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Besuch in Bethlehem Wulff will nicht zu viel versprechen

Bei seinem Staatsbesuch in Bethlehem versucht der Bundespräsident, sich von den Palästinensern nicht vereinnahmen zu lassen. Seine Rolle im Nahost-Konflikt spielt Wulff geschickt herunter: Er könne wie andere gewiss nur einen ganz kleinen Beitrag leisten, räumt er ein.

Wulff erhält in der Altstadt von Bethlehem einen palästinensischen Schal. Foto: dpa

Für einen Moment trägt Christian Wulff palästinensische Farben. Beim Gang durch die Altstadt von Bethlehem haben ihm Händler ein aus der Nationalfahne gefertigtes Halstuch umgelegt. Der Bundespräsident lässt es geschehen, doch nach ein paar Schritten ist das symbolträchtige Tuch wieder verschwunden.

Nach drei Tagen in Israel hat Wulff seine Reise am Dienstag mit einem Besuch in den palästinensischen Gebieten abgeschlossen – und das ist eines der Signale, die er setzen möchte. Immerhin ist er seit zehn Jahren der erste deutsche Präsident, der den von vielen in Israel nicht so geschätzten Abstecher unternimmt.

Und wer wie die Deutschen und ihr Präsident vom Ziel zweier Staaten spricht, muss auch einmal zeigen, dass er es ernst meint. Am Grenzkontrollpunkt „Rachels Grab“ am Rande von Jerusalem, der an den Checkpoint Charlie im geteilten Berlin erinnert, wechselt Wulffs Kolonne die Fahrzeuge und passiert das mächtige, zur Seite gefahrene Metalltor. Nun ist er Gast der Palästinenser, und die machen aus dem Besuch so viel, wie nur irgend geht. Alle hundert Meter steht an der Straße ein Sicherheitsposten, in Bethlehem sind viele Straßen gesperrt und deutsche und palästinensische Fahnen flattern in der gleißenden Sonne. Für die Palästinenser ist die Visite des Staatsoberhauptes eines großen europäischen Landes politisch von größter Bedeutung, es ist ein Staatsbesuch.

Aber Wulff versucht, sich nicht vereinnahmen zu lassen. Ihm ist die politische Brisanz wohl bewusst, doch zuerst einmal widmet er sich einem touristischen Programm. Der Besuch der Geburtskirche ist für den gläubigen Katholiken ein bewegendes Erlebnis, zumal Tochter Annalena (17) an seiner Seite ist. In der Grotte unter dem Kirchenschiff, wo der Überlieferung nach Jesus geboren wurde, bittet er darum, einige Minuten allein mit seiner Tochter Andacht halten zu können.

„Helfen Sie, dass wir in Freiheit leben können“

Doch schon auf dem Dach des Komplexes, wohin ihn Franziskanermönche dann geleiten, ist die politische Realität nicht mehr zu übersehen. Der Blick geht weit hinüber nach Jordanien, aber auch die Ausläufer des mit einer israelischen Mauer abgeriegelten Jerusalem sind zu sehen, dazwischen von Israelis errichtete Siedlungen auf palästinensischem Gebiet. Wulff lauscht den Erläuterungen und schweigt.

Später, beim Gang durch die Altstadt, wird er von einer Gruppe Palästinenser in traditioneller Kleidung angesprochen. „Helfen Sie, dass die Missstände der Besatzung ein Ende haben“, übersetzt ein Dolmetscher ihre Bitte. „Helfen Sie, dass wir in Freiheit leben können.“ Der Bundespräsident nickt und lächelt. Dann kommt ein deutsches Fernsehteam. Wie er seine Rolle im Nahost-Konflikt sehe, lautet eine Frage. Er könne wie andere gewiss nur einen ganz kleinen Beitrag leisten, sagt der Bundespräsident. In der Summe könne das aber doch einiges bewegen.

Eine große Botschaft ist das gerade nicht. Aber sie entspricht der Philosophie, die Wulff schon in Israel formuliert hat. „Der Bundespräsident ist ein kleines Rädchen in einem großen Räderwerk“, hat er da zu seinen Einflussmöglichkeiten auf die Lage im Nahen Osten gesagt. Wie aber passt das mit der Einschätzung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zusammen, der Deutschland eine Schlüsselrolle bei der Lösung der Probleme zuweisen möchte?

Präsident Mahmud Abbas empfängt Wulff in seiner stattlichen Residenz wie einen Staatsgast, obwohl er doch nur über „Gebiete“ herrscht. Es gibt Hymnen, militärische Ehren, Wulff verneigt sich vor der Fahne. All das nehmen die Palästinenser mit großer Dankbarkeit zur Kenntnis.

„Sie sind ein wahrer Freund“, sagt Abbas später vor der Presse. Wulff traut sich nun doch ein wenig mehr. Es sei zwingend für ihn gewesen, seinen Besuch in Jerusalem mit dem in Bethlehem zu verbinden. Immerhin, das ist sein Signal. Zu kritischen Punkten der Verhandlungen zwischen beiden Seiten möchte er aber nichts sagen, „um deren Komplexität nicht zu beschweren“. Und eine besondere Rolle für Deutschland im Konflikt sieht er auch nicht. So ist das wohl als kleines Rädchen in einem großen Räderwerk.

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