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Beschneidung Streit nach Ethikrat-Votum

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, hat dafür plädiert, Beschneidungen nicht strafrechtlich zu verfolgen. Der Vorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, bezeichnete die Position des Ethikrates hingegen als Skandal.

Mitglieder des Deutschen Ethikrates in der Brandenburgischen Akademie in Berlin. Foto: dapd

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, hat dafür plädiert, Beschneidungen nicht strafrechtlich zu verfolgen. „Ich bin für ein Gesetz, das Strafverfolgung verhindert“, sagte er dieser Zeitung. „Sonst werden Hunderttausende in die Illegalität getrieben.“ Und der Staat habe eine Verantwortung für die Ergebnisse seines Handelns. Er sei aber zunächst „gegen ein Gesetz, das die Beschneidung rechtfertigt“, so Hilgers weiter. Denn dazu seien zu viele Fragen noch offen. Die Hektik in der Diskussion sei überdies völlig unangebracht.

Der Verbandspräsident reagiert damit auf ein Votum des Deutschen Ethikrates, der Beschneidungen mit Auflagen zulassen will. So sollten Schmerzen gelindert werden, hieß es. Auch müsse der Eingriff fachgerecht sein.

Der Vorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, bezeichnete die Position des Ethikrates hingegen als Skandal. „Das Kindeswohl und das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit haben bei der Entscheidung offenbar keine Rolle gespielt.“

Beschneider-Ausbildung soll neu organisiert werden

Der Zentralrat der Juden in Deutschland will als Reaktion auf den Streit um religiöse Beschneidungen von Jungen die Ausbildung von Beschneidern neu organisieren. Die aktuelle Debatte habe die Notwendigkeit gezeigt, die Ausbildung in eine organisatorische Form zu bringen, die auch künftig einheitliche religiöse und medizinische Standards garantiert, betonte Zentralrats-Vizepräsident Josef Schuster am Freitag in Berlin. Hierfür seien die Ausbildungsstätten der Rabbiner hervorragend geeignet. Der Zentralrat führe Gespräche mit dem Hildesheimer'schen Rabbinerseminar zu Berlin und dem Abraham Geiger Kolleg. Unter dem Dach der Institutionen solle künftig die Ausbildung von Beschneidern institutionalisiert werden.

Unterdessen hat der israelische Präsident Schimon Peres in einem Schreiben an seinen deutschen Kollegen Joachim Gauck die Bedeutung des Ritus hervorgehoben. „Die Beschneidung ist ein seit Jahrtausenden im Herzen der jüdischen Identität befindliches jüdisches Ritual, das das jüdische Volk seit den ersten Geboten Gottes an Abraham definiert“, schreibt er. Es sei unverzichtbar.

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