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Bericht Kohl steht zu Äußerungen über Türken

Vor 30 Jahren wollte der ehemalige Bundeskanzler Kohl die Zahl der in Deutschland lebenden Türken halbieren. Kohl steht zu seinen damaligen Äußerungen - auch wenn er später eine andere Politik verfolgte.

02.08.2013 15:20
Thatcher und Kohl
Die britische Premierministerin Margaret Thatcher traf sich am 30. April 1989 zu Gesprächen mit Bundeskanzler Helmut Kohl. Foto: Foto: Frank Kleefeldt/Archiv

Vor 30 Jahren wollte der ehemalige Bundeskanzler Kohl die Zahl der in Deutschland lebenden Türken halbieren. Kohl steht zu seinen damaligen Äußerungen - auch wenn er später eine andere Politik verfolgte.

Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) hat seine 30 Jahre alten Äußerungen zur Ausländerpolitik verteidigt. Seine Aussage, er wolle die Zahl der in Deutschland lebenden Türken halbieren, «war damals auch in Deutschland bereits Teil einer hinreichend und breit geführten Debatte zur Ausländerpolitik». So heißt in einer am Freitag von seinem Berliner Büro verbreiteten Erklärung.

Spiegel Online hatte zuvor unter Berufung auf britische Geheimprotokolle berichtet, Kohl habe kurz nach seiner Amtsübernahme im Jahr 1982 die Hälfte der in Deutschland lebenden Türken nach Hause schicken wollen. In einem Gespräch mit der britischen Premierministerin Margaret Thatcher habe er gesagt, es sei unmöglich, die Türken in ihrer gegenwärtigen Zahl zu assimilieren Er halte sie für "nicht integrationsfähig und im Übrigen nicht integrationswillig". Mit einer Abfindung wollte sie laut dem Protokoll locken, das Land zu verlassen. Tatsächlich wurde Gastarbeitern von der schwarz-gelben Koalition später ein "Abschiedsgeld" von rund 10.500 Mark geboten.

Mehr will Kohl nicht sagen

Der Erklärung von Kohls Büro zufolge ist seine damalige Position in dem britischen Papier korrekt wiedergegeben. Kohl wolle sich zu der Sache allerdings nicht weiter äußern. Den Ansatz von 1982 hat er in seiner Politik später nicht weiter verfolgt. Zwangsweise hat er sich inzwischen mit der türkischen Kultur etwas näher befasst: Im Jahr 2001 heiratete sein Sohn Peter eine Türkin

Zuwanderer reagierten auf die Enthüllungen gelassen. "Heute kann sich die politische Klasse so etwas nicht mehr leisten. Das ist ein Fortschritt", sagt der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat. Der türkischstämmige Bundestagsabgeordnete Memet Kilic (Grüne) erklärte, Kohls Gedanken seien ohnehin "seit Jahrzehnten die Linie der Unionsparteien". (dpa)

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