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Berichte über Attacken Tatwaffe Messer: Wächst die Gefahr?

Immer mehr Jugendliche sind mit Stichwaffen unterwegs. Berichte über Attacken häufen sich, doch Experten sehen keinen Trend. Die FR trägt die Fakten zusammen.

Stichwaffen
Gewaltdelikte mit Messern erregen hohe Aufmerksamkeit, aber sie machen nur einen sehr kleinen Teil aller schweren Verbrechen aus. Foto: istock

Steigt sie, oder steigt sie nicht, die Zahl der Gewalttaten mit Messer in Deutschland? Allein vom vergangenen Wochenende berichtete die Deutsche PresseAgentur von acht Messerstechereien. Darunter ist der Fall einer lebensgefährlich verletzten Frau aus Burgwedel in Niedersachsen, die schlichten wollte und mit einem Messer angegriffen wurde.

Die „Bild“-Zeitung verbreitete vor wenigen Tagen eine Horrornachricht, wonach bis zu 300 Prozent mehr Angriffe mit Messern verübt würden. Und dazu die Schlagzeile „Messer-Angst in Deutschland“, auch die AfD springt auf das Thema drauf. Der Horror verschwindet aber, wenn man genauer hinsieht.

Rechte instrumentalisieren Fall Kandel

Nach einer Umfrage bei allen Landeskriminalämtern (LKA) zeigt sich das Thema Körperverletzung durch Stichwaffen deutlich differenzierter. Grundsätzlich verzeichnen mehrere LKAs einen Anstieg vor allem zwischen 2014 und 2016. Einige Bundesländer weisen explizit darauf hin, dass die Zahlen 2017 gesunken sind. Andere Bundesländer liefern gar keine Daten. Für eine allgemeine, ganz Deutschland betreffende Aussage fehlt also die Datengrundlage. Doch es gibt Auffälligkeiten.

Der angebliche Anstieg von Messerangriffen in der Stadt Leipzig um 300 Prozent von 2011 bis 2017 ist vor allem eine Häufung von Vorfällen in den Asylunterkünften – ein Hinweis auf die Zustände in den Heimen, wie ein Leipziger Polizeisprecher sagte. Nach Aussagen der Polizei in Leipzig sind die Opfer selbst vielfach Asylsuchende oder Beschäftigte in den Heimen. Möglich ist, dass dieser Trend auch in anderen Bundesländern zu beobachten ist. Daten dazu liegen nicht vor.

Es fällt zum Beispiel bei Daten aus Thüringen, Baden-Württemberg und Niedersachsen auf, dass es einen Anstieg von Gewaltdelikten mit Stichwaffen in den Jahren 2015 und 2016 gab. Das war die Zeit, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. In Baden-Württemberg, das Informationen über die Herkunft von Tatverdächtigen zur Verfügung gestellt hat, zeigt sich, dass die Zahl der nicht-deutschen Tatverdächtigen im Zeitraum 2015 bis 2016 zugenommen hat. Ebenso ist dies in Sachsen-Anhalt der Fall. In den der FR vorliegenden Listen tauchen dann die afghanische, die syrische und vereinzelt die irakische Staatsbürgerschaft häufiger auf.

In absoluten Zahlen bilden Deutsche die größte Gruppe bei allen Tatverdächtigen. Unter den Ausländern fällt eine Gruppe auf: afghanische Männer, sie sind in den Listen ermittelter Verdächtiger – gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung – überproportional oft vertreten.

Auch in Hessen fällt diese Gruppe auf. Im Jahr 2017 waren die meisten ermittelten ausländischen Tatverdächtigen, die eine Stichwaffe benutzt hatten, Afghanen. Vorher waren es jahrelang Türken, die nun an zweiter Stelle folgen. Wer sich wissenschaftlich mit dem Thema befasst, verweist auf zwei herausragende Ursachen: überkommene Männlichkeitsrollen und Lebensperspektiven.

Die Frage, ob Deutschland ein Problem mit Messergewalt hat, wird spätestens seit dem Mord an einer Schülerin in Kandel diskutiert. Ende Dezember hatte ein Mann afghanischer Herkunft seine 15-jährige Exfreundin erstochen. In der aufgeheizten Stimmung instrumentalisieren rechte Gruppen den Mord für Propaganda gegen Zuwanderung. In vergleichbaren Fällen unter deutschen Bürgern bleibt der Aufschrei aus.

Mehrfach warnten die Sprecher der Landeskriminalämter, die der FR Statistiken zu Verfügung stellten, dass die Datenbasis schwach sei. Wenn eine Stichwaffe am Ort eines Verbrechens gefunden wird, muss sie nicht zwingend im Polizeiprotokoll erfasst werden. Nur Schusswaffen müssen registriert werden. Zugleich sagte eine Polizeisprecherin aus Sachsen der FR: „Wenn die Kollegen sehen, dass ein Messer eine tragende Rolle bei einem Fall spielt, dann erfassen sie das.“

In Nordrhein-Westfalen wird es von 2019 an eine Neuerung geben, dort werden Messer explizit erfasst. Ein Sprecher der Polizei teilte auf Anfrage dieser Zeitung mit: „Die Möglichkeiten und Anforderungen für eine zukünftige Erfassung und Abbildung analoger Fall- und Tatverdächtigendaten auf Landesebene werden derzeit erarbeitet.“

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