Lade Inhalte...

Beto O’Rourke Linksliberaler Hoffnungsträger

Ausgerechnet in Texas will Demokrat Beto O’Rourke bei den Wahlen im November mit einem linksliberalen Programm gewinnen und den erzkonservativen Senator Ted Cruz ablösen.

Betro O’Rourke
Betro O’Rourke soll ein Wunder vollbringen. Foto: Imago

„Wir brauchen ein Wunder bei dieser Wahl“, ruft der Sänger des Gospel-Trios in der Mount Sinai Baptist Church von der Bühne. „Wir erwarten das Unmögliche!“ Dann setzt die E-Orgel ein, die Menge klatscht im Takt. Die türkis bezogenen Holzbänke sind bis auf den letzten der mehr als 1000 Plätze besetzt, trotzdem drängen weiter Menschen in den Saal mit dem spröden Charme einer Mehrzweckhalle. Heute wird ausnahmsweise kein Gottesdienst gefeiert. In der Kirche in der texanischen Hauptstadt Austin warten an diesem heißen Montagmittag alle auf einen, auf Beto. Er soll das Wunder vollbringen. 

Beto O’Rourke will im November etwas schaffen, das viele für unmöglich halten – oder hielten: als Demokrat die Wahlen im als konservative Hochburg geltenden Bundesstaat Texas gewinnen – und einen der beiden Senatssitze von den Republikanern übernehmen. Zum letzten Mal hat das 1988 geklappt. 

Der schlanke, große Mittvierziger mit dem grau melierten Haar ist in den vergangenen Wochen zum Hoffnungsträger avanciert, von einer „Betomania“ ist gar die Rede. Das hat auch mit überraschenden Zahlen zu tun: Spätestens seitdem Umfragen O’Rourke nur wenige Prozentpunkte hinter dem erzkonservativen Amtsinhaber und eigentlichen Favoriten Ted Cruz sehen, interessieren sich plötzlich nicht mehr nur Texaner für den Wahlkampf im zweitgrößten Bundesstaat der USA, den Demokraten oft schon abgeschrieben haben. 

Bei den Midterm Elections im November geht es um viel. Die Demokraten hoffen, zumindest im Repräsentantenhaus die Mehrheit zu erobern, um der Politik von Präsident Donald Trump etwas entgegensetzen zu können. Im Senat die erforderlichen Sitze zu gewinnen, gilt als schwieriger. 

„Eine wirklich tiefe Dunkelheit liegt derzeit über unserem Land“, sagt O’Rourke in der Kirche. Die Ärmel seines hellblauen Hemdes hat er hochgekrempelt, trägt Jeans statt Anzug und Krawatte. Es gelte, Hass und Rassismus etwas entgegenzusetzen. „Es ist noch Zeit, etwas zu tun.“ Für die Trennung von Familien von Asylsuchenden, eine Folge von Trumps „Null-Toleranz-Politik“, sei „jeder Einzelne von uns“ mitverantwortlich, „bis wir es wieder gutmachen“. Das Thema bewegt im Saal sichtlich viele. Die Szenen an der Grenze zu Mexiko spielen sich nicht weit entfernt ab.

„Wir wollen nicht, dass unsere Kinder uns fragen: Wer waren diese pendejos (Spanisch für Arschlöcher), die diese Mauer gebaut haben?“, sagt O’Rourke unter Jubel. Er gilt als charismatischer Redner und spricht auch an diesem Tag frei – über eine Krankenversicherung für alle, die Legalisierung von Marihuana und eine entschlossene Klimapolitik. Über gleiche Rechte für LGBTQI und die Liberalisierung der Abtreibungsgesetze und des Staatsbürgerrechts. Eindringlich, mit einer ordentlichen Portion Pathos, aber nicht schrill. O’Rourke macht mit linksliberalen Positionen Wahlkampf – ausgerechnet in Texas. 

O’Rourke geht es um Sachfragen, nicht um Parteipolitik

Seit der verlorenen Präsidentschaftswahl stehen die Demokraten vor der Frage: Nach links rücken – und damit die eigene Basis und Nichtwähler mobilisieren – oder lieber in der Mitte um verschreckte Republikaner-Wähler werben? O’Rourke scheint einen etwas eigenen Weg zu gehen.

„Das Einzige, was du in der Mitte der Straße finden wirst, sind gelbe Linien und tote Gürteltiere“, hat er einmal einem Reporter erklärt. Vom Partei-Establishment hat er sich mitunter distanziert, aber als „demokratischer Sozialist“, wie Bernie Sanders, gilt er auch nicht. Im Gespräch mit der FR gibt er sich bescheiden. Auf die Frage wie sich die Demokraten insgesamt positionieren sollten, habe er keine Antwort. Ihm gehe es nur um Sachfragen, nicht um Parteipolitik. Immer wieder betont O’Rourke an diesem Tag, er könne auch mit Republikanern zusammenarbeiten, um etwas zu erreichen, gibt er sich als Brückenbauer. Das kommt hier gut an. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen