, nachdem sie für ein Foto mit O’Rourke posiert hat. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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